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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:59

     

    Jan Off: Angsterhaltende Maßnahmen

    17.12.2006


    Exzellenter Beobachter


    Neue Kurzgeschichten, alles wie immer? Mitnichten! Die Dialoglastigkeit, die Jan Offs frühe Werke bestimmte, wird mehr und mehr ausgebremst. Für den heutigen Punktsieg sorgen in erster Linie die epischen Passagen, die Off als exzellenten Beobachter ausweisen.

     

    "Bulldozer der Underground-Literatur" – auf dieses schmissige Etikett greifen viele Veranstalter zurück, wenn es darum geht, eine mit Jan Off angesetzte Lesung anzukündigen. Und Off liest häufig, bewegt sich seit vielen Jahren routiniert durch den deutschen Sprachraum und bringt die Leute zum Lachen, vorzugsweise mit seinen abstrusen Kurzgeschichten, mit deren Wirkung er sich beim Publikum sicher sein kann. Zahlreiche dieser kurzen Geschichten liegen bereits in gedruckter Form vor. Nachdem er Anfang 2006 mit dem beim jungen Verlag German Publishing erschienenen und gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Antje Herden verfassten Doppelroman Weißwasser brillierte, kehrt er nun zu seinem bevorzugten Format zurück und legt mit Angsterhaltende Maßnahmen erneut eine Kurzgeschichten-Sammlung vor.

    Neue Kurzgeschichten, alles wie immer? Mitnichten! Mit der über 40seitigen Erzählung "Leichenstarre" gelingt ihm ein Einstieg, der für die heutige Kurzprosa Jan Offs symptomatisch ist. Nach wie vor bedarf es keiner kompliziert konstruierten Handlung - um es (wieder einmal) mit den Worten des großen Poeten Stephan Sulke zu sagen: Im Grunde ist die Story schrecklich simpel. Ein den Drogen nicht abgeneigter Autor verguckt sich in eine dänische Freundesfreundin, schäkert rund um eine Lesung mit der Weiblichkeit, um schließlich nicht nur die Lesung, sondern auch den Austausch von Körpersäften gnadenlos zu versemmeln. Auch die weiteren Texte in Angsterhaltende Maßnahmen, erschienen im Mainzer Ventil Verlag, folgen dieser Marschroute: die Razzia beim drogengeschwängerten Cousin, die wirklich alles ans Tageslicht fördert – nur die gesuchten und gut versteckten Fotoapparate nicht; nachmittägliche Telefonstreiche bei befreundeten Autorinnen, die sich je nach Trunkenheitsgrad und Stimmung entweder als lustig oder beschämend darstellen; der Besuch eines Lyrik-Workshops in Regensburg, vor dessen eigentlichem Beginn sich für die Hauptperson bereits alles erledigt hat.

    Schriftstellerische Entwicklung

    Natürlich (und gottseidank): Off bleibt Off, weit entfernt davon, ein moralinsaurer Apostel mit erhobenem Zeigefinger zu werden. Nach wie vor finden seine Protagonisten helle Freude daran, sich unzählige Kaltgetränke einzuverleiben und sich sämtliche Körperöffnungen mit feinstem peruanischem Pulver zu bestäuben. Wer aber Offs älteren Geschichten kennt, der wird zwangsläufig der schriftstellerischen Entwicklung gewahr, die der in Darmstadt lebende Autor in den letzten Jahren gemacht hat. Die Dialoglastigkeit, die seine frühen Werke bestimmte und dafür sorgte, dass eine Story Seite um Seite in schnellem Schritt verflog, wird mehr und mehr ausgebremst. Sicher, noch immer schreibt er schön griffige Dialoge, für den heutigen Punktsieg aber sorgen in erster Linie die epischen Passagen, die Off als exzellenten Beobachter ausweisen. Während er früher eine Reihe seltsamer Szenarien in Echtzeit geschildert und aneinandergereiht hat, erzählt er jetzt Geschichten, deren Handlung sich auch mal über mehrere Tage erstrecken kann.

    Wer lachen möchte, findet nach wie vor genügend Anreiz. Nicht zu überlesen ist aber auch, dass eine Ernsthaftigkeit Einzug gehalten hat, die nicht nur Offs fortgeschrittenem Lebensalter, sondern auch der Tabellensituation des von ihm favorisierten, demnächst drittklassigen Fußball-Vereins geschuldet sein dürfte. Auf der Balz und im Bett geht es in sublimiertem Maße um Liebe, die sogar dazu in der Lage ist, sich in Eifersucht und Verlustängste zu steigern. Das sind keine abgedrehten Figuren mehr, keine realitätsfernen Gestalten – das Personal in den neuen Geschichten setzt sich durchaus aus Menschen mit Problemen und Gefühlen zusammen.

    Die konzentrierte Arbeit an längerer Prosa, vor allem an seinem Anteil an Weißwasser, hat Jan Offs Schreibe offensichtlich gutgetan und ihr einen deutlichen Qualitätssprung ermöglicht! Wer Ingrid Steeger ausschließlich als Klimbim-Ulknudel kennt und sich kategorisch weigert, sie als Schauspielerin im ernsten Fach zu akzeptieren, sollte diesen Fehler bei Jan Off nicht begehen!
         
    stefan heuer.


    Jan Off: Angsterhaltende Maßnahmen. Ventil Verlag 2006. 160 Seiten. 9,90 Euro.

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