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António Lobo Antunes: Leben, auf Papier beschrieben

03.01.2008

Postume Wiedergutmachung für ein Lebens- & Liebesopfer

Auf Wunsch seiner ersten Frau und seiner Töchter sind die Liebesbriefe jetzt veröffentlicht worden, die der junge António Lobo Antunes an seine Frau Maria José während seines zweijährigen Frontdienst im Kolonialkrieg Portugals in Angola geschrieben hat. Es war die Inkubationszeit des späteren Schriftstellers, der in der Armee als Chirurg diente.

 

Hat je schon einmal ein Schriftsteller zu seinen Lebzeiten seine Liebesbriefe veröffentlicht? Meines Wissens nicht. António Lobo Antunes hat es jetzt getan, oder besser: erlaubt.

Fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau Maria José, die 2000 gestorben ist, haben die beiden Töchter, die aus dieser sechsjährigen Ehe (1970/76) hervorgegangen sind, die Briefe ediert, die António Lobo Antunes seiner Frau geschrieben hatte, als er zwischen Januar 1971 und März 1973 am portugiesischen Kolonialkrieg in Angola teilnahm. Dreimal wurde die fast tägliche Briefflut des jungen Arztes, dessen Frau Jura studierte und ihr erstes Kind erwartete, als er einberufen wurde, unterbrochen: als António 1971 mehr als einen Monat Heimaturlaub in Lissabon machte; als seine Frau und seine Tochter 1972 nach Marimba in Angola zu ihm gereist waren; und nachdem Maria José eine Hepatitis-Erkrankung in der Hauptstadt Luanda auskuriert hatte und nach Marimba zurückkehrte, wovon sie dann im März 1973 gemeinsam nach Lissabon aufbrachen, wo der junge Arzt als Psychiater fortan in einem Krankenhaus praktizierte.

1976 trennten sich António und Maria José Lobo Antunes. 1983 wurde ihm eine dritte Tochter geboren, aus einer zweiten Ehe, deren Beginn & Ende er in seinen biografischen Daten nicht erwähnt. Erst als er von der tödlichen Krebserkrankung Maria Josés erfuhr, zogen die beiden wieder zusammen und António Lobo Antunes pflegte & begleitete seine erste Ehefrau auf dem Weg in ihren Tod.

Es sei ihr ausdrücklicher Wunsch gewesen (und der seiner beiden Töchter), diese angolanischen “Briefe aus dem Krieg” nach Maria Josés Tod zu veröffentlichen, heißt es im Vorwort des 2005 in Lissabon erschienenen Buches. Es sind fast gleich lange, auf braunem normiertem Luftpostpapier eng beschriebene “Aerogramme”, die kostenlos in die Heimat geflogen wurden, aber die Zensur passierten, der eine Selbstzensur des Schreibenden über grausame Details des Krieges vorausging, so dass die schlimmsten Erfahrungen unerwähnt bleiben, die den jungen Mann traumatisierten und ihn, wie auch seine Eltern berichten, nachhaltig psychisch verändert haben.

Maralde Meyer-Minnemann, deren Kunst der Einfühlung und Übertragung wir so gut wie das Gesamtwerk des 1942 geborenen größten portugiesischen Epikers auf Deutsch verdanken, hat auch dieses Buch aus der literarischen Inkubationszeit des erst Jahre später (1979) als Schriftsteller hervorgetretenen Autors übersetzt. Es ist, dem Original entsprechend, sehr schön aufgemacht und mit Faksimiles und Privatfotos ebenso versehen, wie mit einem Glossar der Töchter und der Übersetzerin.

Akte der Schamlosigkeit oder der Eitelkeit?

“Wie auch immer man die Briefe bezeichnen will“, schreiben die Töchter in ihrem Vorwort, “als Literatur, als Kriegsdokument oder als Liebesgeschichte, sie sind in jeder Hinsicht außergewöhnlich”. Am Außergewöhnlichsten aber ist ihre jetzige Publikation!

Denn diese glühendsten Liebesbeschwörungen eines jungen Mannes von 28 Jahren, der sich in der afrikanischen Fremde vor sinnlicher Sehnsucht und Liebe nach der werdenden 20jährigen Mutter seines ersten Kindes in Lissabon verzehrt, sind wohl das Intimste, was aus dem privatesten Zentrum eines Liebes- & Ehelebens veröffentlicht werden kann. Erst recht, weil den leidenschaftlichen Liebesschwüren in diesen Trennungs-Augenblicken schon vier Jahre später eine radikale Trennung der beiden Liebenden folgte, die über zwei Jahrzehnte währte.

Bisher hatten Kinder, Verwandte oder Erben öffentlicher Personen in aller Regel oft lange gezögert, derartige Privatissima postum zu veröffentlichen. Meist haben sie Jahrzehnte gewartet, und sie dann als historische Dokumente, oft bloß in zensierter Form, publiziert. Andere Erben haben aber sogar solche intimen Hinterlassenschaften vernichtet, um sie einem späteren Einblick zu entziehen. Es ist also ein Unikum und Novum, was den Lesern dieses weltbekannten Autors mit “Leben, auf Papier geschrieben” nun vor Augen kommt.

Ist es ein Akt der Schamlosigkeit, uns Leser dazu aufzufordern, auf eine persönliche Leidenschaft zu blicken, die im Augenblick ihrer Existenz nur den zwei Liebenden im Schriftverkehr gegolten hatte? Ist es ein Akt der Eitelkeit des mittlerweile 65jährigen Schriftstellers - zum einen, weil ja die Briefe seiner geliebten Frau, die seine aufgehoben hat, nicht mitpubliziert wurden, weil sie womöglich von ihm nicht überliefert wurden; zum anderen aber, weil er annoncieren möchte, dass er sich selbst schon zu Lebzeiten “historisch“ geworden ist, oder uns damit “beweisen“ will, dass er schon der große Schriftsteller war, der er heute ist, bevor er auch nur eine Zeile veröffentlicht hatte? Ein Akt der Eitelkeit gar auch der beiden Töchter des berühmten Vaters und seiner abgöttischen Liebe zu ihnen, die er ja schon oft in seinen “Chroniken” erwähnt hatte?

Diese Fragen wird man sich stellen dürfen, wenn nicht sogar müssen. Wenn man aus der Ferne - und nicht aus der portugiesischen Nähe und deren Rumor über Leben, Werk & Person von António Lobo Antunes - auf solche Fragen Antworten sucht, wird man als Kenner & Bewunderer des Autors vorsichtig mutmaßen können: wenn es sich um Akte der “Eitelkeit” handelte, dann zuförderst um die Maria Josés, der Toten, die nach der Trennung von ihrem ersten Ehemann keinen Liebhaber mehr fand oder suchte, die seiner würdig gewesen wäre. Immer wieder, vor allem auch in den “Gesprächen” mit der spanischen “El-Pais”-Journalistin María Luisa Blanco (Sammlung Luchterhand Nr. 2059), hat aber Lobo Antunes davon gesprochen, dass kein Mensch an seiner Seite so sehr an ihn und seine literarische Berufung geglaubt, ihn ermutigt und gefordert habe, wie seine erste Ehefrau, die zwar einen Chirurgen und Psychiater geheiratet hatte, aber wußte & wollte, dass er ein großer Schriftsteller werden sollte.

Seine Briefe aus Angola legen von dieser Behauptung nun authentisches Zeugnis ab. Fortlaufend berichtet er ihr von seinen literarischen Versuchen, schickt ihr (selten) Gedichte, häufig Prosa und fordert von ihr ein strenges Urteil seiner Arbeiten, über deren ästhetischen Wert er sich nicht sicher ist. Einmal schreibt er: “Ich mache das nur für Dich”, öfters “hofft” er, wenn er Erzählungen mehr als zehnmal umgeschrieben hat, “dass es das ist, was es sein soll: etwas Gutes, Neues, das etwas taugt und rechtfertigt, was wir geopfert haben, damit ich schreiben kann (...), dass ich ein Schriftsteller bin, damit sich alles gelohnt hat”.

Wie Maria José aus António den Schriftsteller Lobo Antunes machte

Gelohnt meint in diesem historischen Augenblick die von Maria Jose´ immer wieder angemahnte, begleitete qualvolle Arbeit an “meiner seit 15 Jahren ununterbrochen ausgedrückten Berufung“ zum Schriftsteller, wie er an anderer Stelle schreibt. Das gemeinsame Ziel dieser ebenso intim-erotischen wie engen intellektuell-menschlichen Symbiose zweier physisch getrennter, aber durch ihre Briefe innigst verbundenen jungen Menschen, ist die Erschaffung (und nicht bloß Selbstfindung) des Schriftstellers António Lobo Antunes.

Es ist Maria José, die ihm die Bücher schickt, nach denen er in den “Traurigen Tropen“, in Dreck & Schlamm, in Dschungel und Wüste verlangt; und er schreibt ihr, der einzigen Vertrauten seiner ausgreifenden literarischen Interessen, denen er als Leser in Spanisch, Französisch und Englisch nachgeht, was er von Borges oder Camus hält oder von Le Clézio oder Updike, von Céline oder Cortázar, Graham Greene oder Ernesto Sabato, García Marquez oder Lezema Lima, Cabrera Infante, Saul Bellow, Salinger, Faulkner, Tolstoi oder sogar von Günter Grass´ “Katz und Maus” (übrigens: sehr viel).

Man sieht nun, wie der achtundzwanzigjährige Chirurg, der seinen medizinischen Pflichten in der Armee nachkommt und nicht nur verwundete Soldaten operiert, sondern auch die afrikanische Bevölkerung mit Medikamenten versorgt und Kinder zur Welt bringt, in Angola seine offenbar schon in Lissabon à jour gewesene literarische Kenntnis und Urteilsbildung an den größten, schwierigsten Herausforderungen seine künftigen Konkurrenten fortsetzt & -bildet - immer mit Hilfe seiner zwanzigjährigen Frau, die mit ihm seine literarischen Leidenschaften teilt.

Das zutiefst Tragische und existenziell Herzzerreißende dieser Genese des Schriftstellers António Lobo Antunes besteht jedoch darin, dass er, nach der Rückkehr aus Angola und seiner anschließenden, kursorischen Tätigkeit als Psychiater an einem Krankenhaus in Lissabon, offenbar erst die Liebes-Ehe mit Maria José und seinen zwei Töchtern aufkündigen musste, um schließlich der zu werden, den seine Frau in ihm zu sehen wünschte: Schriftsteller.


Das Lebens- & Liebesopfer für die Literatur

Maria José vor allem & allein war das grausame Opfer, das er der Literatur brachte. Denn mit der Trennung 1976 beginnt er die Arbeit an den kurz hintereinander entstandenen ersten drei Romanen (dt.: ”Elefantengedächtnis”, “Der Judaskuss” und “Einblick in die Hölle”), die 1979/80 erschienen. Mit einer eruptiv-schamlosen Radikalität sondergleichen exponieren und durchkneten sie den persönlichen & privaten Lebensstoff (Angolakrieg, zerbrochene Ehe, Arbeit in der Psychiatrie, Einsamkeit des Schriftstellers). So hatte es auch der von ihm sehr geschätzte Louis Ferdinand Céline in “Der Reise ans Ende der Nacht” getan - ein düsterer Titel, der diesen ersten Zyklus von Romanen des jungen Lobo Antunes treffend charakterisieren würde.

Man konnte das als deutscher Leser erst in den letzten Jahren erkennen und nachvollziehen, nachdem der erste und dritte Roman nachholend übersetzt wurde (siehe TITEL-Rezensionen hier und hier), und derart das ebenso dichte wie weitläufige autobiografische Unterfutter dieser ersten Romane sichtbar wurde.

Insofern ist der Wunsch Maria Josés (und ihrer Töchter) mit inniger Rührung verständlich, nicht nur als Menschen- & Liebesopfer, das am Beginn von António Lobo Antunes Schriftstellerexistenz stand, postum gewürdigt, sondern auch ihre Liebes- & „Hebammendienste“ bei der Zeugung & Geburt des Schriftstellers erkannt zu sehen.

Wie weit der künftige Prosaist den „barocken“, lyrisch-expressiven, ironischen Stil seiner ersten Bücher schon in Angola entwickelt hatte, offenbart eine große Evokation Lissabons aus dem umfänglichen, aber offenbar verworfenen Roman „Flug“, die er an seine Frau am 25.1. 1972 als Probe seines weiträumigen Periodenbaus schickte: „Lissabon ist voller Statuen von Königsmördern: Büsten mit Carbonarier-Bärten in den öffentlichen Parks inmitten von Bougainvilleen- und Narzissenbeeten; heroische Menschentrauben, die sich, egoistischen Schiffbrüchigen gleich, raufend gegenseitig von den Sockeln drängen wie von engen Flößen; halbnackte Wasserspeier mit Grübchen auf den Hinterbacken, die Gallequalenwasser aus ihren runden Mündern erbrechen und sich, von Übelkeit gequält, zum eigenen Spiegelbild herunterbeugen; einsam, mit Federbüschen bewehrt, zu Pferde, traben sie auf dem Weg zu einer erlösenden Explosion zum Fluss hinunter (im Frack tickt die Zeitbombe); klammern sich mit konvulsivischem Begehren an androgyne Standbilder der Republik; nachts ersinnen sie unter den Platanen Alexandriner und Attentate; (...) rupfen in den Musikakademien mit Gründermonokel Chopin wie einem lebenden Huhn die Achtelnoten aus; in Jahrmarktszelten extrovertierten sie unflätige Gesten; ruckeln auf den parkinsonschen Traggerüsten der Prozessionen; feiern, in der allerhöchsten Eleganz der Sandeman-Reklame, das Glas in der Faust, den Tod eines möglichen Erben“.

Rund zwei Monate später widmet er einen Brief an seine „geliebte Liebste“ ganz und gar den literarischen Ambitionen, wobei sehr signifikant das gemeinsame literarische Projekt im ganz selbstverständlichen Wechsel von „wir“ & „ich“ hervortritt – als schreibe Sherlock Holmes an seinen Dr. Watson: „Man liest die anderen, gerühmten und hochgelobten Typen und beginnt davon überzeugt zu sein, dass, ganz ohne Gefälligkeiten, was wir schreiben, viel besser ist. Diese Südamerikaner, die unter bestimmten Aspekten parallel zu mir verlaufen, sind alle schlechter als ich. Und wir lesen die Typen aus anderen Ländern und sehen, dass wir noch bessere Karten im Ärmel haben als sie.(...)“.

Zwei Tage später berichtet er von der „riesigen Enttäuschung“, als er Albert Camus´ “Pest“, die er mit 16 Jahren „verblüfft und begeistert“ gelesen hatte, nun beim zweiten Lesen „ärgerlich und langweilig fand. Tatsache ist, dass dieser großzügige, intelligente und ehrliche Mann mit seinen naturalistischen Lyrismen und seinen sonnigen Absurditäten ungeheuer gealtert ist“, so dass dem 29jährigen portugiesischen Schriftsteller in seiner Aufbauphase jetzt „Die Pest“ als „ein allzu schematisches Machwerk voller naivem, mit guten Absichten gespickten Humanismus erscheint“. Und im Vorgriff auf Romane, die er erst in den Neunziger Jahren schreiben wird, spricht er hier in Angola 1972 schon davon, „dass Literatur ein Fest der Worte, eine panische Feier (im griechischen Sinne), ein heidnisches Fest sein sollte und die Figuren einfache Stimmen, die singend oder wispernd durch die Seiten gleiten“ (Kursivierung von mir).

Ebenso signifikant für seine Positionierung in der Literatur der Moderne ist auch seine Bemerkung, wonach er (bei der Lektüre großer „Konkurrenten“ wie Cabrera Infantes „Drei traurigen Tigern“ oder Lezama Limas „Paradiso“) „seltsamerweise die Illusion hatte, in Büchern von anderen Gedanken und Prozesse zu finden, die mit meinen übereinstimmten, was bislang aber nicht der Fall war – und ich bin mir immer sicherer, dass dies nie geschehen wird. Das wäre eine Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin (...) Ich warte weiterhin auf die werten Anweisungen der Gnädigsten, die entscheiden möge, was ich tun soll“. Mit Maria Josés lektorierender Hilfe will er etwas schreiben, was keiner vor oder neben ihm bisher konnte. Einzig das ist ihm Rechtfertigung dafür, überhaupt zu schreiben – bis heute!

Krieg in Afrika als Paradies & Hölle

Der Blick auf die literarische Genese des António Lobo Antunes ist ein Aspekt, den man als „nachlesender“ Voyeur diesen Briefen entnehmen kann. Ein anderer, wie sich der junge Mann langsam der Lebensangst im Krieg akklimatisiert, oder besser: wie er diese verdrängt durch Apathie, die Lektüre von Zeitschriften und Büchern und seine eigene literarische Tätigkeit, in die er in den langen Phasen des Wartens, des Nichtstuns immer öfter „abtaucht“, wenngleich er über die Qualität dieser Arbeiten höchst unsicher ist.

Einen großen Raum nehmen in den fast täglichen Berichten aber auch die exstatischen Schilderungen der befremdlichen Schönheit der Landschaft ein - und Klagen über gewaltige Gewitter, sintflutartige, tagelange Regenfälle und ein reduziertes Leben in Hunger, Dreck und in Moskitoschwärmen. Mehrfach erwähnt der von Durchfällen geplagte Arzt auch die Angst vor der Cholera, die katastrophale Versorgungslage der Truppen, die von einem technisch überlegenen Feind in die Enge getrieben werden und als verlorener Haufen längst den Glauben an seine (sinn- & erfolglose) militärische Präsenz in der Weite Angolas verloren hat. Fieberhaft berechnet er auch immer wieder seinen Sold, um die materielle Existenz seiner jungen, studierenden Frau zu sichern, die er ermahnt, ihre Prüfungen zu machen, während sie eine Wohnung für die Familie sucht und er afrikanische Kunstgegenstände dafür erwirbt.

Aber natürlich sind das zuerst und zuletzt: Liebesbriefe, Sehnsuchtsbriefe eines werdenden Vaters, der seine „beiden Frauen“ in der stumpfsinnigen „Hölle“ entbehrt, um Bilder bittet & bettelt, und seiner „geliebten Liebsten“, dem „lieben Schatz“ mal um mal „Millionen und Abermillionen Küsse von Deinem Mann, der Dich anbetet“, schickt und immer wieder versichert, dass er „alles an Dir mag“. Das rituelle Ostinato dieser Briefe steigert sich bis zu der Versicherung: „Du bist die Frau meines Lebens. Und soviel ich auch darüber nachdenke, es gibt keine andere Lösung: ich bleibe bis zum Ende der Welt mit Dir zusammen“.

Zum Ende der Welt Maria Josés waren die Getrennten wieder mit sich allein und zusammen. Dazwischen aber mehr als zwei Jahrzehnte getrennt und jeder für sich allein: António Lobo Antunes in der Flaubertschen Einsamkeit beim Lauschen auf das Wispern & Schreien, Wehklagen & Verstummen der körperlosen Stimmen, mit deren Aufzeichnungen er die Welt seiner einzigartigen Romane zu einem „Fest der Sprache“ auftürmte; und Maria José mit dem Schatz der Briefe, die ihre einzige & einstige Liebe versiegelte. Deren letzter vom 30.1. 1973 endet in ahnungsloser Trostlosigkeit mit den Worten: “Meine Liebste, meine einzige, große Liebe! Ich bete Dich über meine Rauheit und meine fehlende Zärtlichkeit hinaus an, verzweifelt... António“.

Wolfram Schütte


António Lobo Antunes: Leben, auf Papier beschrieben. Briefe aus dem Krieg. Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann. Luchterhand-Literatur Verlag, München 2007. zahlr. Abb. 527 Seiten, 24.95 Euro.

... bis sie dann gestorben sind.

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