• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 06:01

     

    Rebecca Miller: Als sie seine Schuhe sah, wußte sie, dass sie ihren Mann verlass

    17.02.2004

     

    Sieben wunderbare Stories

    Ein kleines Buch, ein erstes Buch, ein feines Buch. Als ich die erste Zeile las, wusste ich, dass ich das Buch zu Ende lesen würde.




     

    Eine außerordentlich schöne Sammlung von Erzählungen. Sieben Stück. Leider nur sieben. Eine auffällig schöne Sprache. In allen Geschichten findet man ein Stückchen dessen, was man liest in sich wieder. Und: ein ausgefallener Titel: „Als sie seine Schuhe sah, wußte sie, dass sie ihren Mann verlassen würde.“ Das gibt es nicht? Doch, doch, so ist das nun mal im Leben. Manchmal entscheiden Augenblicke, so und nicht anders, einfach und schwer.

    Der Titel steht denn auch berechtigt für alle Geschichten dieser 220 Seiten, für alle Frauen, die in diesen Geschichten auf der Suche sind nach ihrem Platz im Leben. Frauen, denen es wie Schuppen von den Augen fällt, die ganz plötzlich ganz klar sehen, Konsequenzen ziehen, ihren Lebensweg neu bestimmen und lenken.

    Greta und Lee müsste es eigentlich gut gehen, diesem jungen Paar, sie ist Lektorin, er recherchiert für den ‚New Yorker‘. Und doch: „Tatsache war, dass sie seit einiger Zeit etwas wie eine Dunkelheit spürte, die an der Peripherie ihres Bewusstseins nagte- eine sich zusammenballende Schwärze, die sie nicht benennen konnte, die sie aber wie ein Loch in sich empfand, wie eine Leere, in die etwas Fremdes hätte treten können. Es war wie ein Hunger.“

    Oder Delia, die mit ihren drei Kindern vor ihrem Mann ins Frauenhaus und dann zu einer Freundin flieht. „Sie war dabei, alles hinter sich zu lassen. Sie spürte den Schmerz und die Unsicherheit der Frauen wie einen Strudel, der sie in ihre alte verworrene Denkweise zurückzureißen drohte“. Egal, ob es Bryna ist, die unter ihrer Schwiegermutter zu leiden hat - „Verstand bei einer Frau war wie ein unterirdischer Fluß, sagte die alte Dame immer, er konnte jederzeit unter einem Felsen hervorkommen und einen ertränken“- oder Julianne, die sich aus dem Schatten ihres Mannes befreien muss –„Sie würde niemals ein großes Gedicht schreiben. Statt dessen hatte sie einen großen Mann geheiratet. Sie war eine Kneterin von Brotteig, eine Lachspocheuse.“- alle Frauen stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, und es geht um Liebe, Sexualität, um Familie und die Freiheit, die man in ihr genießen darf.

    Ja, durchaus, so ein wenig von ihrem eigenen Weg stecke in den Geschichten schon, sagt Rebecca Miller in einem Interview. 1962 wurde sie in Connecticut geboren, klare Sache, ihr Vater: der amerikanische Dramatiker Arthur Miller, in dritter Ehe mit der österreichischen Fotografin Inge Morath verheiratet, das ist ihre Mutter. Beide, so wird geschrieben, „gave her plenty of creative latitude but never pushed her in any o­ne direction.“ Es klingt so, als habe sie eine gezielte Förderung vermisst.

    So hat sie Vieles gemacht, die jetzt 40jährige, ehe sie ihr erstes Buch mit eben jenen Geschichten schrieb: sie studierte Malerei, arbeitete als Schauspielerin. „But Miller, who enjoys observing others more than being observed, felt uncomfortable as a performer.“ Dieses Unwohlsein treibt sie dazu, selbst Drehbücher zu schreiben, sie führt auch Regie, gewinnt Preise, es ist ihr ganz eigener Weg. „Personal Velocity“, so der Titel der Geschichten im Original, dann im Jahr 2001.

    Mut geben die Geschichten, aus dem Erkennen der Situation wächst Kraft. „Ich bin wieder da“ sagt Delia am Ende, „ich bin gottverdammt noch mal wieder da.“ Ein Stückchen Lebenshilfe geradezu. Mann kann, wenn man will. Frauen, die wie Du und Ich sind, das macht sie so sympathisch, ihre Gedanken kann man nachvollziehen, keine feministischen Extreme.

    Aber das Bild jener Frauen entsteht ja erst durch die auffallend schöne Sprache Rebecca Millers. Da ist der Mann, der sein gewohntes Leben verlässt: „Er streifte seine ...Familie ab wie trockenes Laub von einem Pullover“. Da ist das Paar, das sich in die Arme fällt und knutscht, „und dann hörten sie wieder auf wie ein abgewürgter Motor“. Oder da ist einfach diese wunderschöne, bildhafte Phantasie: „Er sagte mit ihr zu schlafen sei wie in einen Bottich voller Gardenien zu fallen und auf einer schönen dicken, schläfrigen Sau zu landen.“ Es ist diese warme Sprache, die schon die Bilder vor Augen hat, kein Wunder, einige Geschichten sind bereits verfilmt, Rebecca Miller führte Regie und wurde ausgezeichnet für ihre Arbeit.

    Ein kleines Buch, ein erstes Buch, ein feines Buch. Als ich die erste Zeile las, wusste ich, dass ich das Buch zu Ende lesen würde.

    Zitat:

    „Bryna starrte und starrte ohne zu blinzeln, bis der Sessel anfing, sich ganz sacht zu bewegen. Eine Stunde verging. Es war schließlich nur ein Sessel, dachte sie. Bryna versuchte aufzustehen, aber sie konnte sich nicht rühren. Sie versuchte es wieder. Nichts. Der Velours war an der Stelle, wo die alte Dame immer saß ganz abgewetzt. Bryna war so müde, dass sich ihre Augen ganz ausgedörrt anfühlten. Mit einem Ruck stemmte sie sich hoch, machte drei Schritte und ließ sich in den Sessel der alten Dame fallen. Er war so bequem. Perfekt.“

    Barbara Wegmann



    Rebecca Miller: Als sie seine Schuhe sah, wußte sie, dass sie ihren Mann verlassen würde. Erzählungen. Manhattan Verlag, 220 S., 17,90 ¤. ISBN: 3442545412

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter