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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. Juli 2017 | 16:16

    Tina Gintrowski: Peng

    12.03.2012

    »... und es hat PENG! gemacht«

    Als Kind wurde mir von meiner Mutter viel vorgelesen – und da ich das Gefühl habe, dass mir die allabendliche Dosis Literatur nicht geschadet hat, führe ich diese Tradition bei meinem eigenen Sohn nur zu gerne fort. Der Umstand, dass wir mit dem einen Buch erheblich früher fertig waren als gedacht und das vorgesehene Anschlussbuch zwar bestellt aber beim Buchhändler meines Vertrauens noch nicht eingetroffen war, ergab kürzlich einen unvorhersehbaren Engpass. Von STEFAN HEUER

     

    Vater und Sohn landeten also in der hauseigenen Bibliothek und stöberten in den Beständen, um schließlich (wie schon so oft) bei Heinz Erhardt hängenzubleiben. Da auch ich nach wie vor gerne vorgelesen bekomme, legten wir uns aufs Sofa und die Sprechplatte auf den Plattenteller. Erhardt warf alles von sich, was ihn hoste und nahm uns mit auf seine Reise nach Hamudistan, was ja bekanntlich zwischen Iran und Persien liegt – für die, die sich in Geometrie nicht so auskennen …

    Sohn (zehn Jahre): »Hat Geometrie nicht eher was mit Mathematik zu tun?«

    Vater (ich): »Stimmt.«

    Sohn: »Und Lyrik, das sind doch Gedichte, oder?«

    Vater: »Stimmt auch.«

    Sohn: »Und Stories sind doch Geschichten, oder?«

    Vater: »Stimmt auch, ja.«

    Sohn: »Und warum liegt auf deinem Nachttisch ein Buch mit Lyrikstories?«

    Gut beobachtet, junger Thronfolger, mag deine Verwirrung doch daraus resultieren, dass die Lyrikstory im Gegensatz zum Prosagedicht noch immer einen Exotenstatus innehat  – im Falle von Tina Gintrowskis 2011 beim poetenladen erschienenen Band Peng. Lyrikstories und andere Gedichte passt dieser Begriff jedoch wie der sprichwörtliche Eimer auf den Allerwertesten, denn genau das ist es, was Gintrowski neben einigen »normalen« Gedichten (was immer das auch sein mag) hier anbietet: Kürzeste Stories, die zumeist im Blocksatz daherkommen und erst im zweiten, mit dem richtigen Tempo und Rhythmus versehenen Lesedurchgang ihren lyrischen, binnenreimgeformten Körper erkennen lassen.

     

    »meine seele ist ZERFETZT IN TAUSEND FUNKEN einer davon heißt marie und weint betrunken von der welt ich zeige gerne jedem der mich fragt die mühen auf und sage brüder oder geister unser leben ist ein staffellauf mit rohen eiern aus papier und du der nicht gemeint war sagst ach schwesterherz das schaffen wir«

     

    Viele der hier präsentierten Texte, die auf den ersten Blick frei assoziiert und dem Reim geschuldet scheinen, erweisen sich bei genauerem Hineinlesen als schlüssige, skizziert anmutende Anekdoten aus dem Augenblick. Und: Tina Gintrowski beweist ein sicheres Händchen, wenn es darum geht, den Inhalt ihrer Texte nicht zwischen Rhythmik und Alliterationen und dem daraus resultierenden Drive verschütt gehen zu lassen.

     

    Ich und wir dominieren die Szene, dir und mir; nach einem man wird man lange und vergeblich suchen. Sehr persönlich, auch in der Schilderung von Ängsten und Zweifeln, begibt sie sich auf die Suche nach den passenden Worten für ihre Befindlichkeiten. Was sie dabei findet, sind Wege – manchmal auch Auswege, aber immerhin Wege …

     

    »nimm meine liebe und bau uns DARAUS EIN SCHNECKENHAUS für mehr reichts erstmal nicht aber vielleicht bauen wir ja später aus oder was an und dann kommen wir besser mal so richtig und groß raus ich trage meine   kleine   derweil   richtung   sonnenmittelstand  undinge ihr was vor von einem land in dem fast jeder alles kann und darf und wann es soweit ist wissen wir nicht genau aber dem herrn sei dank ist gott ja eine frau«

     

    Auf dem Cover die Strichzeichnung eines gutgelaunten Cowboys auf einem stilisierten Pferd, und um hier im Bild zu bleiben: Gintrowski kann nicht nur Country, sondern auch Western, kann sowohl leicht als auch gedeckt, und das macht Spaß und Lust und extrem neugierig auf mehr!

     

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