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    TITEL kulturmagazin
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    Stewart ONan: Die Armee der Superhelden

    16.02.2004

     
    Durchschnittstypen und maulfaule Verlierer

    Obwohl "Die Armee der Superhelden" nur der Name eines Comic-Sammelbandes ist, stellen die Erzählungen etwas dar, was lediglich als Paradoxon zu erklären ist - einfache Geschichten aus der Unter- bis Mittelschicht des amerikanischen Traums, der für viele nur Alptraum ist.


     

    Etwas ist passiert im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo auch die Literatur vergangener Jahre und Jahrzehnte grenzenlose Perspektiven vor sich ausbreitete. Neben den Monumentalwerken etablierter, eremitenhaft lebender Schriftsteller verkehren Autoren einer jüngeren Generation in den Schluchten und Dschungeln der Urbanität wie Paul Auster oder erkunden das lapidare Leben provinzieller Durchschnittsbürger wie Stewart O'Nan. Einfache Strukturen in einfachen Stories sind seine Spezialität. Da, wo sich Durchschnittstypen und maulfaule Verlierer durch eine perspektivlose Wirklichkeit wühlen, spitzt O'Nan seine Ohren und seinen alles notierenden Bleistift.

    Dabei wird unterm Strich nicht ganz klar, was mehr bewundert werden soll: Die ewig wiederholbare Ereignislosigkeit oder der überwiegend aussichtslose Kampf gegen Beziehungs- und Gesellschaftswindmühlen.

    Obwohl der Titel des Buches "Die Armee der Superhelden" lautet, sind weit und breit keine Helden in Sicht. Es gibt noch nicht einmal Helden des Alltags, denn dafür sind die Tage zu ereignislos und wiederholen sich mit einer fortschreitenden öden Penetranz. So ergeht es dem von seiner Frau getrennt lebenden Mülldeponiearbeiter Carter, der auf den Müllbergen gefundene Möbelstücke restauriert und mit ansehen muss, wie seine Tochter mit dem neuen Freund seiner Frau zum Einkaufen geht. "Sie lebten seit knapp einem Jahr getrennt, und auch wenn sie bei ihren Treffen noch wütend aufeinander waren, so hatte ihm die Distanz doch etwas von seiner verlorengegangenen Zuneigung zurückgegeben." Kleine Gesten seiner Liebe verdecken die ihn quälende Eifersucht. Doch irgendwie sind seine Bemühungen alle zum Scheitern verurteilt. Er erkennt nicht, dass das Verhältnis am Ende ist und eine Rückkehr nicht möglich ist.

    In "Der 3. Juli" klammern sich zwei sehr unterschiedliche Menschen aneinander, die sich gegenseitig brauchen, die aber für sich selbst total überfordert und sich keine Hilfe sind. Lawson, ein zerstreuter Farbiger, wurde von der verwitweten Mrs. May, die einen heruntergekommenen Golfplatz betreibt, in erster Linie aus Mitleid eingestellt. Er besitzt Tauben, die er gegen jagende Falken verteidigt. Zur falschen Zeit erledigt er die falschen Arbeiten, er ist manchmal mehr ein Hemmnis als jemand, der notwendige Tätigkeiten verrichtet.

    Auch diese Story ist eine Paargeschichte, was nicht zwangsläufig mit Liebes- oder Ehepaar gleichzusetzen ist. O'Nan schildert mit einfacher, klarer Sprache, wie Beziehungen zu Ende gehen, wie Gefühle planlos herumirren, wie aus den Fugen geratene Begierden den Blick auf erledigte Lebensabschnitte verstellen. Menschen trennen sich von Menschen, sie trennen sich von ihren Häusern, die wegen fehlender finanzieller Mittel versteigert werden.

    Superhelden leben höchstens im Film und sind nur Figuren der Phantasie. Bei O'Nan ist das nicht anders. Der Titel seines Buches ist pure Ironie: superheldenhaft ist bei ihm niemand, eine Armee dieser Spezies nirgendwo sichtbar. Obwohl "Die Armee der Superhelden" nur der Name eines Comic-Sammelbandes ist, stellen die Erzählungen etwas dar, was lediglich als Paradoxon zu erklären ist - einfache Geschichten aus der Unter- bis Mittelschicht des amerikanischen Traums, der für viele nur Alptraum ist.


    Von Klaus Hübner


    Stewart O'Nan: Die Armee der Superhelden. Taschenbuch - 207 Seiten - Rowohlt TB-V., Rnb. Erscheinungsdatum: 2001 ISBN: 3499230232

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