• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 01. Mai 2017 | 06:24

     

    Alex Capus: 13 wahre Geschichten

    10.09.2004


    Lauter Novellen

    Der Schweizer Alex Capus präsentiert 13 wahre Begebenheiten, die Appetit auf Erzähltes machen: lauter Novellen in nuce, aus denen andere Schweizer, vornehmlich solche des 19. Jahrhunderts, die schönsten Erzählungen hätten machen können.

     

    Chronistengestus

    Als studierter Historiker, der Alex Capus ist, liegt es nicht fern, wie ein Chronist zu schreiben. Genüsslich holt er zu Beginn und Ende seiner wahren Geschichten zum entsprechenden Gestus des Chronisten aus, so wie die Novellenschreiber des 19. Jahrhunderts sich immer gern auf Wahres berufen, auf das sie, so der Kunstgriff, in alten Chroniken gestoßen seien. Das hat seinen ganz besonderen erzählerischen Reiz und macht Appetit auf Erzähltes, wonach es uns allen doch seit jeher gelüstet – das einmal ein zweifelsfrei Ewigmenschliches.

    Wem gehen nicht Herz und Ohren auf, wenn eine Erzählung mit Sätzen beginnt wie: „Das ist die Geschichte des Genfer Gärtnergehilfen…, der sich den Kronprinz von Persien zum besten Freund nahm…“ Oder: „Als der Urner Bergbauer Rudi Turmann im Frühling 1503 heimwehgeplagt aus französischem Kriegsdienst nach Hause kam, schlug ihm der Scharfrichter mit dem Schwert den Kopf ab.“

    Nur sind die 13 Geschichten tatsächlich wahr, und Capus belegt fein säuberlich seine Quellen im Anhang. Das tut ihrem Reiz aber gar keinen Abbruch, denn trotz des gewollt schnörkellosen und eben berichterstatterischen Tonfalls sind die Geschichten durchaus stilistisch durchformt und alle wie aus einem Guss, auch wenn sie von den verschiedensten Epochen erzählen.

    Der Kronprinz und der Gärtnerjunge

    Der kleine Erzählband wird gleich mit der anrührendsten und am wenigsten glaubhaften Geschichte, also der schönsten, eröffnet. Sie erzählt, stark gerafft die Geschichte der Freundschaft zwischen dem jungen persischen Kronprinzen, der in seiner Schweizer Internatseinsamkeit einem femininen Gärtnergehilfen ritterlich beisteht und ihn zu seinem intimen und fast lebenslangen Freund wählt.

    Ganz kleistisch geht es dann mit dem „Spuk in Stans“ weiter: Als Poltergeist treibt die ungeheuer dickköpfige und zu Lebzeiten gotteskriegerische Großbäuerin Veronika Gut ihre aufgeklärt säkularen Nachkommen in den Wahnsinn und die Fremde. Antithetisch spielt Capus auf Kleists Bettelweib von Locarno an, wenn er am Ende seiner Geschichte schreibt: „Das Haus … steht noch heute kaum verändert, wenn auch die Umgebung nicht wiederzuerkennen ist. Wo einst Veronika Guts Apfelhain lag, führt heute die Gotthart-Autobahn durch.“ Kleist beginnt seine Novelle so: „Am Fuße der Alpen, bei Locarno im oberen Italien, befand sich ein altes … Schloß, das man jetzt, wenn man vom St. Gotthard kommt, in Schutt und Trümmern liegen sieht“:

    Es hat das Wort: das 19. Jahrhundert

    Die Geschichten handeln im 14., im 16,. 17., 18. und 20. Jahrhundert, vor allem aber im 19. Und dieses hat auch das Wort in der erzählerischen Haltung von Capus. Er setzt sich bewusst in dessen erzählerische Tradition, nicht nur in die von Kleist, sondern auch in die der bekannten Schweizer Gewährsleute wie Jeremias Gotthelf (von ihm das leicht Moralisierende), Conrad Ferdinand Meyer (von ihm die Vorliebe für die historischen Sujets) und Gottfried Keller (von ihm die feine Ironie gegenüber dem, was schweizerisch ist).

    Das ist nicht die schlechteste Tradition, in die man sich stellen kann; freilich gerät man dabei auch nicht in Gefahr, für avantgardistisch gehalten zu werden. Capus ist ein traditioneller, ein konservativer Erzähler, ohne die geringste Lust auf Experimentalität, mit Freude am gepflegten Archaisieren, dessen Fundus auch der gelegentlich sich erhebende Zeigefinger zuzurechnen ist. Das könnte man ihm, bei bösem Willen, zum Vorwurf machen, aber die Vergnüglichkeit des Buchs gibt zu dem keinen Anlass.

    Trotz des gewollten Chronistengestus sind die „wahren Geschichten“ völlig unaufdringlich und ohne jede Affektiertheit erzählt, ein wenig steif zwar, aber kein bisschen mehr, als es gerade angenehm ist. Und trotz aller Annehmlichkeiten sind sie nie trivial. Wären die Geschichten aber einem jener vier Dichter aus dem 19. Jahrhundert in die Hände gefallen, das hätte beileibe lauter prächtige Novellen gegeben!

    Bernd Draser


    Alex Capus: 13 wahre Geschichten.
    Franz Deuticke Verlag: Wien/Frankfurt.
    Gebunden. 198 Seiten, ¤ 17,90.

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter