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Robert Walser: Jakob von Gunten.

20.02.2004

 
Jakob von Gunten

Zum 125. Geburtstag von Robert Walser liegt „Jakob von Gunten“ nun in einer sorgfältig edierten, mit einem ausführlichen Nachwort versehenen Sonderausgabe des Suhrkamp Verlags vor. Wer den lange in Vergessenheit geratenen Autor bisher übersehen hat, sollte diese Gelegenheit nutzen, um Versäumtes nachzuholen!

 

„Was wir Zöglinge tun, tun wir, weil wir müssen, aber warum wir müssen, das weiß keiner von uns recht. Wir gehorchen, ohne zu überlegen, was aus all dem gedankenlosen Gehorsam noch eines Tages wird, und wir schaffen, ohne zu denken, ob es recht und billig ist, dass wir Arbeiten verrichten müssen.“

Diese bemerkenswerten Zeilen stammen nicht aus irgendeinem Brief, den ein zum Irak-Befreier verklärter Soldat in diesen Tagen an die Lieben daheim sendet. Und auch im Umkreis des Zweiten und Ersten Weltkriegs wird man noch vergeblich nach ihnen suchen müssen. Denn diese Zeilen, die bestimmte Erfahrungen der Moderne bündig zusammenzufassen scheinen, entstanden bevor dieselbe ihren bitteren Siegeszug durch die Weltgeschichte antreten konnte.
Unter diesen Umständen darf Robert Walsers 1909 veröffentlichter Tagebuch-Roman Jakob von Gunten mit Fug und Recht prophetisch genannt werden, aber er darf es nicht nur unter diesen Umständen. Die mit lakonischer Präzision erzählte Geschichte des Jakob von Gunten, der aus dem aristokratischen Elternhaus in die bizarre Welt des bürgerlichen Bildungs- und Erwerbslebens stürzt, steht in der Literaturszene des frühen 20. Jahrhunderts allein auf weiter Flur. Denn das nicht eben umfangreiche Meisterwerk des Schweizer Schriftstellers schließt sich weder formal noch sprachlich, stilistisch oder inhaltlich den großen Strömungen der Zeit an. Vielmehr schlägt sich das verzweifelte Understatement, das Jakobs Zukunftshoffnungen auf die mögliche Existenz als „reizende, kugelrunde Null“ und „eine Person sechsten Ranges im Weltleben“ beschränkt, auf die Konzeption und Gestaltung eines Romans nieder, der dem Lebensgefühl späterer Generationen mehr entspricht als dem seiner eigenen, weil das tiefe Unbehagen in der Kultur hier bereits an die eigentümliche Hilflosigkeit der kritischen Zielerfassung geknüpft ist.

Zum 125. Geburtstag von Robert Walser liegt „Jakob von Gunten“ nun in einer sorgfältig edierten, mit einem ausführlichen Nachwort versehenen Sonderausgabe des Suhrkamp Verlags vor. Wer den lange in Vergessenheit geratenen Autor bisher übersehen hat, sollte diese Gelegenheit nutzen, um Versäumtes nachzuholen!


Thorsten Stegemann



Robert Walser: Jakob von Gunten. Ein Tagebuch. Suhrkamp 2003. Gebunden. 164 Seiten. 8 Euro. ISBN 3-518-39984-5

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