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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 17. August 2017 | 13:47

     

    Renée Zucker: Ein Tag wie Totolotto

    24.02.2004



    Nur ein Trostpreis

    Vor Jahren wäre dieses Buch im Kontext der Verlagsserien à la "Die neue Frau" sicher im Trend gewesen, nun stört es beim Vergessen von Bob Dylan.


     

    Welch ein Titel für ein Buch: "Ein Tag wie Totolotto." Diese doppelte Hauptgewinnversprechung muss man vor dem ersten Durchblättern erst einmal genießen. Doch zu dem Glücksgefühl beim Erstkontakt gesellt sich – ähnlich der Enttäuschung bei der Ergebnisverkündigung der genannten Glücksspiele, wenn die ersten Zahlen hintereinander richtig waren, dann aber wieder nur falsche folgen – Ernüchterung: Bestenfalls noch auf einen Trostpreis hoffen lässt es, wenn man zum Auftakt der zehn in diesem Band miteinander verbundenen Erzählungen oder Geschichten auch Zitate von Bob Dylan und Stevie Wonder findet. Selbst mit Augenzwinkern geht das heutzutage eigentlich nicht mehr, obwohl so natürlich die avisierte Zielgruppe deutlich wird: weit über 40.

    Den konträren Einstiegsimpressionen folgen beim Lesen vielfach zwiespältige Gefühle. Wäre das Buch vor 10, 15 Jahren erschienen, als etwa Hera Lind - zum Leidwesen mancher - das große Los zog, indem sie die Emanzipationsbemühungen literarisch weichgespült hat zu bestsellerkompatibler Hausfrauenschonkost, hätte Renée Zucker vielleicht im Trendumfeld der weiblichen Selbstentdeckungs- und -ironisierungsliteratur einen Akzent setzen können. Aber heute?

    Zumeist ohne echten Pfiff bleibt das Gefühl, dass es an zu vielen Stellen zu gewollt geschrieben ist: gewollt ironisch, gewollt schnippisch, gewollt trendy-komisch. Da die Autorin zugleich erfolgreich praktizierende Kolumnistin ist, liegt der Verdacht nahe, sie habe diesen dort bewährten Stil in ein Buch übertragen wollen, wo er jedoch überspannt wirkt und auf die Dauer abnutzt. Viel besser ist Renée Zucker aber in den seltenen Passagen, in denen sie sich von der Suche nach Effekten befreit und unverfälscht schreibt. So aber gehen viele der unaffektierten, genauen Beobachtungen der Stadt und ihrer Menschen verloren im Pointenzwang, ist das Buch einfach nur strandkompatibel ab 30°.

    Zehn Mal führt uns Renée Zucker vor Augen, wie ihre Protagonistin – Mitte, Ende vierzig und in Berlin lebend – Tag für Tag mitspielt im Leben, aber keinen Hauptgewinn erhält, eigentlich immer so knapp daneben liegt, dass bestenfalls ein Mann für eine Nacht dabei herausspringt – ein Trostpreis eben. Diesem Alltag zugrunde liegt eine Trennungsgeschichte: Mann verlässt Frau mit Kind, um sich wie auch immer zu verwirklichen und was auch immer zu suchen, kurzum nimmt Reißaus und plötzlich muss sie samt ihrem Kind das Leben neu organisieren, neu entdecken.

    Textauszug:
    Die alleinlebenden Freundinnen jedoch begrüßten meinen neuen Status. Triumphierend stellten sie fest, daß der Klodeckel jetzt immer heruntergeklappt war, daß wir unsere Telefonate bis ultimo ausdehnen konnten, ohne daß ein Mann unwirsch anmerkte, daß "andere Leute schließlich auch mal telefonieren" wollten. Sie machten mir Komplimente, daß es gar nicht mehr nach Bratwürstchen, sondern nur noch wahlweise nach Patchouli oder Zedern duftete, daß ich für mancherlei Freizeitbeschäftigung viel williger zur Verfügung stand als vorher, als alles abgesprochen werden musste. Warum eigentlich?


    Olaf Selg

     


    Renée Zucker: Ein Tag wie Totolotto. Vom Leben und anderen Glücksspielen. Erzählungen. KiWi, 2003, TB, 187 Seiten, ¤ 7,90, ISBN 3-462-03229-1

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