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Ulrich Woelk: Einstein on the Lake

06.06.2005

 
Experiment Liebe

Liebe – das uralte Thema findet immer wieder neue Facetten und Gesichter. Ulrich Woelk gibt ihr in seinem Buch „Einstein o­n the Lake“ ein wunderbares, reifes Gesicht.

 

Da ist der Berliner Anwalt Anselm, der glaubt, dass Einstein seine wichtigen Unterlagen im Templiner See versenkte, da er sie weder ins Ausland mitnehmen konnte, noch wollte, dass sie den Nazis in die Hände fallen. Der von diesem Gedanken Besessene erklärt, was er entdeckt hat, so: „E = Energie, m = Masse, c = Lichtgeschwindigkeit, T und N = Thermonu-clear“. Das Resultat daraus: „TEMPLIN“.

Anselms Jugendfreund Bernie, ein kaum erfolgsverwöhnter Journalist und des Anwalts Gattin Gesine beziehen ein Hausboot auf dem Templiner See. Und während Anselm den See nach Einsteins Spuren abtaucht, beginnt sich zwischen Bernie und Gesine ein Netz aus Lust, Abwägung und Einsteins Lehren zu spinnen. Brillant verflechtet Woelk diese in die Denkweise der Handelnden, insbesondere des Erzählers Bernie: »Meine Hände lagen auf ihren Hüften, und sie ließ sich so leicht bewegen, als hätte sich ihre Masse in Energie zurückverwandelt … Dehnt sich die Zeit in solchen Momenten? Ich glaube eher, sie wird dünner und dünner, sie wird durchsichtig.«

Seine erschlaffende Männlichkeit ist eine Konsequenz der Einsteinschen Gleichungen, eine Rückkehr in die Nullposition zwischen den Beinen. Die Affäre zwischen Gesine und Bernie beginnt wie ein physikalisches Experiment. Gesine sagt: „Wie ist es mit uns? Mit unseren Seelen? Mit unserer Sehnsucht nach Liebe und Leidenschaft? Unsere Energie ist in Ehen gebunden… Und wie bei Atomen gewinnt man sie erst bei der Spaltung zurück.“ Woelks Erzählung ist lebenskundig nüchtern geschrieben, manchmal ironisch, mit feinen Blicken für Details. Gesine und Bernie genießen ihr Experiment, auch wenn sie manchmal zurückschrecken vor dem Gedanken, was wäre, wenn Anselm vorzeitig – im wahrsten Sinne des Wortes – „auftauchen“ würde.

Ulrich Woelk, 1960 geboren, ist selbst Naturwissenschaftler. Bereits seine früheren Romane waren überaus erfolgreich: "Freigang", 1990: "Liebespaare", 2001. Das Buch „Einstein o­n the Lake“ ist ein unterhaltsames Buch, das als „Sommererzählung“ tituliert ist. Trotz mancher kleiner Fehler, die Woelk unterlaufen sind, überwiegt die Freude an Thema und Fabulierkunst.

„Einstein o­n the Lake“ kann „das Buch“ für den Sommerurlaub sein. Doch halt: Nicht verschwiegen werden soll, dass bei all der scheinbaren Abgeklärtheit, die sich durch die nüchternen Aussagen drückt, die Erzählung mit einem Tod endet. Wessen? Lesen!

Gerd Berghofer

(Beitrag ersterschienen in den Nürnberger Nachrichten)



Ulrich Woelk: Einstein o­n the Lake.
dtv, München, 2005.
Kartoniert, 140 S., EUR 12,00.
ISBN: 3423244275.

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