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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. Juli 2017 | 14:46

     

    Julie Orringer: Unter Wasser atmen

    11.04.2005

    Banalitäten und unlösbare Probleme

    Ob es nun Geschichten über Ängste, Krankheiten oder den Tod sind, an der Fähigkeit, kleine und große Grausamkeiten beiläufig ins ansonsten weitgehend normale Leben ihrer US-amerikanischen Figuren einzuflechten, mangelt es Julie Orringer nicht.

     

    Ihre jugendlichen Heldinnen haben nicht selten Bekannte, die ertrunken sind, oder Freundinnen, die zum rassistisch motivierten Sadismus neigen. Meistens aber haben sie Mütter, die sehr krank sind oder es bis vor kurzem waren.

    Manchmal handelt es sich bei Orringers Protagonistinnen um junge Frauen, die noch nicht so recht wissen, wie es mit ihnen weitergehen soll. Öfter aber geht es um Mädchen und ihre Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden, sprich: mit der Schule, den Eltern, dem großen Bruder; mit Freundschaft, Liebe, Sex, Trennung, Alleinsein, Zusammensein. Die Probleme können aber auch daher kommen, dass sie als Jüdinnen mal zur Anpassung an ihre christliche Umgebung, mal zur Auseinandersetzung mit jüdisch-orthodoxen Traditionen gezwungen werden. In der Story „Stationen des Kreuzwegs“ ist sogar der Glaube selbst ein Hindernis: „Ich hatte gelernt, an einen Gott zu glauben, der überall und nirgends war, eine stille, leise Stimme. Dieser Gott schien gleichzeitig zu groß und zu ungreifbar, um meine Probleme zu verstehen.“ Wie auch? Gelegentlich verstehen die Heranwachsenden ihre Nöte ja selbst nicht.

    Zwei, drei gute Geschichten machen noch keinen guten Story-Band

    „Hundertmal in der Schule gehört und an Transparenten an den Wänden gelesen“ hat Helena, die Protagonistin von „Was bleibt“, das Motto „Bleib dir treu! Feiere dich selbst!“ „Doch was war, wenn jemand starb, wenn er sich selbst Stück für Stück verlor? Sollte er sich auch dann treu bleiben?“, fragt sie sich in Disneyland. Kurz zuvor wurde sie zum ersten Mal von einem Jungen begrapscht, angesichts des offensichtlichen Zerfalls ihrer krebskranken Mutter aber will sie nicht darüber sprechen.
    Jenes Motto ist außerdem zentral für die besseren von Orringers Geschichten, denn das genaue Gegenteil davon müssen all die Ellas, Helenas und namenlosen Ich-Erzählerinnen erreichen, um endlich ihre Trauer, ihr Mitleid oder ihren Schmerz zu überwinden: „Verändere dich! Stell dich selbst in Frage!“ Das ist nicht leicht, und die damit verbundenen Schwierigkeiten weiß die Autorin recht anschaulich zu schildern.
    Nur machen zwei, drei interessante Geschichten noch lange keinen guten Story-Band. Und leider erscheint die Zeit der Jugend, diese manchmal verwirrende, oft schwierige, meistens aber auch irgendwie aufregende, bei Orringer als eine einzige Abfolge von Banalitäten, Tristesse und reichlich Langeweile, die nur von beinahe unlösbaren Problemen unterbrochen wird.

    „Denk an das Wort nonchalant“, heißt es in der Geschichte „Ratschläge an ein Sechstklässler-Ich“. Nonchalant aber ist Orringer eben nicht. Selbst ihre Partys und Drogen machen keinen Spaß. Wären alle Heranwachsenden so wie die Figuren in „Unter Wasser atmen“, dann könnte man sich glücklich schätzen, nicht mehr jung, bedrückt und kreuzbrav zu sein.

    Maik Söhler

    (Beitrag ersterschienen in der taz)



    Julie Orringer: Unter Wasser atmen. Storys. Aus dem Amerikanischen von Bettina Abarbanell. Kiwi, Köln 2005. 288 Seiten, 8,90 Euro. ISBN 3462034847

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