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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 15:58

     

    Dieter Lohr: Blicke vom Brückenscheitel

    04.11.2004

     
    Blicke unter den Autorenscheitel

    Dieter Lohr präsentiert in einem heimat(kund)lichen Band, der Literatur sein will, vier Persönlichkeiten, die mit seiner Heimatstadt Regensburg zu tun haben: Johannes Kepler, Marc Aurel, St. Emmeram und das „Brückenmännchen“

     

    Schade, dass so kleine Verlage wie „Der andere Verlag“ aus Osnabrück keine Zeit haben, die Texte, die sie herausbringen auch gründlich zu lektorieren. Schader aber, dass es nicht einmal Texter gibt, die sich um die Klappentexte kümmern und alles beim Autor hängen bleibt. Am schadesten aber ist es, dass für die Gestaltung der armseligen Bändchen niemals hochkarätige Graphiker zur Verfügung stehen – und das in einer augenlastigen Welt wie der unsrigen!
    Natürlich wird schlechte Literatur manches Mal so kräftig geschminkt und kurz berockt, bis sie endlich in den Händen eines Kunden kleben bleibt. Doch man muss sich in unserem Falle schon fragen: Ist nicht auch dem Autor selbst zum Heulen, wenn er seine Ergießungen so dünn eingepappt sieht?

    Von Kunst und Unkunst des Stils

    Hat der Band „Blicke vom Brückenscheitel“ nun aber doch unser Interesse gefunden - sei´s weil wir den Autor kennen und schätzen, sei´s weil wir möglichst alles über Regensburg in Erfahrung bringen wollen - dann werden wir
    uns unweigerlich auf den Klappentext stürzen. Dort lesen wir: Dieter Lohr schleust in seinen Erzählungen die Leser durch unterschiedlichste Atmosphären, von einer plastisch dichten und dabei doppel- und dreifachbödigen Stimmung über nebulös fließende, auf philosophischen Gedanken dahinziehende Dunstkreise, bis hin zu den trocken prosaischen Umrissen einer Zeit, in der die Höflichkeit erst noch erfunden werden musste... Natürlich muss man das zweimal lesen, um die Sinntiefe dieser Zeilen zu ergründen. Doch auch dann wird man kaum schlauer aus diesem Kauderwelsch, dass sich intellektuell und wortwandlerisch gibt, aber keiner Prüfung standhält - denn: Was bedeutet das alles?
    So ergeht es uns leider auch mit den Geschichten, die die historischen Gestalten umweben. Dieter Lohr versucht den Ton der Zeit wiederzugeben, den Sprachklang vergangener Epochen. Dabei überzieht er sein Vorhaben völlig und rutscht alsbald ins Lachhafte ab. Beispiel: Saumselig und nur mäßig verhohlen in sich hineinknurrend ob der späten Stunde, zu der man ansonsten bei solchem Wetter keinen räudigen Hund mehr auf die Straße hinausschicke, nahten sich missmutig die beiden Hausknechte, dem Herrn, welcher da vorm Wirtshaus Halt machte, vom Gaul zu helfen.

    Von längst gedachtem Denken

    Lässt man diesen Worttand nun beiseite und übersieht man großherzig einige Schiefheiten, dann stellt sich die Frage nach dem Bau der Geschichten, ihrem inneren Halt und ihrer Schlüssigkeit. Leider werden wir auch hier enttäuscht, denn der Autor hat nichts Besseres zu tun, als uns ständig mit philosophischen Banalitäten zu drangsalieren, anstatt straff an der Dramaturgie und den Figuren zu arbeiten. Beispiel: [...] denn nicht zweimal blickt man in den gleichen Fluss, der sich ständig wandelt, so wie alles im Leben ein fortwährendes Fließen ist, fortwärts vom Hier zum Dort und unabänderlich, so dass wiederholte Kontemplation auch über und an dem selben Gegenstande keineswegs vergebene Müh ist.
    Immer wieder verliert sich Lohr in den Eitelkeiten des Denkens und bremst damit seine erzählerischen Ideen aus, immer wieder versucht er dünkelhaft die sprachliche Anverwandlung, Mimesis ferner Zeiten. In der Geschichte „Der germanische Hund“ gelingt es ihm ansatzweise, auch so etwas wie Stimmung will aufkommen, doch auch dann wird dem Leser wieder einmal dieser elende Denkbrei über das Leben serviert. Sogar ein massenmordendes Monster beteiligt sich schließlich an den welt- wie weitläufigen Disputationen.
    Wem kann man „Blicke vom Brückenscheitel“ nun empfehlen? Außer den Regensburgern, die geschlossen einen Bestseller daraus machen könnten, fallen mir nur noch die Seminarleiter von Schreibworkshops ein - das Buch ist wahrhaft eine jauchige Fundgrube!

    Christoph Pollmann


    Dieter Lohr: Blicke vom Brückenscheitel
    Erzählungen, 130 Seiten
    ISBN 3-89959-219-0
    Preis: 9,90 ¤
    Erschienen bei: edition das andere buch

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