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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 16:48

    Roger Smith: Staubige Hölle

    05.09.2011

    »... ein Land shakespearischer Fehden«

    Roger Smith ist der härteste Thrillerautor Südafrikas. Mit seinen ersten beiden Romanen – Kap der Finsternis (2009) und Blutiges Erwachen (2010) – hat er sich auch hierzulande eine große Fangemeinde erschrieben. Internationale Auszeichnungen für seine die blutige Realität des Landes am Kap nach dem Apartheidregime spiegelnden Bücher blieben nicht aus. Nun also Staubige Hölle – nicht ganz so brutal wie seine beiden Vorgänger, aber ebenso raffiniert komponiert. 82 Schnappschüsse aus der Hölle.

    Von DIETMAR JACOBSEN

     

    Smith‘ Bücher beginnen immer mit einem Gewaltakt, der ganz normale Menschen aus der Bahn wirft, Schicksale miteinander verknüpft, eine Kette von Ereignissen auslöst, denen – mit Friedrich Dürrenmatt – nachzusagen, dass sie immer ihre schlimmstmögliche Wendung nehmen würden, noch geprahlt wäre. Nein, wer in Dinge hineingerät wie jener Robert Dell, dem ein mordlüsterner Krimineller mit Polizeimarke seine Frau und beide Kinder tötet, nur um die unbequeme Zeugin eines Verbrechens loszuwerden, der verliert den Boden unter den Füßen.

     

    Nach der Apartheid ist mitten im Chaos

    Und nicht nur den. Denn der einstige Antiapartheid-Aktivist muss plötzlich erleben, dass die neuen Machthaber am Kap nicht weniger korrupt und machtbesessen sind als die alten. Wofür Dell einst mit Leidenschaft eintrat, scheint sich als Chimäre zu erweisen. Gewalt bestimmt weiterhin die zwischenmenschlichen Beziehungen. AIDS und Drogen dominieren den Alltag. Stammesfehden zerreißen eine Gesellschaft, die keine Ruhe findet.

     

    Zutiefst ironisch mutet es da an, wenn Smith‘ Held auf der Suche nach den Mördern seiner Familie nur bei einem überzeugten Rassisten und Ex-Söldner Unterstützung findet: seinem ihm verhassten Vater. Der hatte einst Nelson Mandela im Gefängnis abgeliefert und war später selbst für Jahre dort gelandet. Nun ist er wieder draußen und verfügt über die Kaltblütigkeit und die Verbindungen, die es braucht, um den Kampf mit einem Gegner aufzunehmen, der höchste Protektion genießt und vor keiner Gräueltat zurückschreckt.

     

    Snapshots aus der Hölle

    Robert Dells Kampf um Gerechtigkeit, der, je länger er dauert, umso deutlicher die Züge einer Vendetta annimmt, der er selbst am Schluss zum Opfer fällt, wird erzählerisch flankiert von zwei Geschichten, die den Blick auf die südafrikanische Gesellschaft heute ausweiten. Im Mittelpunkt der ersten steht eine Gestalt, die der Leser schon aus Kap der Finsternis kennt: Disaster Zondi. Wie in Smith‘ Romandebüt schlägt sich der Antikorruptionsbeamte auch diesmal mit jenen Kräften herum, die die unübersichtliche Lage im Land zur persönlichen Bereicherung nutzen. Mit dem Mörder Rosie Dells, einem Zulu-Häuptling, der einem machtgeilen und skrupellosen Minister als willfähriges Werkzeug zu Diensten ist, hat er aber auch noch eine persönliche Rechnung offen.

     

    Und schließlich ist da noch Sunday, ein Zulu-Mädchen, um dessen Hand jener Inja Mazibuko anhält, den Dell und Zondi jagen. Offenbar Zondis Tochter und von anrührender Kindlichkeit, wird sie von ihrer Tante wie ein Stück Vieh an einen Mann verschachert, der glaubt, sich durch den Verkehr mit einer Jungfrau von seiner AIDS-Erkrankung befreien zu können. Auch sie hat keine Chance in einer Welt von Armut, Aberglauben und archaischen Ritualen.

     

    Armut, Aberglauben und archaische Rituale

    Staubige Hölle ist ein Buch, das seinen Lesern einiges zumutet. Literarisch brillant sind die Verknüpfung der einzelnen Erzählstränge und das Tempo, welches der Roman von Beginn an aufnimmt und bis zur allerletzten Seite durchhält. Da lebt dann nur noch eine seiner zentralen Figuren. Was einen tatsächlich ein bisschen an die Dramen Shakespeares erinnert. Und eine Sicht des Autors auf die Probleme seines Weltkreises offenbart, die nicht viel Platz für Hoffnung lässt.

     

    Leider wird die Lektüre des Romans durch eine ganze Anzahl ärgerlicher Fehler getrübt. Das Lektorat war wohl zur Eile angehalten und hat es deshalb bei Orthographie und Grammatik arg schleifen lassen. Beim nächsten Roger Smith wünschen wir uns deshalb, dass die deutsche Übersetzung der sprachlichen Höhe des Originals gerecht werden möge. Smith ist ein außerordentlicher Autor und hat deshalb auch außerordentliche sprachliche Sorgfalt verdient. Punktum!

     

     

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