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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 06:59

     

    Dieter Lohr: Der Chinesische Sommer

    20.02.2004



    Abseits des Klischees

    Im Sommer 1989 ereignete sich das Massaker auf dem Tiananmen-Platz. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Dieter Lohr hat in diesem Sommer eine fünfmonatige Reise durch Asien unternommen.


     

    1989 unternahm Dieter Lohr eine fünfmonatige Reise durch Asien. Er erlebte das Massaker auf dem Tiananmen-Platz, auf dem Platz des Himmlischen Friedens, hautnah. Lohrs Text ist weder mit üblichen Literaturen zum Thema und schon gar nicht mit herkömmlichen Reiseführern zu vergleichen. Denn jene seltsamen Begebenheiten (siehe einleitenden Textausschnitt), die üblicherweise aus der Reiseliteratur ausgeklammert werden, sind in Lohrs Buch ein Hauptbestandteil - und damit auch für den besonderen Reiz der Lektüre verantwortlich. Lohrs naiver Blick eines Rucksacktouristen liefert natürlich kein objektives Bild von Land und Gesellschaft. Wozu aber auch? Der Autor beobachtet einzelne Menschen. Manche sind modern, mit politischer Weitsicht, andere sind schrullig und nicht imstande, geistig ihr Dorf zu verlassen.

    Das großartigste Kinopublikum hat Lohr übrigens in Indien gefunden: “Einst machte ich meinen Sitznachbarn darauf aufmerksam, dass einer der Galeerensklaven auf der Leinwand Turnschuhe trage. ‚Na und,‘ kam die Antwort, ‚ich trage doch auch welche.‘ Zehn bis fünf Minuten bevor der Film zu Ende ist, werden die Saaltüren geöffnet, die Lichter gehen an, und die Kinobesucher nach Hause. Das Ende steht ohnedies von vornherein fest, und es ist der langweiligste Teil des ganzen Films, weshalb also sollte man noch bleiben? Eines Films trat während dieser Aufbruchsstimmung der Leinwandspaßmacher ganz nahe an die Kamera und rief auf englisch ‚Stop! Don’t go!‘ ins Publikum, woraufhin sich tatsächlich ein großer Teil der Aufbrechenden verwundert wieder zur Leinwand zurückdrehte, manche nahmen gar ihre Sitzplätze wieder ein.”

    Die Reiseerzählung wird ergänzt durch Zeichnungen von Werner Merk. Ihre Qualität lässt sich aufgrund des schlechten Drucks allerdings leider nur erahnen.


    Textauszug:
    “Chinesen sind Meister im Bahnfahren und darin, das Bahnfahren klaglos zu tragen. Im Hartsitz-Abteil von Chengdu nach Xi’an hatte ich mir gerade einen Sitzplatz erkämpft, die Ellenbogen auf das Tischchen vor mir und das Kinn in die Hände gestützt, um ein wenig zu schlafen. Zur guten Nacht lächelte ich meinem Gegenüber zu und fragte ihn, wo er denn hinfahre. ‚Nach Warschau.‘ Ich stutze. ‚Liegt Warschau nicht in Polen?‘ Er war entzückt ob meiner geographischen Kenntnisse. ‚Wie lange fährt man von Chengdu nach Warschau?‘ ‚Sechs Tage.‘ Seine Firma schicke ihn nach Warschau, er halte dort einen Vortrag und komme dann wieder zurück nach Chengdu. Wie lange er denn in Warschau bleibe, fragte ich, es solle ja eine schöne Stadt sein. ‚Ein paar Stunden.‘ Sein Vortrag würde eine Stunde dauern, und bevor sein Rückzug nach China abführe, hätte er sicherlich noch ein wenig Zeit, sich umzusehen.”

     


    Mike Markart

     


    Dieter Lohr: Der Chinesische Sommer. Eine Reiseerzählung, Der andere Verlag, 165 Seiten, ISBN 3-934366-01-5

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