TITEL kulturmagazin
Donnerstag, 30. März 2017 | 06:54

 

Paula Köhlmeier: Maramba.

11.04.2005

 
Geschichten ohne Fortsetzung

Auf tragische Weise starb die hochtalentierte Paula Köhlmeier mit 21 Jahren – nun liegt eine Textsammlung aus dem Nachlass vor.

 

An einem Augusttag 2003 machte Paula Köhlmeier, geboren 1982 in Bregenz, auf einem harmlosen Wanderweg in Vorarlberg einen Spaziergang, stürzte und verunglückte tödlich. Eines der großen Talente der neuen deutschen Literaturszene konnte nicht mehr weitersprechen, eine literarische Stimme war verstummt.
Im Wiener Zsolnay Verlag ist nun eine Sammlung von Kurzgeschichten erschienen, die Paula Köhlmeier ursprünglich zu einem Roman ausarbeiten wollte, wie die Eltern im Nachwort berichten. Das merkt man den kleinen Prosastücken an: es gibt zwar keine durchgängige Handlung, aber man findet verschiedene Figuren, z.B. die Heldin Rutha, an unterschiedlichen Stellen in der Sammlung wieder. Sie tauchen immer wieder auf, man entdeckt immer neue Facetten, sie stehen in immer neuen, oft makabren und grotesken Situationen.

Rutha ist eine autobiographische Figur. Einige der Episoden haben Mexiko als Schauplatz, Paula Köhlmeier hat selbst dort mehrere Monate verbracht und offensichtlich Ideen gesammelt. In den Szenen in einem Café in Zipolite, einem Ort am Meer, könnte man sich durchaus Paula Köhlmeier selbst vorstellen. Weitere autobiographische Elemente sind das Kino in Wien (die Autorin arbeitete als Filmvorführerin) und die Heimat Vorarlberg, die einige der 47 Kurzgeschichten prägen. Paula Köhlmeier studierte nach ihrem Mexiko-Aufenthalt an der Filmakademie in Wien und schrieb Scripts und Treatments. Das spürt man deutlich in ihrer Prosa, in der dichten Atmosphäre, die sie mit wenigen Worten und großer Sprachprägnanz erschafft, und in den plastischen Schilderungen ihrer Umwelt und der Personen.

Große Sprachprägnanz

"Maramba ist ein Gefühl. Ein Gefühl, das man nicht erklären kann." Dieses undefinierbare Gefühl gehört zum Lebensgefühl sowohl der Autorin selbst als auch ihrer Figuren. Sie erleben flüchtige Begegnungen mit der (oft unerfüllten) Verheißung auf Mehr, sie fühlen vage Hoffnung, sie sind mutig und schwach zugleich, entschlossen und zögernd, spüren den Zauber des Lebens und wagen es, magische Momente zu träumen. Immer ist da aber die Angst, verlassen zu werden oder allein zu sein. Dieser Trostlosigkeit und Traurigkeit begegnen die Menschen mit absurden Dialogen, oft auch mit scharfsinniger Komik. Es gibt aber auch zynische, aberwitzige Pointen, die das Leben auf den Kopf stellen.
"Es ist schwer zu verstehen, dass das Kind irgendwann abfällt wie ein Mantel, der zu klein geworden ist. Diesen Satz habe ich so oft gesagt. Zu Leuten, die ich kaum kannte. Zu Freunden. Zu meinem Spiegelbild im Badezimmer. Nachts unter der Zudecke. Ich habe mich mit dem Gedanken, kein Kind mehr zu sein, versöhnt. In dem traurigen Kinosaal habe ich es begriffen. Als Kind war die Welt um mich herum wie ein bunter Film, und ich war eine Schwarzweißfigur in der Welt. Wann immer ich versuchte, bunt zu werden, wurde die Welt um mich herum schwarzweiß. So war ich nie, wie die Welt war."
Passagen wie diese, voller Schmerz und sensibler Einsicht, aber auch mit gewissem Optimismus gegenüber den Veränderungen der Zukunft, stammen unverkennbar von einer sehr jungen Schriftstellerin, aber eben dies macht den Zauber dieser Kurzgeschichten aus, die ungekünstelt und ehrlich den Leser in ihren Bann ziehen. Ein anrührendes Debüt, das große Hoffnungen weckt, die leider unerfüllt bleiben müssen. Schade, dass wir uns nicht mehr auf einen (Kurz-) Film von Paula Köhlmeier freuen können...

Saskia Breitling


Paula Köhlmeier: Maramba.
Mit einem Nachwort von Monika Helfer und Michael Köhlmeier.
Zsolnay.
Gebunden. 253 S. ¤ 18,40.
ISBN: 3-552-05333-6

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Zwischen Karikatur und Avantgarde

Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter