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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 28. Mai 2017 | 18:27

     

    Klaus Bittermann (Hg.): Auf Lesereise

    27.05.2004

     
    Erschütternde Bekenntnisse

    Nach der ebenso unterhaltsamen wie erschütternden Lektüre wird wahrscheinlich so mancher Nachwuchsschriftsteller eine Umschulung beim Arbeitsamt beantragen.

     

    Der durchschnittliche Autor erhebt sich am späten Vormittag, nimmt ein Sektfrühstück zu sich, bevor er sich in den Verlag begibt, um seinem Lektor den Kopf zu waschen, weil er die Korrekturfahnen nicht auf Büttenpapier ausgedruckt hat, trifft sich dann mit seinem Agenten zum Mittagessen, um den Verkauf der Taschenbuchrechte nach Japan zu besprechen, tippt nach einem Mittagsschläfchen drei Seiten seines neuen Meisterwerks, gibt ein Radiointerview und entschwebt gegen Abend zu einer Lesung im gediegenen Ambiente einer Jugendstilvilla, die heute ein renommiertes Kulturinstitut beherbergt.

    Traum und Wirklichkeit

    Von so einem Leben träumen Schriftsteller. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Klaus Bittermann, Chef der Edition Tiamat, hat Selbstzeugnisse von Autoren gesammelt, die die nackte, grausame Wahrheit enthüllen. “Wahre Geschichten” steht denn auch als Unter-Untertitel auf dem Cover, denn es ist tatsächlich kaum zu glauben, was dem Schreibenden zugemutet wird.
    Die Texte befassen sich alle mit der Situation, bei der der Autor mit seinen Lesern in Kontakt kommt: der Lesereise. Die Verfasser dieser schonungslosen Dokumentationen aus der Wirklichkeit haben sich zum Großteil als Satiriker Ruhm erworben, unter anderem berichten Wiglaf Droste, Gerhard Henschel, Jakob Hein, Wladimir Kaminer, Joseph von Westphalen, Sybille Berg von den Niederungen des Schriftstellerdaseins.

    Auf Lesereise

    Die Lesereise an sich führt meist in die deutsche Provinz, durch unerträgliche Unorte wie Remscheid, Guben, Ranis, Herzogenaurach. Aber in Wien, Berlin und Stuttgart ergeht es dem Schreiber auch nicht besser: Überall nimmt man ihn nur unwillig auf, als erweise man ihm eine Gnade, indem man ihn lesen lässt. Und zwar in drittklassigen Alternativkneipen, Altenheimen, auf Kleinkunstbühnen und in Volkshochschulen. Nachdem der Autor sich einen Stuhl und mit viel Glück sogar einen Tisch und eine Leselampe erbettelt hat, trägt er sein Werk dem Publikum vor, sofern der Veranstalter nicht vergessen hat, die Lesung anzukündigen. Dieses Publikum besteht entweder aus desinteressierten Althippies, die nur zufällig in ihrer Stammkneipe herumhängen, Demenzkranken oder – wie Jakob Hein geschehen – Blinden, die dem Autor Mikrophone über den Schädel schlagen. Nach der Lesung wird der Autor in einer Rumpelkammer über dem Veranstaltungsort, einem verlassenen Haus oder, wieder mit viel Glück, in einer abgeranzten Pension untergebracht (sofern der Veranstalter nicht vergessen hat, ein Zimmer zu reservieren). Dafür muss er sich dann noch um das ohnehin magere Honorar streiten, da dem Veranstalter gerade das Geld ausgegangen ist.

    So sieht es aus, das Leben eines Schriftstellers. “Was unterwegs alles schiefgehen kann”, lautet der Untertitel dieser Anekdotensammlung. Nach der ebenso unterhaltsamen wie erschütternden Lektüre wird wahrscheinlich so mancher Nachwuchsschriftsteller eine Umschulung beim Arbeitsamt beantragen.

    Mascha Kurtz


    Klaus Bittermann (Hg.): Auf Lesereise. Was unterwegs alles schiefgehen kann. Wahre Geschichten. Edition Tiamat 2004. 208 Seiten. 14 Euro.

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