Wer im deutschsprachigen Raum ein ernsthaftes Interesse für Gedichte hegt, eines, das über die üblichen Klassiker und/oder hoffnungsspendende Verschenktexte für Krankenhaus-Insassen hinausgeht, dem dürfte in den letzten Jahren über kurz oder lang ein Band der Lyrikreihe der Silver Horse Edition in die Hände gefallen sein. In schlichtem Gewand finden sich dort unter anderem Bände von Michael Arenz, Theo Breuer, Matthias Kehle, Andreas Noga, Axel Kutsch und Frank Milautzcki – jeweils 40 Seiten, manche von ihnen in limitierter Auflage, einige sogar als Sonderausgabe mit farbiger Collage auf Leinwand.
Eine Reihe, die Herausgeber Peter Ettl aufgrund seiner Kontakte problemlos über Jahre qualitativ hochwertig hätte fortführen können – wenn er sich nicht dazu entschlossen hätte, sie mit Veröffentlichung des 27. Bandes einzustellen. Gerd Sonntag, 1962 geboren und mit bislang fünf Gedichtbänden und einem Roman auf dem Buchmarkt präsent, wurde im Dezember 2011 die Ehre zuteil, der Lyrikreihe mit Giovanni Santi malt eine Fliege das Geleit zu geben.
Ich mag Gerd Sonntags Gedichte, und das nicht erst seit Giovanni Santi malt eine Fliege. Schon in seinem 2003 beim Wiesenburg-Verlag erschienenen Band Aus der Sammlung der Gespenster, welcher mir damals von einem befreundeten Lyriker zugeschickt und ans Herz gelegt wurde, fanden sich genau die Merkmale, die zu einem Großteil auch seinen neuen Gedichtband ausmachen.
In erster Linie punktet Sonntag mit seinem Gefühl für Stimmungen, seinem Blick für Kleinigkeiten, der unbedingten Angewohnheit, eine Mauer nicht nur als Mauer, sondern vor allem als Ansammlung unterschiedlicher Steine wahrzunehmen und diese als Individuen zu würdigen. Nebensächlichkeiten mögen, der Begriff deutet es an, für gewöhnlich ja nebensächlich sein, selten aber sind sie unbedeutend, und so sind es oft eben jene Randnotizen, die Sonntags Gedichten ihren Mittelpunkt verleihen.