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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 17. August 2017 | 13:48

     

    Aka Morchiladze: Santa Esperanza

    21.01.2007


    Eiertanz auf einem Eiland

    Ein postmoderner Georgier erschreibt sich einen Kosmos an Liebesgeschichten, Kriegsabenteuern, Mythen, Sagen, Chroniken, E-Mails und Zeitungsartikeln über eine fiktive Inselgruppe im Schwarzen Meer, die bei genauem Hinsehen die eigene Heimat unter die Lupe genommen ist.

     

    Klingt gut, klingt spannend, klingt hip. Und dann wird das ganze Klingeling auch noch optisch mächtig aufgepeppt: ein Filzschuber (der abgestürzte Beuys lässt kaukasisch grüßen) mit 36 bunten Heften, die dem johannitischen Kartenspiel Inti nachempfunden sind. Das macht doch alles mächtig Appetit, oder? Und dann noch dieser Preis! Hier konnte eigentlich gar nichts schief oder gar ins Auge gehen...

    Doch dann hat man zu lesen begonnen. Man durfte es machen, wie man wollte, wurde einem versprochen: eine Farbe nach der anderen lesen, ganz stur in der Reihenfolge lesen, kreuz und quer lesen, empfohlenen Routen nachlesen (die stehen im beigefügten weißen Bändchen, einer Art Kommentar und Gebrauchsanweisung für die restlichen immer 24 Seiten langen Bändchen) – und dann freut man sich und liest (ich z. B. habe zuerst alle ersten Bände der jeweiligen Farben gelesen, dann alle zweiten usw.) und stellt plötzlich fest, dass es bei dem ganzen veranstalteten Zauber doch letztlich die Geschichten sind, die so sehr langweilen. Ja, richtig gehört, das grundlegende Material der Literatur ist es, das hier versagt. Peinlicherweise.
     
    Alles ist eitel!

    Schon schmiedet man sich still die kleine Schlussfolgerung zurecht, dass genau aus der Lapidarität der Storys dieser ganze konzeptuelle, farbliche und verfilzte Blendwuchs erst stammt. Und man behält schließlich recht: Suchte man am Anfang den Fehler noch bei sich („Vielleicht war meine Lesereihenfolge ja unglücklich!“), so wird einem nur zu bald klar, dass sich die erzählerische Mittelmäßigkeit auch bei Umstellung der Bände nicht ändern lässt. Verquirlung von Fakten und Fiktion – das lockt eben kaum mehr einen Köter hinter der Zentralheizung hervor.

    So gerät das epische Santa Esperanza doch zu keiner Königsgeburt von Mutter Literatur, sondern nur zu einem ermüdenden Gemisch aus adoleszenten Mittelerde-Tolkienerien, modischem Molwanien-Schrullismus und tausendfacher Kapitän-Blaubäraufbindung. Schade eigentlich.

    Christoph Pollmann


    Aka Morchiladze: Santa Esperanza. Ein Epos in vielen Romanen. Pendo Verlag 2006. 36 Hefte in einer Filztasche. 850 Seiten. 27,50 Euro.

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