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Dietmar Sous: Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau

31.07.2006

 Lakonie und alte Songs

Einmal abgesehen davon, dass die Potenz der Darsteller das größte Kapital der Pornofilmbranche ist: Schwächeln am Set vertreibt oft auf ewig die Lust am Weitermachen. Wenn aber plötzlich bei der Hauptaktrice die Wehen einsetzen, sind Frust und Resignation auf dem Höhepunkt, ohne das der in irgendeine Befriedigung mündet.

 

Von Dietmar Sous ist die Literaturszene einiges gewöhnt, Berührungsängste vor trivialen Themen kennt der in Belgien lebende Autor nicht. Putzmunter klaubt er die Themen der Zeit auf, die vor ihm auf der Straße liegen, und verrührt sie zu einem heißen Potpourri aus C’est la vie und ernsthafter Niederlagenbewältigung.

Eine lakonische Sprache und verzwickt-komische Situationen sind die Markenzeichen von Sous, die in jedem seiner Bücher wieder zu finden sind. Über einen abgebrochenen Mercedesstern kommt der erfolglose Ich-Erzähler in „Die Schwester des Kameramanns“ ins Fernsehen. Obwohl diese beiden Ereignisse nicht unmittelbar in Zusammenhang stehen, laufen die Fäden am Ende der Geschichte auf den Anfang fixiert zusammen. In den Büchern von Sous findet sich oft ein gemeinsames Kennzeichen: die Musik. „Vormittag eines Rock'n'Roll-Beraters“ (2004) lebte komplett von ihr. Die neueste Veröffentlichung „Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau“ klopft in der Gestalt von Jazz- und Filmmusiklisten an die Pop-Türe.

Tragikomik bestimmt den Alltag der Antihelden von Dietmar Sous, die in ihrer Geradlinigkeit genauso gezeichnet sind wie vom Loservirus infiziert. Die Bekanntschaft mit der audrey-hepburn-dünnen Britta kommt für den Fußballfan nur deshalb zustande, weil dessen Frau im eigenen Wohnzimmer mit einem ehemaligen Fallschirmspringer diverse Körperflüssigkeiten austauscht. Der Britta-Quickie endet schal und ereignislos. Bei Sous hören solche Geschichten wie „Happy End“ in einem ebensolchen auf, einem Happy End, das jedoch wenig mit Glück, aber viel mit Schluss, aus und vorbei zu tun hat.

Dietmar Sous, ein Meister der lakonischen Prosa, die er mit würzigem Humor verfeinert, hat mit diesen vier kürzeren bis längeren Kurzgeschichten die kleine Welt in der großen treffend beschrieben. Nach der Lektüre ist man als Leser befreit. Nämlich von der Last, mit seinem lakonischen Leben allein zu sein.

Klaus Hübner


Dietmar Sous: Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau. Rotbuch Verlag 2006. Gebunden. 134 Seiten. 14,90 Euro. ISBN: 3434531432.

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