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    Mittwoch, 23. August 2017 | 04:30

    Ian McEwan: Solar

    11.10.2010

    Die Chips-Sucht eines Superhelden

    Tragisch aber unglaublich komisch. Ian McEwan geht in seinem neusten Roman bis an die Schmerzgrenze seiner Leser und überschreitet die seiner Hauptfigur. Von SEBASTIAN WANNER

     

    Es beginnt mit dem Ende seiner fünften Ehe. Und doch ist es diesmal für den Physik-Nobelpreisträger Michael Beard alles andere als Routine, denn seine Frau hat ihn betrogen. Unerhört und für den kleinen, dicken Wissenschaftler eine neue, bedrohliche Erfahrung. Beard kämpft um diese Ehe. Seinen Job als Leiter eines Energiezentrums der britischen Regierung zur Bekämpfung des Klimawandels stellt er erst einmal hinten an und versucht sein Privatleben in den Griff zu kriegen. Doch das gelingt Beard nicht.

     

    Verstörend komisch

    Solar, das neueste Werk von Ian McEwan ist ganz anders als seine bisherigen Bücher: Mit schwärzestem, britischen Humor hat er – nicht nur optisch – einen Antihelden geschaffen, der seine Abenteuer in der weiten Welt der Liebe und Eifersucht findet. Themen, mit denen sich seine früheren Charaktere, beispielsweise in Am Strand oder Abbitte auch herumschlagen mussten. Allerdings wurden diese Romanfiguren noch vom bösen Spott des Schriftstellers verschont.

     

    Verstörend komisch ist es, wenn Michael Beard seitenweise gegen seine Salt-and-Vinegar-Chips-Sucht ankämpft und die Chips erst genießerisch nacheinander in den Mund führt, ehe er sie baggergleich in sich hineinstopft. Immerhin findet Beard durch einige Umstände beruflich wieder in die Erfolgsspur und ist mit seinem Team auf dem besten Weg den Planeten zu retten. Eine Rolle, die ihm selbst besonders gefällt: Michael Beard der Superheld. 

     

    Lügengebilde eines alternden Egozentrikers

    Ian McEwan hat eine Satire geschrieben, die in England zu Recht gefeiert wird. Es geht um die vollständig übersteigerte Egozentrik eines alternden Mannes, der vorgibt die Welt retten zu wollen, dem Eigeninteressen dann aber doch wichtiger sind. Um sich besser zu fühlen, belügt er seine Umwelt und sich selbst. Obwohl der Roman sich immer mit seiner Hauptperson bewegt, sind die positivsten Gefühle, die man für sie aufbringen kann, Unverständnis und – manchmal – Mitleid. Ian McEwan setzt drei Schlaglichter auf das Leben des Michael Beard, in den Jahren 2000, 2005 und 2009. Auch wenn sich dabei eine Geschichte entwickelt, an einer Entwicklung des Protagonisten liegt es nicht.

     

    Kaum zu glauben, dass Autor McEwan seinem Antihelden Michael Beard auch autobiographische Erfahrungen einverleibt hat: McEwan wurde in Teilen der britischen Presse Islam-Hass vorgeworfen, nachdem er sich über die Sicht des Islamismus auf Frauen und Homosexualität geäußert hat. Professor Beard bringt es gar zum Nazi-Professor. Warum? Selber lesen.


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