TITEL kulturmagazin
Montag, 27. März 2017 | 08:39

 

Axel Bußmer (Herausgeber): Lawrence Block

17.08.2006

 
Gelungene Werkschau

Der eingefleischten Krimifans seit Jahrzehnten bekannte aber noch unterschätzte Autor Lawrence Block wird mit einer gelungenen Werkschau einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Der NordPark Verlag, der sich bereits mehrfach mit seiner Reihe „KrimiKritik“ um das Krimigenre verdient machte, legt nun mit Band 5 das „weltweit erste Buch“ über den äußerst produktiven New Yorker Autor Lawrence Block vor. Dass eine umfassende Würdigung des bislang noch unterschätzten Autors längst fällig war, wird deutlich, wenn man die Liste seines Schaffens anschaut: Über fünfzig Romane, einhundert Kurzgeschichten, Sachbücher und Anthologien, mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grandmaster der Mystery Writers of America und dem Cartier Diamond Dagger, was Block nicht nur quantitativ sondern qualitativ als einen ebenso bedeutenden wie vielseitigen Autor ausweist.

Tanner, Scudder, Rhodenbarr

Im Zentrum von Blocks Schaffen stehen seine drei großen Serien, die er über Jahre und Jahrzehnte immer weiter geschrieben hat und die durch die interessanten Charaktere und ihre Entwicklung getragen werden. Da ist Evan Tanner, der, bedingt durch eine Kriegsverletzung, nicht mehr schläft, ein Held vom alten Schlag, der noch weiß, wer die Guten und wer die Bösen sind, die amerikanische Ideologie des freien Mannes verkörpert und der in den insgesamt acht Romanen die Leser auf spannende Reiseabenteuer mitnimmt. Da sind die Scudder-Romane, Urban-Noir im besten Sinn des Wortes und alles andere als klassische Privatdetektiv-Romane. Matt Scudder, Ex-Polizist, Alkoholiker und „freischaffender“ Privatdetektiv ohne Lizenz, ist zwar hard-boiled, macht aber eine glaubwürdige Entwicklung durch. Block erzählt in den bisher sechzehn Scudder-Romanen „brillante Großstadtkrimis, schnörkellos geschriebene Portraits von Big Apple und seinen Bewohnern.“ Von ganz anderer Art ist hingegen die Bernie Rhodenbarr-Serie. Das sind witzig gemachte Einbrecher-Romane, zehn an der Zahl, mit einem versierten Dieb als Detektiv, der in seinen nächtlichen Raubzügen schon mal über Leichen stolpert. Jedenfalls kommt regelmäßig er selber oder einer seiner Bekannten als Täter in Frage, was die Ermittlungen auslöst. Keine Wahrheitssuche, kein Gerechtigkeitssinn, noch nicht einmal Neugier treibt Bernie an – der schlichte Selbstschutz oder der Schutz eines Bekannten ist es.

Gesellschaftskritik

Besonders interessant wird Block, das wird in dem vorliegenden Band deutlich, wenn es um die gesellschaftskritische Dimension geht: „Block glaubt nicht an das bürgerliche Konzept von Gerechtigkeit und einem Staat, der die Bösen bestraft.“ Neben der Auflösung des bürgerlichen Gerechtigkeitskonzepts des ewigen schwarz und weiß, setzt Block auf kreative Weise die interessantere Variante diskontinuierlicher Grautöne. Und dies nicht nur bei seinen zunehmend differenzierteren Serienhelden, sondern in vielen der übrigen interessanten Figuren. Beispielsweise in dem sympathischen Durchschnittsbürger Keller, der als Auftragskiller in seinem Selbstverständnis einem quasi bürgerlichen Gewerbe nachgeht, was dazu führt, dass sich der Leser den nächsten Auftrag und damit den Geschäftserfolg Kellers geradezu herbeiwünscht. Auch in der Figur Ray Kirschmann, ein sympathischer Polizist und ein Bekannter Bernie Rhodenbarrs, scheint das bürgerliche Gerechtigkeitskonzept auf den Kopf gestellt zu sein. Der Polizist ist aus Prinzip korrupt und verkörpert keine wie auch immer geartete staatliche Gerechtigkeit.

Einführung und Nachschlagewerk

Insgesamt gibt dieser Band, der übrigens gebunden wie auch als Broschur erhältlich ist, einen guten Ein- und Überblick in und über Lawrence Blocks Schaffen und kann daher als Einführung in sein Werk ebenso gelesen werden wie als Nachschlagewerk für schon bekennende Block-Fans. Besonders die Beiträge über die einzelnen Romane, die ein Hauptteil der Werkschau ausmachen, wecken die Neugier auf diesen Autor, den es für viele noch oder wieder neu zu entdecken gilt. Die Verfilmungen und eine umfangreiche Bibliographie beschließen die gelungene Werkschau, die, vor allem durch die profunden Kenntnisse der beitragenden Krimiexperten, nicht nur informativ sondern auch lebendig wird.

Frank Kaufmann


Axel Bußmer (Herausgeber): Lawrence Block. Werkschau eines New Yorker Autors
Mit Beiträgen von Nessa Altura, Axel Bußmer, Joachim Feldmann, Wolfgang Kemmer, Claus Kerkhoff, Ekkehard Knörer, Jochen König, Gisela Lehmer-Kerkloh, Ina Lommatzsch, Marcus Stiglegger, Thomas Przybilka und Jan Christian Schmidt.
NordPark Verlag 2006. 328 Seiten. 20,00 Euro. ISBN 3-935421-15-X

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Zwischen Karikatur und Avantgarde

Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter