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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 08:48

    Cécile Wajsbrot: Nocturnes

    17.12.2009

    Das Meer in uns

    Ein Kontrabassist, der als einziger seines Quartetts den Untergang einer Fähre überlebt. Eltern, die ihren auf See verlorenen Sohn versuchen per Flaschenpost zu erreichen... In Wajsbrots Geschichten ist das Meer nicht nur eine Naturgewalt, es ist eine Allegorie auf das Unbeherrschbare und die Unwägbarkeiten des Lebens selbst. Von SIBYLLE LUITHLEN

     

    Geschichten vom Meer heißt der dünne Band der französischen Schriftstellerin Cécile Wajsbrot, der uns vier düstere Geschichten erzählt. Geschichten, in denen das Meer die Lebensgrundlage der Menschen bildet, gleichzeitig aber ein zerstörerischer Gott ist, der nicht nur Leben nimmt, wie es ihm gefällt, sondern ebenso unser Gefühl von Heimat und Sicherheit ständig bedroht.

    So verliert der Musiker der ersten Geschichte nicht nur seine Arbeit und seine Kameraden durch den Untergang einer Fähre, sondern ganz grundsätzlich sein Gleichgewicht im Leben. Er wird zu einem Getriebenen, der nur eine gewisse Ruhe in der Nähe der Witwe eines seiner Kameraden findet, einer von Schmerz und Einsamkeit gezeichneten Frau.

    Ebenso muss der Leuchtturmwärter erleben, wie das Meer einen Zweimaster zerstört, den die Küstenwache nicht orten kann und den auch sein Kompagnon nicht gesehen haben will. Er kann nicht an dem zweifeln, was er gesehen hat, aber es findet keinen Widerhall; diese Erfahrung macht ihn einsam.

    In der dritten Geschichte adressiert eine Mutter sich direkt an ihren verlorenen Sohn; schreibt ihm den Schmerz der verwaisten Eltern, die vom Meer und vom Sohn nicht lassen können. Seit er vor zehn Jahren nicht nach Hause gekommen ist, werfen sie jedes Jahr eine Flaschenpost an ihn ins Meer; nun ist die erste aus Norwegen mit ein paar Grußworten in englischer Sprache zurückgekommen.

    Die letzte Geschichte handelt von einem Verhör, bei dem ein Mann verdächtigt wird, Schuld an dem Tod seines Bruders zu sein, mit dem er gemeinsam einen Segelausflug gemacht hat. Der Mann streitet alles ab; nur wir als Leser erfahren, dass er den Bruder ins Meer gestoßen und ihn so daran gehindert hat, das dem Vater gemeinsam gegebene Versprechen zu brechen.

    Gefühl des Ausgeliefertseins

    In Wajsbrots Geschichten ist das Meer nicht nur eine Naturgewalt; es ist eine Allegorie auf das Unbeherrschbare und die Unwägbarkeiten des Lebens selbst. Vielleicht auch auf unser Unbewusstes. Das Meer ist etwas, das die Menschen magisch anzieht, so dass das Leben im Inland oder in der Stadt als eine fade Alternative erscheint; gleichzeitig etwas, das sie existentiell bedroht und sie in einem Gefühl des Ausgeliefertseins leben lässt.

    In einem ausführlichen Interview mit der Literaturkritikerin und Schriftstellerin Pascale Arguedas über ihr Werk ausführlichen Interview, erklärt Wajsbrot, dass es ihr nie darum geht, Charaktere mit soziologischer Zugehörigkeit, mit Berufen und Hobbys und Freunden zu erschaffen, sondern um Stimmungen, um die Essenz des Menschen, die sich für sie nur in der Einsamkeit zeigt. „Ne pas avoir recours à des personnages mais plutôt à des consciences...“, also nicht auf Figuren, sondern auf Bewusstseine greift sie zurück. Diese Bewusstseine verstehen es, uns in ihr Denken und Erleben zu ziehen und das Gefühl für unsere eigene Zerbrechlichkeit und die unserer Welt wach zu rufen; sie bleiben aber als Charaktere seltsam abstrakt.

    Wajsbrots Zugang zur Literatur hat nichts Spielerisches; sie erlegt sich im Gegenteil eine große Strenge beim Erzählen auf. Und sie gibt ihrem Thema nur so viel an Personen, Lebenszusammenhängen und Beziehungen, wie es gerade braucht, um leben zu können.
    Nocturnes hinterlässt ein Gefühl davon, wie schön und gefährlich die Welt und wie gefährdet und klein wir ihr gegenüber sind, eine sanfte Melancholie und viele Bilder im Kopf von sich türmenden und brechenden Wellen, dem Schäumen und Zusammenstürzen der endlosen Wassermassen, denn das Meer hat keine Grenzen, lernen wir von Wajsbrot, es geht immer weiter, und wir können ihm nicht entgehen.

    Schön ist die Gestaltung des Bandes (erschienen wie die anderen vier übersetzten Bücher von Wajsbrot bei Libeskind), in dem die Texte durchsetzt sind von Schwarz-Weiß-Fotos von Kerstin Koletzky, die alle – was auch sonst – das Meer zum Thema haben.

    ... bis sie dann gestorben sind.

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