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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 07:00

     

    Erich Hackl: Als ob ein Engel

    25.02.2008


    Zwischen Himmel und Erde

    Der 53-jährige Wiener Schriftsteller Erich Hackl knüpft mit seiner neuen Erzählung fast nahtlos an seinen Roman Sara und Simón (1995) an, in dem er eine tragische Familiengeschichte aus der Zeit der Militärdiktatur in Uruguay und Argentinien rekonstruiert hat.

     

    „Als wäre sie weder tot noch lebendig, sondern würde, eine Art Engel, zwischen Himmel und Erde herumflattern“, so beschreibt ein naher Verwandter die Protagonistin der Erzählung. Jene Gisela Tenenbaum, hochbegabte Tochter einer Arztfamilie, hat sich der linken Guerillabewegung „Monteneros" angeschlossen. Am Karfreitag 1977 verschwindet sie in der Provinzstadt Mendoza spurlos, nachdem bewaffnete Soldaten ihre Straße eingekreist und zwei ihrer Freunde getötet hatten. Giselas Freund Alfredo ist bereits umgekommen, eine Flucht oder einen Rückzug aus dem Untergrundkampf hatte sie stets kategorisch abgelehnt: „Dann wäre Alfredos Kampf umsonst gewesen.“ Giselas Freundin Ana Maria Moral wird auf einem Kirchenportal von einer Kugel in den Rücken getroffen, doch der Pfarrer lieferte die Verwundete ihren Verfolgern aus.
    In Argentinien herrscht auch dreieinhalb Jahre nach dem Putsch der Militärs gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende noch ein diffuses Gemisch aus Angst, Opportunismus und politischem Desinteresse.
    Für Giselas Eltern scheint sich die Geschichte indes zu wiederholen, sie sind beide aus Wien vor den Nazis geflüchtet und über Bolivien nach Argentinien gekommen. Auf dem zweiten Bildungsweg haben sie Medizin studiert und ihre drei Töchter nach freiheitlich-demokratischen Werten erzogen. Eine geistige Heimat haben sie aber auch jenseits des Atlantiks nicht gefunden.

    Unverwechselbarer Mischung aus Distanz und Nähe, Fiktion und Fakten

    Autor Erich Hackl, der sich erneut als Gratwandler zwischen Schriftsteller, Historiker und recherchierender Journalist präsentiert, hat im Vorfeld viele Gespräche mit Familienmitgliedern und Freunden geführt, aber er hat kein literarisches Heiligenbild im Sinn. Die Verschwundene gerät in der Erzählung nicht einmal zur lupenreinen Opferfigur, da die zum rigorosen Fanatismus neigende „Gisi“ selbst auch rücksichtslos sein konnte.
    Für die fünf Jahre jüngere Schwester Monica ist die Verschwundene dennoch eine Art Engel, den sie in ihrem Herzen trägt. Heidi, die älteste, ist etwas aus der Art geschlagen, ist mit einem konservativen, apolitischen Argentinier verheiratet, der sich vor Hausdurchsuchungen und Schikanen fürchtete, weil „die anderen immer den Finger am Gewehr haben.“

    Die Rekonstruktion von Giselas Lebensweg geschieht in Erich Hackls unverwechselbarer Mischung aus Distanz und Nähe, Fiktion und Fakten – zusammengefügt aus vielstimmigen Fragmenten. Wieder ist ihm auf diese Weise ein großes, aber völlig unpathetisches Stück Erinnerungs- und Trauerarbeit gelungen.
    „Sie ist zu nichts gedrängt worden. Sie hat nicht klein beigegeben. Und immer wieder sag’ ich mir, das war ihr Weg“, erklärt Giselas Mutter am Ende der Handlung – stolz und verbittert zugleich.

    Peter Mohr


    Erich Hackl: Als ob ein Engel. Erzählung. Diogenes Verlag 2007. 160 Seiten. 17,90 Euro.

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