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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 06:00

     

    Katja Lange-Müller: Die Letzten

    20.02.2004

    Allegorisches Verwirrspiel

    Wer am Ende dieses herrlich amüsanten allegorischen Slalomlaufs durch die Lebensläufe der Druckereiangestellten auch noch eine latente Anspielung auf die einstigen Zensurpraktiken der DDR-Kulturbehörden zu erkennen glaubt, dürfte kaum falsch liegen. Das "Zwischen-den-Zeilen-Lesen" war damals politisch verordnet; heute bereitet es bei Katja Lange-Müller großes Lesevergnügen.

     

    Katja Lange-Müller ist alles andere als eine Vielschreiberin. Nachdem ihr 1986 - zwei Jahre nach ihrer Übersiedlung aus der DDR in den Westen - der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen wurde, waren nur zwei schmale, aber nicht zu unterschätzende Werke erschienen: die Erzählungen "Kasper Mauser" (1988) und "Verfrühte Tierliebe" (1995).

    Das neue, vom Verlag ohne Genrebezeichnung veröffentlichte Werk "Die Letzten" umfasst auch nur 135 typographisch großzügig gestaltete Seiten. Aber dieses Büchlein der 49-jährigen Autorin muss den Vergleich mit opulenten Romanen nicht scheuen. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite ein streng durchkomponiertes allegorisches Verwirrspiel, das vom Leser allerhöchste Konzentration verlangt.
    Katja Lange-Müller inszeniert einen mehrstimmigen Abschiedsgesang: auf die dahingesiechte DDR, auf einen kleinen Handwerksbetrieb und auf den aussterbenden Berufszweig des Schriftsetzers. Hier wird kein weinerliches Lamento angestimmt, sondern Katja Lange-Müller blickt äußerst humorvoll auf das Ost-Berlin der 70er Jahre zurück.

    Die Autorin, die einst selbst das Schriftsetzer-Handwerk erlernte, erzählt von einer Kleindruckerei, die irgendwann polizeilich geschlossen wird und deren Chef Udo Posbich nur Geld angespart hat, um sich später aus dem Staub machen zu können.
    Ein wenig subversiv, wenn auch nicht staatsgefährdend, hat die 5-Mann-Belegschaft um die Ich-Erzählerin Püppi allerdings auch gearbeitet. Nicht aus politischen Gründen, sondern eher um sich einen Jux zu machen. Die Zwischenräume in den Druckerzeugnissen wurden zu Wort-Spielereien genutzt, denn sie "drängten sich mit einem Male hervor aus der Schrift, bildeten Diagonalen, gezackte und gekurvte Linien, formierten sich zu weißen Zeichen zwischen den schwarzen."
    Die Zwischenräume werden zu den eigentlichen Informationsträgern umfunktioniert. So setzt einer der Mitarbeiter in Handarbeit Thomas Manns "Zauberberg" neu und gibt ihm eine chiffrierte Botschaft mit auf den Weg. Keine Systemkritik - nur die Abrechnung mit seiner ihm verhassten Mutter.

    Wer am Ende dieses herrlich amüsanten allegorischen Slalomlaufs durch die Lebensläufe der Druckereiangestellten auch noch eine latente Anspielung auf die einstigen Zensurpraktiken der DDR-Kulturbehörden zu erkennen glaubt, dürfte kaum falsch liegen. Das "Zwischen-den-Zeilen-Lesen" war damals politisch verordnet; heute bereitet es bei Katja Lange-Müller großes Lesevergnügen.


    Peter Mohr



    Katja Lange-Müller: Die Letzten. Aufzeichnungen aus Udo Posbichs Druckerei. Kiepenheuer und Witsch Verlag, 135 Seiten, 28 DM (SFR 26,90)

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