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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:58

     

    Andrea Camilleri: Die Nacht des einsamen Träumers & Eine Sache der Ehre

    20.02.2004


    Zwei sehr unterschiedliche Neuerscheinungen

    Mittlerweile zählt der 1925 geborene Sizilianer Andrea Camilleri zu den erfolgreichsten italienischen Autoren. Bis vor wenigen Jahren war er allerdings außerhalb seiner Heimat vollkommen unbekannt. Vor allem der Figur des Commissario Montalbano ist es zuzuschreiben, dass der Autor die vordersten Plätze der Bestsellerlisten geradezu abonniert hat.

     

    Mittlerweile zählt der 1925 geborene Sizilianer Andrea Camilleri zu den erfolgreichsten italienischen Autoren. Bis vor wenigen Jahren war er allerdings außerhalb seiner Heimat vollkommen unbekannt. Vor allem der Figur des Commissario Montalbano ist es zuzuschreiben, dass der Autor die vordersten Plätze der Bestsellerlisten geradezu abonniert hat.

    Eine der beiden Neuerscheinungen, „Die Nacht des einsamen Träumers“, ist eine Sammlung von 20 kurzen Erzählungen, in welchen Commissario Montalbano „ins Grübeln“ kommt. Eines haben die Kurzgeschichten, die manchmal sogar Kürzestgeschichten sind, gemein: die Skurrilität. Camilleri zaubert mit großer Leichtigkeit unglaublich schrille Typen aus der Feder. In „Absolut unbrauchbare Fadenreste“ zum Beispiel den Ragioniere, also den Buchhalter Ferro. Dieser sammelt, ordentlich und so organisiert, dass jedes Stück leicht auffindbar ist, einfach alles was in seinem Leben durch seine Hände geht, jeden Abfall, den er produziert. Bierflaschen und die dazugehörigen Kapsel. Nach Datum sortiert. Jede Zeitung. Jeden Faden und Fadenrest. Sogar den „Biomüll“, den er selbst erzeugt, lagert er in riesigen Fässern im Keller seines Hauses.

    Nicht weniger originell ist die Geschichte „Montalbano weigert sich“. Der Commissario ist, ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen Fällen, mit schrecklichen Verbrechen konfrontiert. Als er ins Versteck der Täter vordringt , werden gerade Körperteile gebraten. Er telefoniert mit Andrea Camilleri, der sich für diesen Text damit rechtfertigt, dass er immer wieder dafür kritisiert wird, dass seine Geschichten zu harmlos, zu augenzwinkernd sind. Für Commissario Montalbano ist das allerdings kein Argument, er weigert sich, weiterhin in dieser einen Geschichte mitzuspielen. Aus. Basta.

    Die Kurzgeschichten mit Montalbano sind also uneingeschränkt zu empfehlen, bieten sie doch Witz, Flair und somit Lesevergnügen pur.

    Anders verhält es sich mit der zweiten Neuerscheinung "Eine Sache der Ehre“. Man begegnet zwar den für Camilleri typischen schrillen Figuren, doch gelingt es den zwischen Erzählung und Essay angesiedelten Texten nicht, einen wirklich in den Bann zu ziehen. Immer wieder blitzt Camilleris Klasse zwar auf, dennoch bleiben die zwei wahren Geschichten zu träge. Kommen einfach nicht in Fluss.

    Textauszug aus „Die Nacht des einsamen Träumers“:

    „Sie haben die Schachtel mit den Kronkorken der Bierflaschen vom letzten Jahr gestohlen. Sehen Sie, Commissario, heute ist der vierte Januar. Gut, am zweiten Januar habe ich die Schachtel versiegelt, in der ich die Kronkorken der Bierflaschen gesammelt habe, die ich 1997 getrunken habe. Dreihundertfünfundsechzig waren es, ich trinke jeden Tag eine.“

    Montalbano sah ihn an. Der scherzte nicht. Ganz im Gegenteil, er wirkte durcheinander. „Und was ist in dieser großen Schachtel links, Ragioniere?“ „Da? Absolut unbrauchbare Fadenrest.“ „Und in den Schachteln daneben?“ „Gebrauchte Plastik- und Papiertüten. Sehen Sie? Sie sind nach Jahrgang sortiert. Da, lesen Sie: Gummiringe 1978, 79, 80 ... abgelegte Unterhemden 1979, 80, 81 ... und so weiter und so fort. Ich hebe alles auf, ich werfe seit zwanzig Jahren nichts weg.“


    Mike Markart
    Andrea Camilleri: Die Nacht des einsamen Träumers. Erzählungen, Übers. Christiane v. Bechtolsheim. Edition Lübbe, Bergisch Gladbach 2002, Geb., 379 Seiten. ISBN3-7857-1529-3

    Andrea Camilleri: Eine Sache der Ehre. Erzählungen, Übers. Monika Lustig. Piper Verlag, München 2002, Geb., 190 Seiten. ISBN 3-492-04422-0
    . Erzählungen, Übers. Christiane v. Bechtolsheim. Edition Lübbe, Bergisch Gladbach 2002, Geb., 379 Seiten. ISBN3-7857-1529-3

    Andrea Camilleri: Eine Sache der Ehre. Erzählungen, Übers. Monika Lustig. Piper Verlag, München 2002, Geb., 190 Seiten. ISBN 3-492-04422-0

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