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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:42

     

    Sarah Kirsch: Sämtliche Gedichte

    15.04.2005


    Poetische Grenzgängerin

    Pünktlich zum 70. Geburtstag der Georg-Büchner-Preisträgerin des Jahres 1996 liegt nun ein opulenter Band mit sämtlichen Texten aus ihren erfolgreichen Lyrikbänden ("Katzenleben", "Schneewärme", "Erlkönigs Tochter", "Bodenlos" und "Schwanenliebe") vor.

     

    "Sich durchgehauen zu haben, ohne in den Dreck zu geraten." So beschrieb die Schriftstellerin Sarah Kirsch im Rückblick ihre Erfahrungen mit der DDR, die sie 1977 aus Protest nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann verlassen hatte.
    Sarah Kirsch hat sich in vielerlei Hinsicht als Grenzgängerin entpuppt: politisch einst zwischen den beiden deutschen Staaten - künstlerisch zwischen Lyrik und Prosa - immer mehr sogar zwischen Literatur und Malerei, und privat zwischen hektischem Großstadttreiben und ländlicher Ruhe. "Ihr Atelier hat eine fast meditative Atmosphäre, das Aquarellieren wird von ihr zelebriert, wie eine chinesische Tee-Zeremonie", beschrieb der Maler und Galerist Jens Rusch Sarah Kirschs "neue Heimat".

    Seit 25 Jahren lebt sie in der Abgeschiedenheit des 200-Seelen-Dorfes Tielenhemme - dort, wo sich die Eider in unendlichen Biegungen zwischen den Landkreisen Dithmarschen, Rendsburg-Eckenförde und Schleswig-Flensburg durch das nördlichste Bundesland schlängelt. Hier sucht sie den Einklang zwischen Mensch und Natur, den sie in ihrem 1988 erschienenen Prosaband "Allerlei-Rauh" beschrieb - ein malerischer, leicht idyllischer Alltag fernab von der urbanen Unruhe, die die Autorin aus ihrer Zeit in einem Ost-Berliner Hochhaus bestens kennt.

    Ihren Ruhm verdankt Sarah Kirsch, die schon "als Klassikerin zu Lebzeiten" bezeichnet wurde, zweifellos ihrer Lyrik. Eine im Jahr 2000 erschienene Werkausgabe in fünf Bänden unterstreicht ihren Sonderstatus unter den zeitgenössischen Lyrikerinnen. Es sind vor allem die poetischen Versuche, Mensch und Natur in einer Zeit der wachsenden Technisierung und Umweltzerstörung Harmonie zu verleihen, die den Reiz ihrer Werke ausmachen und ihnen einen beinahe unverwechselbaren Tonfall in der Gegenwartslyrik verleihen. Pünktlich zum 70. Geburtstag der Georg-Büchner-Preisträgerin des Jahres 1996 liegt nun ein opulenter Band mit sämtlichen Texten aus ihren erfolgreichen Lyrikbänden ("Katzenleben", "Schneewärme", "Erlkönigs Tochter", "Bodenlos" und "Schwanenliebe") vor.

    Sarah Kirsch, die am 16.April 1935 in Limlingerode (Südharz) als Tochter eines Fernmeldehandwerkers mit dem Namen Ingrid Bernstein geboren wurde, schloss 1958 ihr Biologiestudium in Halle mit dem Diplom ab, durchlief später die Ausbildung am Leipziger Literaturinstitut und machte schon in den frühen 60er Jahren in der DDR mit ihren Gedichten auf sich aufmerksam. Der Durchbruch gelang 1965 mit den "Gesprächen mit dem Saurier", die sie gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Rainer verfasste. Schon lange vor ihrer Ausreise aus der DDR wurden ihre Werke argwöhnisch beäugt und "melancholische" und "kulturpessimistische" Tendenzen kritisiert.

    Wer Sarah Kirschs Lyrik genau las, konnte auch latente Kritik an der sozialistischen Gesellschaft aufspüren, wie etwa in dem Gedicht "Nachricht aus Lesbos": "Ich weiche ab und kann mich den Gesetzen/ die hierorts walten länger nicht ergeben."
    Ähnlich nonkonformistisch wie diese Gedanken ist auch Sarah Kirschs dichterischer Duktus, der sich allen klassischen Vorbildern entzieht. Grammatische und syntaktische Konventionen werden gebrochen; kurze, stakkatohafte Zeilen stehen nicht selten neben prosaisch ausholenden Versen.

    Die Grenzen zwischen Lyrik und Prosa sind bei Sarah Kirsch ohnehin fließend. Auch als Erzählerin hat sie ihre Meisterschaft unter Beweis gestellt: im 1980 erschienenen Bändchen "La Pagerie", das bezaubernde Landschaftsbeschreibungen aus der Provence enthält.
    Die ausgebildete Biologin, die leidenschaftliche Verskünstlerin und feinsinnige Aquarellistin arbeiten in Personalunion an der Harmonie zwischen Mensch und Natur.

    Peter Mohr


    Sarah Kirsch: Sämtliche Gedichte.
    Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2005,
    Gebunden. 559 Seiten, 19,90 Euro (SFR 35,20)
    ISBN: 3-421-05865-2




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