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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 25. Juni 2017 | 17:37

     

    Viktorija Tokarjewa: Lampenfieber

    12.02.2004

     

    Erfrischende Liebesgeschichten

    "Liebe und Tod - alles andere kann man vergessen. Andere Themen sollte es nicht geben, sie sind ausgedacht und künstlich", bringt die Russin ihr Schaffen auf den Punkt.



     

    Kann man heute noch wirklich neue erfrischende Liebesgeschichten erzählen? Angesichts der Inflation hundert- und aberhundertfacher Ausfertigung im täglichen Fernsehprogramm und in den Auslagen der Buchhandlungen? Und dazu noch im Klischee-trächtigen Künstlermilieu? Man kann.
    Viktorija Tokarjewa kann. Und tut es seit vielen Jahren, ohne dabei an Originalität und Temperament eingebüßt zu haben. Sie tut es gewissenhaft, aber mit einer mehr als erträglichen Leichtigkeit. Sie tut es unsentimental, aber mit spürbarer (Hoch-) Achtung vor dem Kosmos der Gefühle rund um Begegnungen und Verbindungen, Beziehungen und Bindungen, Trennungen und Verluste. Natürlich - auch Viktorija Tokarjewa schreibt von der Sehnsucht nach Großen Gefühlen, aber stets gespiegelt an der Mühsal profaner Alltäglichkeit. Ihre Geschichten handeln mehr von der Möglichkeit Großer Gefühle als von diesen selbst. Von der Möglichkeit und Vergänglichkeit von Glück inmitten des Ozeans der Vergeblichkeiten. Ihre Figuren lustwandeln nicht im Paradies auf Erden: Verletzungen, Schmerz, Sucht, Eifersucht, Einsamkeit... das gesamte Arsenal zur Verfügung stehender Leidensquellen und Seelenqualen gehört zu ihrem Täglichen Brot. Aber sie versinken auch nicht in Leid und Selbstmitleid, denn eines haben Viktorija Tokarjewas Figuren alle gemein: der "Fahrtenschreiber" ihrer Gefühlslagen und -schwankungen verzeichnet stets kräftige Ausschläge. Zickzack der Liebe hieß (bezeichnenderweise) der erste in deutscher Übersetzung erschienene Erzählband - und meint nichts anderes.

    Bereits mit achtzehn hatte die in St.Petersburg geborene Viktorija Tokarjewa einen Moskauer Physiker geheiratet, den sie gerade mal zwei Tage kannte. Zunächst in Moskau als Klavierlehrerin tätig (15 Schüler zweimal die Woche, 30mal die gleichen Etüden, "es war trommelfellschädigend") ließ sie sich später an der Moskauer Filmhochschule zur Drehbuchautorin ausbilden. Ihre ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und machten sie in ihrer Heimat schon bald außerordentlich populär - so populär, dass sie heute zusammen mit Mann, Tochter und Enkelin zeitweilig auf einer Datscha an einem geheimen Ort lebt. Auch im Ausland gilt Viktorja Tokarjewa als eine der, wenn nicht die wichtigste Gegenwartsautorin Russlands. Trotzdem ist sie in Deutschland von einem größeren Publikum erst noch zu entdecken.

    Viktorija Tokarjewa beherrscht die Kunst des Weglassens, sie vertraut auf den "Raum zwischen den Zeilen". Dieser sparsame Stil unterscheidet ihre Geschichten wohltuend von den vielen bemüht-pathetischen oder aber hochnäsig-spöttelnden Beziehungsdramen. "Psychologische Studien, die traurig und humorvoll die Diskrepanz zwischen Alltag und Glück ausleuchten, zwischen dem Lebensmöglichen und den hungrigen Sehnsüchten nach dem Absoluten" so umschrieb eine Kritikerin des Basler Volksblattes einmal treffend Tokarjewas Geschichten.

    Eine temperamentvolle Mischung aus Poesie und Realismus kennzeichnet alle ihre Erzählungen, denen man die filmische Ausbildung der Autorin anmerkt: Es reiht sich Bild an Bild, nur das Wesentliche wird erzählt, die Figuren kommen nie zur Ruhe.


    Anselm Brakhage


    Viktorija Tokarjewa: Lampenfieber.
    Künstlergeschichten.
    Aus dem Russischen von Angelika Schneider.
    Diogenes Verlag 2003. Taschenbuch. 261 S. 8,90 Euro.
    ISBN 3-257-23669-8

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