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    Rishi Reddi: Karma und andere Stories

    02.06.2008

    Das Fremde lauert überall

    Ein kurzweiliges, mit viel Wärme erzähltes Buch voll lebensnaher Charaktere, das vor dem Hintergrund des indisch-amerikanischen Kulturgefälles als allgemeines Plädoyer für interkulturelles Verständnis und eine tolerante Annäherung an das Fremde gelesen werden kann.Von Friedericke Schwabel

     

    Karma, Krishna oder Bharata Natyam: Erkennt man in dem ersten auch in der westlichen Hemisphäre dieses Planeten einen Schicksalsbegriff und tippt bei dem zweiten treffsicher auf eine indische Gottheit, so ist vielleicht dem einen oder der anderen doch nicht bekannt, dass es sich bei dem letzten um eine alte indische Tanzform handelt. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man es bestimmt, ohne sich dabei jedoch im Mindesten geschulmeistert zu fühlen. Der indischstämmigen Autorin Rishi Reddi gelingt mit ihrem literarischen Debüt nämlich die nicht unwesentliche Leistung, kurzweilig und zugleich tiefsinnig über die Alltagswelt indischer Einwanderer in den USA zu erzählen, ohne wertend zu sein oder gar den erhobenen Zeigefinger in Sachen Einwanderungsproblematik einzusetzen, was ein gewisses Vertrauen in die Toleranz ihrer Leser voraussetzt – und das kommt auch so an.

    Für Reddis Protagonisten gilt es, in sieben Kurzgeschichten den einen oder anderen Kulturkonflikt zu meistern, zumeist sind die Handlungsorte in und um Boston angesiedelt. Da gibt es etwa den alternden Richter Shiva Ram, der eine junge amerikanische Kellnerin verklagen will, weil ihn ihre Unhöflichkeit kränkt und sie ihm obendrein unabsichtlich Rindfleisch serviert. Dieses zu essen verbietet ihm jedoch seine Religion (die Lehre von Ahimsa), und er will Recht für etwas sprechen lassen, das außer ihn selbst aber scheinbar niemanden juckt; und nicht einmal seine Familie bringt Verständnis für seine Reaktion auf. Auch die Witwe Arundhati hat es schwer in dem ihr so fremden Land: Ihr Enkel holt sie nach dem Tod ihres Mannes aus Indien zu sich und seiner Familie in die USA, wie es die Tradition gebietet. Die alte Dame kommt mit der modernen Lebensweise der Familie aber nicht zurecht; als sie allerdings plant, auf eigene Faust zurück nach Indien zu reisen, sieht sie sich plötzlich selbst kurz davor, mit zuvor hochgehaltenen Traditionen zu brechen. Die beiden Studentinnen Supriya und Lata hingegen sind in den USA aufgewachsen, und die Kultur des Landes ist Teil ihrer Identität. Als ihre Eltern die beiden dennoch nach alter Sitte verheiraten wollen, geraten die Mädchen in einen Konflikt, der auch ihre Freundschaft zueinander gefährdet.

    Klare Sprache, erfrischende Lektüre

    Reshis Charaktere sind sympathisch und menschlich. Wahrscheinlich gerade weil die Autorin darauf verzichtet, ihre Handlungen zu bewerten. Bei der Lektüre äußerst erfrischend ist dabei die lose Verknüpfung der einzelnen Stories durch die Figuren: Da kann es vorkommen, dass ein Protagonist, den man aus einer Geschichte bereits kennt, in einer anderen als Randfigur (z. B., wenn eine indische Hochzeit den Anlass dazu gibt) wieder auftaucht. Die Figuren werden dadurch nie einseitig geschildert, sondern gewinnen durch ihre Positionierung in verschiedenen sozialen Rollen und der Beschreibung aus unterschiedlichen Perspektiven an Tiefe. Reddis klarer Sprache genügen dabei oft wenige Attribute, um ihren Figuren Leben einzuhauchen.

    So unterschiedlich sich die Charaktere auch präsentieren mögen, eine Gemeinsamkeit haben sie doch: Sie kommen allesamt aus Hyderabad, der Hauptstadt des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh. Da die Autorin selbst ursprünglich aus der Stadt stammt und in den USA und England aufgewachsen ist, darf man durchaus annehmen, dass eigene Erfahrungen und unmittelbare Beobachtungen in das Buch mit einflossen. Die hier enthaltene Kurzgeschichte „Richter Shiva Ram Murthy“ wurde 2005 in den Best American Stories abgedruckt. Es gilt, auch die anderen zu entdecken. Erwarten darf man ein kurzweiliges, mit viel Wärme erzähltes Buch voll lebensnaher Charaktere, das vor dem Hintergrund des indisch-amerikanischen Kulturgefälles als allgemeines Plädoyer für interkulturelles Verständnis und eine tolerante Annäherung an das Fremde gelesen werden kann.

    Friederike Schwabel


    Rishi Reddi: Karma und andere Stories. Aus dem Amerikanischen von Miriam Mandelkow. Ullstein Verlag 2008. 110 Seiten. 18,00 Euro.

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