• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 12:19

    Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant

    26.09.2011

    Hauptsache rosa

    Erst im Januar hatte der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter mit seinem Roman Allmen und die Libellen den Startschuss zu einer »Romanserie« um den unkonventionellen Ermittler Johann Friedrich von Allmen abgegeben, der mit seinem Adlatus Carlos das Unternehmen »Allmen International Inquiries« gegründet hatte. Nun hat der 63-jährige Martin Suter, der einstige Leiter einer erfolgreichen Werbeagentur und polemische Zeitungskolumnist, bereits den zweiten Fall des ungleichen Ermittlerduos vorgelegt. Von PETER MOHR

     

    Zwischen Suters im letzten Jahr verfilmten Erstling Small World (1997) und seinem letzten »normalen« Roman Der Koch (2009) hatte sich eine unglaubliche Erfolgsgeschichte entwickelt. Was immer Suter veröffentlichte, es wurde ein Erfolg: nicht zuletzt dank seiner zupackenden, aber dennoch recht einfachen Sprache.

     

    Der abwechselnd in Guatemala, Ibiza und Zürich lebende Autor, der erst mit Ende vierzig literarisch debütierte, hatte schnell ein feines Gespür dafür entwickelt, wie sich Thriller-Spannung und eine Prise Exotik zu einer griffigen Story vermengen lassen.

     

    Für das unkonventionelle Moment in der Handlung steht der Protagonist Allmen – der achtsprachige, verarmte Millionärssohn, der immer noch Probleme im Umgang mit dem Geld hat und bei dem Einnahmen und Ausgaben in einem ungesunden Verhältnis zueinander stehen. »Mit Geld fällt einem das Reichsein leichter«, so sein zweifelhaftes Credo.

     

    Hinter dem  exzentrischen Hochstapler, der sich mit einem sündhaft teuren Bentley durch die Gegend chauffieren lässt und bisweilen Trinkgelder jenseits von 100 Euro spendiert, steckt allerdings auch ein hochgebildeter Zeitgenosse. Der Klavier- und Tschechow-Liebhaber löst beim Leser daher ambivalente Gefühle aus: Mal kommt er durchaus sympathisch, dann aber auch wieder protzig und aufschneiderisch daher.

     

    Die Handlung des zweiten Allmen-Auftritts kommt zunächst nur schleppend in Gang. Vom Engländer Montgomery erhält Allmen den Auftrag, Jagd auf einen 45 Millionen Franken teuren rosa Diamanten zu machen, der in der Schweiz abhandengekommen ist, nachdem er von einem anonymen Bieter ersteigert worden war. Jener Montgomery zahlt einen kapitalen Vorschuss, dafür gönnt sich Allmen bei seinem Luxusschneider dann »einen Dreiteiler aus wunderbarem Donegal«. Passende Arbeitskleidung gehört zu Allmens Berufs-Ethos, zumal ihn seine Ermittlungen rasch von Zürich in ein Luxushotel eines Ostseebades führt.

     

    Zielobjekt seiner Nachforschungen ist der Russe Artjom Sokolow, der urplötzlich aus Zürich verschwunden war und der auch von Personen aus England und den USA gejagt wird. Allmen freundet sich mit dem Gesuchten zunächst an. Champagner, Rotwein und selbstverständlich auch Wodka werden in ungesunden Mengen rund um die Uhr konsumiert. Danach kommt  etwas mehr Speed in die Handlung: Allmens Partner Carlos wird kräftig verprügelt, und im Hotelpool treibt sogar eine Leiche.

    Martin Suter, dieser geschickte Erzählstratege, lenkt die Handlung zum Schluss noch einmal auf ein anderes Gleis und verleiht der Story damit auch noch ziemlich aktuelle Bezüge.   

     

    Der vermeintliche Diamant entpuppt sich nämlich als rosafarbener Datenstick, auf dem »heiße Infos« über internationale Deals mit windigen Fonds enthalten sind. Irgendwo zwischen launiger Gaunerkomödie und spannendem Thriller hat sich Martin Suter einen Platz für seine Allmen-Romane eingerichtet. Wirklich angenehme Unterhaltung!

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter