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    Sonntag, 25. Juni 2017 | 17:33

     

    Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund

    13.10.2008


    Literatur und Erinnerung

    Idylle mit ertrinkendem Hund ist ein literarisches Kleinod, wie man es nur selten zu lesen bekommt – eine aufrichtige Reflexion über die heilende Kraft der Literatur. Von Sebastian Karnatz.

     

    Mythenerzähler, Übersetzer, Romancier – der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier zählt ohne Zweifel zu den schillerndsten und umtriebigsten Figuren der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Trotz allem sorgte der Großromanentwurf Abendland, Köhlmeiers bis dato jüngste Veröffentlichung, nicht überall für ungetrübte Begeisterung (siehe TITEL vom 11.11.07). Zu groß angelegt, ja geradezu unangenehm gigantomanisch erschien Abendland so manchem Rezensenten.

    Umso mehr überrascht Köhlmeiers neuestes Werk, das in den derzeit tobenden Wirren der Buchpreis-Show fast unterzugehen droht. Dass es Köhlmeiers leise Erzählung nicht auf die sagenumwobene Longlist geschafft hat, folgt der inneren Logik dieses spaßigen Kritiker-Verwirrungsmanövers. Idylle mit ertrinkendem Hund ist ein dichtes und meisterhaft geschriebenes Stück Literatur – gewichtiger als das meiste, was sich in diesem Jahr sogar auf der Shortlist auserwählter Bücher wiederfindet.

    Das Unaussprechliche

    Idylle mit ertrinkendem Hund ist eines jener kleinen Bücher, die Großes beinhalten. Leise und bedächtig zieht die Erzählung den Leser in ihren Bann. Es ist das Unausgesprochene, ja sogar das Unaussprechliche, das ihr eine geradezu bedrückende Tiefe und Authentizität verleiht: Paula Köhlmeier, Tochter des Autors und selbst eine hoch begabte Dichterin, verunglückte 2003 im Alter von 21 Jahren bei einer Bergwanderung tödlich. Der Schmerz raubt dem Autor die „Kraft“ zu schlafen, reißt eine klaffende Wunde in sein Leben.

    „Wie kann ich über den Tod unserer Tochter schreiben?“
    „Willst du denn darüber schreiben?“
    „Das möchte ich, ja.“
    „Ich denke, ich weiß, wo das Problem liegt. Du bist dir nicht sicher, ob du Literatur machen willst oder bloße Erinnerung, hab ich recht?“
    „Ich will, dass sie bei mir ist. Und ich habe die Hoffnung, dass sie näher bei mir ist, wenn ich über sie schreibe.“

    Dies ist der dunkle Kern, um den Köhlmeiers Erzählung monadisch kreist: Wie ist das Verhältnis von Literatur und Leben beschaffen? Gibt es die heilende Kraft der literarischen Erinnerung wirklich? Doch Idylle mit ertrinkendem Hund ist weit davon entfernt, das wehmütige literarische Zeugnis einer erzählenden Selbsthilfe zu sein. Erst spät führt der Autor und Ich-Erzähler – hier fallen beide Instanzen einmal tatsächlich, ohne die Gefahr einer biographistischen Überinterpretation, zusammen – den Tod seiner Tochter in das Geschehen seiner Erzählung ein. Das Ringen um Worte, jene Grundkonstante jeglicher ernst zu nehmender Literatur, ist trotz allem schon von Beginn an der stets unterschwellig präsente Kern dieser Erzählung.

    Fein komponierte Erzählung

    So wird Idylle mit ertrinkendem Hund zugleich zu einer anspielungsreichen Reflexion über das Wesen der Literatur und zu einer zutiefst wahrhaftigen Fabel über unseren ständigen Kampf mit dem Tod. Gleichnishaft erzählt Köhlmeier von einem Besuch seines Lektors, Dr. Beer, in seinem Domizil in Vorarlberg. Der Autor und seine Frau beherbergen den kauzigen Wortfanatiker, obwohl sie nach wie vor schwer unter dem Tod ihrer Tochter leiden.

    Inmitten der winterlichen Landschaft kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen Beer, dem Schriftsteller und einem mythischen schwarzen Hund – dem Bindeglied zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Der Hund bricht ins Eis ein und droht zu ertrinken. Während Beer loseilt, um Hilfe zu holen, kämpft der Autor bis zur Selbstaufgabe um das Überleben des Hundes. Dieses Ringen mit dem Tod wird zum allegorischen Kampf um das längst verlorene Leben seiner Tochter.

    Köhlmeiers fein komponierte Erzählung beschränkt sich jedoch nicht auf diesen existentiellen Überlebenskampf. Jener ist eingebettet in ein hoch reflektiertes, selbst referenzielles Gewirr von mythologischen und literarischen Anspielungen. Dabei wirkt Idylle mit ertrinkendem Hund jedoch zu keiner Zeit überambitioniert. Die poetologische Dimension der Erzählung folgt stets der Grundfrage nach den heilenden – und zerstörerischen – Kräften der Erinnerung. Köhlmeier ist mit dieser kleinen Erzählung ohne Zweifel ein großes Stück Literatur gelungen.

    Sebastian Karnatz


    Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund. Deuticke Verlag 2008. 112 Seiten. 12,90 Euro.

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