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Donnerstag, 30. März 2017 | 06:53

 

Joachim u. Michael Schönauer (Hg.): Social Beat Slam Poetry. Bd. 3

19.02.2004

 
Billiges Buffet

Schon wieder eine Social Beat-, Slam Poetry-Anthologie könnte man sagen - und man hätte mit diesem Einwand recht, denn mittlerweile ist die Anzahl dieser Art von Publikationen inflationär.  "Poesie, Party und Pop" hat sich längst als Event im Nightlife etabliert, das schlägt sich natürlich auch auf dem Buchmarkt nieder.

 

 

Die Brüder Schönauer, die nun bereits den dritten Sammelband für die Social Beat- und Slam-Szene ediert haben, setzen im wesentlichen auf die "Üblichen Verdächtigen" wie Jan Off, Jörg André Dahlmeyer - mit gewohnt starken Texten - oder Heike Reich, was in letzterem Fall unnötig ist, denn "Das Licht" ist einfach nur stinklangweilig. Das gilt auch für die "Neuzugänge" Jasper Beutin und F. Gotthardt - diese Beiträge gehören eigentlich verboten, denn die goldene Regel beim Slam heißt: "Erlaubt ist, was gefällt" - und unterhält. Doch was ist die Langeweile schon im Gegensatz zu Yussuf Ms stinkenden Textflüssen, in denen nur Worte wie "Fickzeug, warzenverknorpelt ... rasierte Mösen [und] aufgegeilte Schwänze" treiben. Neu oder avantgardistisch sind diese Inhalte natürlich nicht. Rolf Dieter Brinkmann hat schon in den sechziger Jahren vom Wichsen, vom öden Sex mit seiner Freundin und Abtreibungen auf Küchentischen geschrieben. Im Nachwort zitiert Michael Schönauer (=Yussuf M) Hadayatullah Hübsch: "Statt dessen machen sie Unterleibsgeschichten ... oder irgendeinen Trash, von dem sie meinen, er würde noch Tabus verletzen. Und das ist eine furchtbare Situation für die Literatur." Ein seltsamer Widerspruch!

Aber die "Versefürsten" können auch anders wie uns das Henning Chadde und Timo Brunke mit ihrer Rap-Poesie beweisen: "Zweitausend Jahre Revue passieren lassen, Massen von Er-/eignissen erfassen, Taten mit allen Sinnen auf Raten er-/innern; stell mir vor, ich hätt ne Menge Memorykärtchen, und/ wenn ich die umdreh, plötzlich zurückseh, für die Dauer von Se-/kunden künden die Kärtchen in kurzen Sätzen, wenn ich jetzt/ losleg durch die Zeiten hetze..."

Tina Uebel (MC des "Fools Garden" / Hamburg) brachte es im Slam-Poetry-Report im Musikmagazin "Intro" auf den Punkt: "Slam ist keine Honigmelone." . Und "Social Beat Slam! Poetry Band 3" ist kein 5-Gänge-Menü, eher ein billiges Buffet - man stürzt sich auf die wenigen Häppchen und den Rest lässt man liegen.

Boris Kerenski


Joachim u. Michael Schönauer (Hg.): Social Beat Slam! Poetry. Bd. 3. German Grand Slam. "Freestyle versus Slam". Killroy media Verlag, Asperg 2001. 213 S., 10 ¤

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