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    Hakan Nesser: Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Bertil Albertsson

    07.02.2011

    »Vertraue niemals einem Schriftsteller«

    Endlich Aufklärung nach über zehn Jahren? Håkan Nessers neuer Roman Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Bertil Albertsson. Von DIETMAR JACOBSEN

     

    Håkan Nessers Roman Kim Novak badete nie im See von Genezareth erschien 1998 in Schweden und hat es dort bis heute auf mehr als 300.000 verkaufte Exemplare gebracht. Das Buch über zwei 14-jährige Jungen, die im Sommer 1962 ihr Erwachsenwerden erleben, ist an vielen Schulen Schwedens inzwischen Pflichtlektüre. Doch sowohl dort wie auch in den Ländern, in denen man Übersetzungen des poetischen kleinen Romans lesen kann, blieb über zehn Jahre eine Frage ungeklärt: Wer war der Mörder des Handballers Bertil Albertsson, genannt »Kanonen-Berra«?

     

    Håkan Nessers Kim Novak heißt eigentlich Ewa Kaludis und ist Aushilfslehrerin. Als schöne Freundin des in ganz Schweden bekannten Handballers Bertil Albertsson – wegen der Gewalt seiner Würfe »Kanonen-Berra« genannt – kommt sie im Frühjahr 1962 in die kleine schwedische Stadt, in der auch die vierzehnjährigen Jungen Erik Wassman und Edmund Wester fortan mit roten Ohren ihrem Unterricht folgen.

     

    Es ist das Jahr, in dem Eriks Mutter an Krebs stirbt. Um dem Jungen mit diesem Schicksalsschlag nicht allzu sehr zu belasten, schickt sein Vater ihn gemeinsam mit seinem acht Jahre älteren Bruder Henry, einem angehenden Schriftsteller, auf das familieneigene Anwesen Genezareth am See Möckeln. Edmund Wester, dessen alkoholkranke Mutter zur selben Zeit eine Entziehungskur macht, darf ebenfalls mitkommen. Die drei landen in einem Paradies, aus dem sie allerdings nur allzu bald vertrieben werden. Denn es geschieht ein Mord und Erik, Edmund und Henry gehören zu denjenen, die man verdächtigt, den brutalen Handballhelden Albertsson vorsätzlich erschlagen zu haben.

     

    Ein unaufgeklärter Mord

    Der schwedische Bestsellerautor Nesser – bekannt und berühmt geworden mit seiner zehnbändigen Thriller-Reihe um den eigenwilligen Kommissar van Veeteren (1993-2003) – hat in Kim Novak badete nie im See von Genezareth eine ganze Reihe von Spuren gelegt. Die Identität des Mörders von »Kanonen-Berra« freilich hat er letztlich verschwiegen. Was Tausende von Lesern offensichtlich dazu brachte, ihm per E-Mail, auf Lesungen und in Interviews immer wieder die eine Frage zu stellen: Wer war es denn nun?

     

    Vier Personen standen unter Verdacht. Eriks Bruder Henry, der mit der umschwärmten Ewa Kaludis hinter Bertil Albertssons Rücken eine Sommerromanze begann. Die junge Lehrerin selbst, die sich mit dem großmäuligen, brutalen und hintertriebenen Berra als Partner wohl ziemlich vergriffen hatte. Und natürlich Erik und Edmund – bis über beide Ohren in Ewa verliebt und so eifersüchtig auf wie besorgt um Eriks großen Bruder, weil sie bei einer Festivität am See erleben mussten, was der Handballer Berra mit Widersachern zu machen pflegte.

     

    »So sinnlos wie ein Kropf?«

    Nun hat Nesser mit Die Wahrheit über Kim Novak und den Mord an Bertil Albertsson – wie versprochen übrigens – nach mehr als zehn Jahren des Schweigens für Aufklärung gesorgt. Was viele seiner eingefleischten deutschen Fans allerdings von dem Büchlein halten, kann man bereits in einschlägigen Internetforen nachlesen. Von einem Buch »so sinnlos wie ein Kropf« ist da die Rede. Manche haben die »gefühlte« Seitenzahl ermittelt und sind bei etwas über 50 herausgekommen – und das für rund 9 Euro! »Verarscht« und »abgezockt« fühlt man sich da, weil nach kaum einer Stunde Lesezeit – für die großzügig gesetzten 75 Seiten braucht es eher weniger! – immer noch nicht hundertprozentig klar ist, wer denn nun wirklich damals zugeschlagen hat.

     

    Und der Rezensent der Berliner Hammett-Buchhandlung spart bei seiner Bewertung 8 von 10 Patronen (Jeder Abi-Aufsatz wäre mit erreichten 20 Prozent des so genannten »Erwartungshorizonts« Makulatur!) und gesteht dem schmalbrüstigen Ereignis unterm Strich kein eigenes Existenzrecht zu. Damit hat er natürlich Recht. Die Zahl der Leser, die sich diesen neuen Nesser ohne Kenntnis des vorangegangenen Romans kaufen, dürfte sich aber ohnehin nahe Null bewegen. Obwohl: Ein bisschen tricksen tun sie bei des Schweden deutschem Verlag schon, damit sich das Buch auch verkauft.

     

    Sei’s drum! Mich hat das Konglomerat aus (fiktiven?) Briefen, Interviews, Pressestimmen, einleitenden und abschließenden Bemerkungen dazu gebracht, mich noch einmal in Kim Novak badete nie im See von Genezareth zu versenken. Und das ist nach wie vor so großartig, dass man schon bei seinem Erscheinen vor sieben Jahren jene 9 Euro mehr hätte bezahlen müssen, die einem nun nachträglich aus der Tasche gezogen werden. Als Aufpreis für ein Stück Literatur, bei dem die Frage, wer den nun der Täter war, wirklich zuallerletzt interessieren sollte.

     

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    ich finde das erste buch großartig, nur wäre es schön, wenn ein paar stellen kürzer verfasst wäre. Jedoch ist trotzdem das buch da, um spannung zu erzeugen, was auch dem autor sehr gut gelunngen ist und er hat auch das erreicht, was er wahrscheinlich wollte.
    | von geheim, 25.03.2011

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