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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:52

     

    Gregor Sander: Ich aber bin hier geboren

    20.02.2004

     
    Wie das Leben

    Der Ton der Erzählungen, meist aus der Ich-Perspektive, ist ungekünstelt, als säße in der Kneipe jemand neben einem und erzählte aus seinem Leben. Dieses Leben findet statt in Berlin, Rostock und dem freien Platz dazwischen. Normales Leben, manchmal gut, meistens scheiße, immer irgendwie planlos.


     

    Gregor Sander hat zehn Geschichten geschrieben. Sie wurden unter dem Titel „Ich aber bin hier geboren“ bei Rowohlt veröffentlicht. Gregor Sander war nicht bei Harald Schmidt, um für sein Buch zu werben. Er hat keinen aufsehenerregenden Nachwuchsliteratenpreis für sein Debüt kassiert. Keine Frauenzeitschrift hat Fotos von ihm gedruckt, in nachdenklicher Pose, als Bildunterschriften Sanders Ansichten zur Weltpolitik. Der Umschlag seines Buches ist schwarz-weiß. Alles ganz unspektakulär. So wie seine Erzählungen. Da gibt es nichts Hippes, nichts Lifestyliges, nichts Buntes. Gregor Sander erzählt in schwarz-weiss. Nichts lenkt ab von dem, was er erzählen will. Hier ist einer, der das Schreiben ernst nimmt.
    Er schreibt über einen, der von heute auf morgen seinen Job los ist. Und um sich zu beweisen, dass er doch was kann, dass er etwas besser kann als alle anderen, will er einen Rekord im Aufs-Meer-gucken aufstellen. Das macht er dann auch, nur für sich, und am Schluss geht er nach Hause.

    Eine Gruppe junger Leute plant, eine Bank zu überfallen, damit endlich alles irgendwie besser wird, aufregender vielleicht auch. Tagelang spionieren sie die Bank aus, einer besorgt Waffen… Dass es dann doch einen anderen Ausweg zu geben scheint aus diesem improvisierten Leben, ist dem Zufall zu verdanken und einem toten o­nkel. Aber die Erfüllung des Traums lässt ihn schal werden; die Protagonistin trennt sich von ihrem plötzlich reichen Liebhaber.

    Nach außen geschieht nicht viel, oder so langsam, dass man es kaum bemerkt. Aber alles verschiebt sich, und auf einmal ist alles anders als zuvor. Eine der schönsten Geschichten erzählt so von Karl, dem alten WG-Kumpel, der erst aufs Land zog, dann diese unansehnliche Frau heiratete und nun verschwunden ist. Der Erzähler erhält einen Anruf von Karls Ehefrau Betty und macht sich auf den Weg zu ihr. Angekommen, weiß er auch nicht so recht, was er machen soll, um Karl aufzuspüren. Unmerklich erliegt er der trägen Atmosphäre auf dem Land, die die Dinge einfach geschehen lässt. Alles kommt zum Stillstand. Am Ende sitzt er in Karls Küche, trinkt Karls Bier und hält die Hand von Karls Frau.

    Der Ton der Erzählungen, meist aus der Ich-Perspektive, ist ungekünstelt, als säße in der Kneipe jemand neben einem und erzählte aus seinem Leben. Dieses Leben findet statt in Berlin, Rostock und dem freien Platz dazwischen. Normales Leben, manchmal gut, meistens scheiße, immer irgendwie planlos. Nach einer Weile wurde es mir ein bisschen mühsam, den alltäglichen Ereignissen aufmerksam zu folgen. Vielleicht wird ein bisschen zu viel herumgesessen, geraucht, getrunken und dabei geredet. Passt aber auch, irgendwie. Die Lebensentwürfe der Figuren sind vage. Sie gehören zu der Generation, die die DDR noch kennt, sich nach 1989 angepasst hat und trotzdem in der Luft zu hängen scheint. Zu denen, die ein Stück ihrer Vergangenheit verloren haben und sich treiben lassen. Entscheidungen treffen der Zufall oder eine Laune.

    Ein Hauch von „Sommerhaus, später“ weht durch Sanders Texte, die aber weniger tief als die von Judith Herrmann in die Figuren einzudringen scheinen, sondern eher von außen beobachten. Da wird nicht jeder Kräusel des Zigarettenrauchs zum Vorzeichen umgedeutet. Das ist schön, auch wenn es manchmal ein bisschen zu sehr wirkliches Leben ist und genauso gleichförmig. Aber man muss auch nicht alle Erzählungen an einem Stück lesen. Man kann sich Zeit lassen dabei. Nichts ändert sich. Nicht wirklich. So sieht es aus.


    Mascha Kurtz



    Gregor Sander: Ich aber bin hier geboren. Rowohlt 2002, 144 Seiten, 14,90 ¤. ISBN: 3498063618

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