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    TITEL kulturmagazin
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    Wolfgang Büscher: Asiatische Absencen

    03.11.2008

    Lost in Asia

    Asien als ganzheitlicher Kontinent existiert nur in unseren europäischen Köpfen. Wie verschieden und zugleich verwirrend die einzelnen Länder sind, berichtet Wolfgang Büscher in seinen gesammelten, reportageartigen Erzählungen aus Indien, Nepal, Kambodscha, Japan und China. Von Ingeborg Jaiser

     

    Ein Mann liegt alleine auf einer Pritsche in einem verlassenen indischen Kolonialkrankenhaus, fiebernd, träumend, vor sich hindämmernd, während die brütende Hitze des Tages verglüht und das Zimmer in fahlem Licht liegt. Erschöpft erinnert er sich an das Fieber seiner Kindheit, an das geborgene Abtauchen in den dunklen Taumel, an das rauschhafte Verschlingen der Bettlektüre. So beginnt Wolfgang Büschers neues Buch – und in vager Trance durchziehen Fieberfantasien, Tagträume und Drogenhalluzinationen die folgenden 150 Seiten, begleiten den Leser durch sechs Reiseerzählungen der ganz besonderen Art.

    Schon einmal war der Autor, der lange als Reporter für „Geo“, „NZZ“, die „Welt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet hat, gen Osten gewandert: 2003 beschrieb er in Berlin – Moskau seinen einsamen Fußmarsch von Deutschland bis nach Russland. Nun beschreitet er mit seinen weiter ausholenden Asiatischen Absencen auch literarisch neue Pfade. Dass er auf seinen Expeditionen am liebsten alleine bleibt, begründet Büscher mit der erforderlichen Konzentration. Unvoreingenommen und offen bis zur Verletzlichkeit stellt er sich körperlichen und spirituellen Grenzerfahrungen, nimmt auf, hält aus, erträgt, bis sein Akku übervoll ist. Und ist dabei der Skepsis eines Joseph Conrad doch stets näher als einer glorifizierenden Hippie-Euphorie.

    Unter Schamanen

    Asien bleibt das Sinnbild für Fremdheit. So würde Büscher auch nie behaupten, dass er diesen Kontinent kenne. „Es gibt eine einheitliche Benutzeroberfläche in der ganzen Welt, die überall das gleiche Design hat“, erklärt er in einem Interview auf der Frankfurter Buchmesse. „Doch das gilt nicht für Asien.“

    Büschers Erzählungen – die zu poetisch, melodiös, sinnlich sind, als dass man sie Reisereportagen nennen könnte – wagen eine höchst subjektive und vorsichtige Annäherung an Orte und Begebenheiten, die aus Raum und Zeit zu fallen scheinen. Hier der Viertausender im Himalaja, wo ein mysteriöses Schamanentreffen stattfindet, bei dem Büscher selbst in Trance versetzt wird. Dort ein abstruses Pappmaché-Disneyland in Südchina, das Touristen ein sagenumwobenes Shangri-La vorgaukelt. Hier ein indischer Maharadscha, der in der Abenddämmerung vor einer Horde von Affen die Sitar spielt. Dort ein Öltanker auf der Fahrt von Arabien nach Singapur, mit einem Zweiten Offizier, der nächtens einsam dem Kricketspiel frönt. Hier eine alt gewordene Geisha, die nur Sumo-Ringer bediente. Dort hochverehrte Hindu-Götter, hintern denen doch nur bunt ausstaffierte und behängte Puppen stecken.

    Dabei übt sich Büscher in jener Demut, Bescheidenheit und Zurückhaltung, die seine eigene Person oft ausgrenzen, gar abwesend erscheinen lassen. Trotz allem schwingt in seinen Beschreibungen eine tiefe Hochachtung vor fremden Glaubensrichtungen und Gebräuchen mit: „Ein indischer Atemzug enthält mehr Religion als ein ganzer deutscher Advent.“

    Ausnahmsweise seien die Fotografien auf Cover und Titelblatt dieses Bandes erwähnt. Die Berlinerin Silke Lauffs reiste vor einigen Jahren mit ihrer Panoramakamera durch Asien und fing in der Dämmerung Bilder von märchenhafter Verwunschenheit ein. Nichts könnte den Zauber dieses Buches besser illustrieren, für dessen Lektüre man sich fast einen leichten Fieberschub wünscht.

    Ingeborg Jaiser


    Wolfgang Büscher: Asiatische Absencen. Rowohlt Verlag 2008. 160 Seiten. 16,90 Euro.

    Eine Rezension von Wolfgang Büschers „Deutschlandreise“ finden Sie hier: TITEL,11. 01 2007

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