• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. Juli 2017 | 14:46

     

    Martin Kluger: Der Koch, der nicht ganz richtig war

    12.02.2007


    Hering und billiges Parfüm

    Martin Klugers Figuren sind liebenswerte Sonderlinge, die sich Nischen am Rand der Gesellschaft eingerichtet haben oder durch den Lauf der Geschichte zugewiesen bekamen.

     

    „Ein Koch, der nicht ganz richtig war, trat meiner Tante zu nahe. Sie wich einen Schritt zurück. Da biss meine bedrängte Tante herzhaft in seine Hand, und die schmeckte nach Hering und billigem Parfüm.“ So leitet Martin Kluger die Titelgeschichte seines sieben Erzählungen umfassenden Bandes ein. Amüsant und komisch arrangiert der als Drehbuchschreiber für Kino und Fernsehen erfahrene Autor seine historischen Anekdoten, die er behutsam in wechselnde historische Kontexte einbettet und von Berlin über Gleiwitz nach Montevideo hin- und herspringen lässt.

    Der 58-jährige Martin Kluger, der zuletzt mit seinen Romanen Abwesende Tiere (2002) und Die Gehilfin (2006) auf ein nachhaltiges Echo stieß, beschreibt in seinen Texten Figuren, die aus der Zeit gefallen sind – „versprengte Charaktere“, wie er sie selbst in einem Interview bezeichnete.

    Schon mit den Namen seiner Protagonisten setzt Kluger ein deutliches Zeichen. Wer Ludovico Weintraub, Gershon Schwander, Graf Leopold Friedrich Suleiman Hagendorn oder Renaldo Redondo Gomez heißt, dessen Vita impliziert beinahe zwangsläufig einen Hauch Exotik. Kleine Tragikomödien verbergen sich schließlich auch hinter den Erzählungen.
    So muss etwa der hartnäckige Koch aus der Titelgeschichte miterleben, wie die umworbene Frenzi vom Dichter Gershon Schwander ein Kind bekommt. Und diese Miriam war das „erste Kind und das letzte, das im Alten Land mit einem Schopf schwarzer Locken zur Welt kam. Ein paar Sommersprossen des Dichters Schwander tanzten um ihre mosaische Nase.“

    Martin Klugers Affinität zu altertümlich-gedrechselten Formulierungen zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte – gerade so, als wolle er den Geschichten einen märchenhaft-antiquierten Odem verleihen. Jener Schwander stirbt in Montevideo und fühlt sich durch seine Urgroßnichte Djuna in seinen letzten Tagen noch einmal an die Krankenschwester Frenzi erinnert. Djuna Weintraub geht dann als blutjunges Mädchen den umgekehrten Weg: von Montevideo nach Berlin. Dort landet sie (wie von Geisterhand gesteuert) an der Seite des kauzigen Arztes Felix Saab, ein Greis, der im Stadtteil Steglitz ein trauriges Eremitendasein führt und dessen Frau freiwillig aus dem Leben schied. „Europäische Zeitungen aus vier oder fünf Jahrzehnten bildeten die Berge in diesem Zimmer, Briefe aus fünf oder sechs Jahrzehnten die Täler“, so die Beschreibung von Felix' Sohn.

    Martin Klugers Figuren sind liebenswerte Sonderlinge, die sich Nischen am Rand der Gesellschaft eingerichtet haben oder durch den Lauf der Geschichte zugewiesen bekamen. Sie wirken merkwürdig fremd, mit einer Patina überzogen wie Ausstellungsstücke aus einer fernen Zeit. Die Erzählungen erinnern an historische Schwarz-Weiß-Streifen aus den Anfängen des Films, und aus dem Hintergrund hören wir die kunstvoll arrangierten Worte des Kinoerzählers Martin Kluger.

    Peter Mohr


    Martin Kluger: Der Koch, der nicht ganz richtig war. Erzählungen. Dumont Verlag 2006. 146 Seiten. 17,90 Euro.

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter