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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 28. Mai 2017 | 10:39

     

    Bliss Broyard: Mein Vater, tanzend

    12.02.2004




    Von Vätern und Töchtern

    Die junge Amerikanerin Bliss Broyard betritt mit ihren bereits erstaunlich abgeklärten Erzählungen das literarische Parkett.



     

    Mit kurzen, ambitionierten Erzählungen haben es die Verleger hier zu Lande nicht so. Verkauft sich nicht, sagen sie. Und liegen aus ihrer Unternehmersicht natürlich so verkehrt nicht. Der Leser liebt die Schwarte, die sich am Nachtisch gut macht und angenehme Träume beschert. Die in den Urlaubskoffer kommt und einem die Langeweile am Hotelpool in Agadir versüßt. Schon klar.

    Allerdings müssen sich die Verleger natürlich vorhalten lassen, dass der Leser nichts anderes konsumieren kann, wenn er nichts anderes vorgesetzt bekommt. Dass es auch anders, also mit ambitionierten Erzählungen geht, haben in jüngster Zeit die veritablen Erfolge der neu übersetzten Bücher vom Meister des Genres, Raymond Carver, und seines deutschen Schülers Ingo Schulze hinlänglich bewiesen.

    Doch die Simple Storys, wie sie letzterer geschrieben hat, sind bei uns (noch) die Ausnahme. Weshalb weitere Abstecher über den Atlantik, in die amerikanische Heimat der Short Story, unerlässlich sind. Von dort kommen mit schöner Regelmäßigkeit neue aufregende Entdeckungen. Die schönste der Frühjahrssaison trägt den Namen Bliss Broyard. Die junge New Yorkerin, Tochter des berühmten US-Literaturkritikers Anatole Broyard, hat mit dem Erzählungsband "Mein Vater, tanzend" 1999 erstmals das literarische Parkett betreten. Dass ihr ein Debüt gelungen ist, das gleich erstaunlich souverän wirkt und auf der psychologischen Klaviatur mitunter virtuos spielt, kann man nun auch in der gelenkigen deutschen Übersetzung von Monika Schmalz nachvollziehen.

    Junge Frauen stehen im Mittelpunkt von Broyards acht knappen Texten. In unspektakulärer, vermeintlich handlungsarmer, aber in ihren Zwischenräumen tief blicken lassender Prosa beschreibt die Autoren ihre Protagonistinnen an der Schwelle zum Erwachsen- und Reifwerden. Sie versuchen ihren Stand im Leben zu finden, haben sich gerade abgenabelt und sind bei ihren ersten selbständigen Schritten noch nicht die Sichersten. Nach Bindungen sehnen sie sich, doch sind sich nicht im klaren, ob die eingegangen auch die für sie richtigen sind.

    Pilar geht es so in der Erzählung "Loses Gerede". Sie ist mit Max zusammen, einem aufstrebenden Bankangestellten. Aufleben allerdings tut sie immer erst, wenn sie in der Nacht von Andrew, einem Musiker, angerufen wird. Den hat sie einst bei einem Konzert flüchtig kennengelernt. Heißt es. Doch nach und nach kommen dem Leser Zweifel, ob diese Information auch wirklich der Wahrheit entspricht. Vielleicht ist Andrew nur ein Traumgebilde von Pilar? Die spontane, kreative, funkelnde Seite, die ihr der Alltag mit Max nicht offenbaren will.

    Broyard ist eine an Carver geschulte, frühvollendete Meisterin in solchen Anspielungen. Das Offenlassen einer Entwicklung, der Erzählung ihr Geheimnis zu bewahren, darin beweist sie Klasse. Von diesem Prinzip leben auch die Vater-Tochter-Verhältnisse, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. In der Titelgeschichte ist die schmerzlich-süße Abschiedszeremonie, die zwischen Töchtern und Vätern in verschiedenen Variationen durchgespielt wird, extrem zugespitzt: Der Vater liegt im Krankenhaus im Sterben, während sich die Tochter an die gemeinsamen Tanzerlebnisse - Initiationsriten für das kommende Leben sind das gewesen - erinnert. In der Schmucklosigkeit der Darstellung ist das ziemlich ergreifend. Und von einer literarischen Kraft, die einen befangen macht.

    Peter Zemla


    Erzählungen. Ins Deutsche übertragen von Monika Schmalz Berlin Verlag, Gebunden, 265 Seiten, DM 38.-/ öS 36.80/ sFr 277.-
    ISBN: 3-8270-0077-7

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