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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 19:13

    David Nicholls: Zwei an einem Tag

    12.07.2010

    Was wäre wenn ...?

    Der Roman besticht auf den ersten Blick durch die Idee, dass es da zwei gibt, die voneinander angezogen sind, sich jährlich wieder treffen und doch nie zueinander finden. Von BASTIAN BUCHTALECK

     

     

    Nicholls im Dreischritt zwei gegenläufige Biografien: Aufstieg, Fall, Ausgleich und Fall, Aufstieg, Ausgleich. In der Nacht nach ihrem Schulabschluss landen die spröde, den linksalternativen Dogmatismen ihrer Jugendzeit verhaftete Emma Morley und Dexter Mayhew, Sunnyboy aus reichem Elternhaus, gemeinsam im Bett. Aus unerfindlichen Gründen fühlen sie sich voneinander angezogen und aus schnell ersichtlichen Gründen können sie nicht zueinander finden, weil der extrem gut aussehende Dexter mit mannigfachen Liebeleien um die Welt zieht.

     

    Während Emma mit einem grandiosen Abschluss glänzt, muss sie zunächst in einem Imbiss und später als Lehrerin in einer Schule arbeiten (Fall), bevor sie als Schriftstellerin Erfolg hat (Aufstieg) und dann ihre Weltverbesserungsdogmen ablegen kann (Ausgleich). Dexter dagegen macht Karriere als Fernsehmoderator, stürzt mit Drogen und Suff ab, zeugt schließlich ein Kind und eröffnet ein Straßencafé mit Feinkostabteilung.

    Ob Nicholls' Roman damit schon als Entwicklungsroman bezeichnet werden darf, bleibt offen. Zu fragmentarisch und zugleich zu absehbar bleibt die Entwicklung der beiden Figuren durch die Jahre. Genauso absehbar wie ihre Vereinigung am Ende - allen Widerstände zum Trotz.

     

    Verloren im Klischee

    Die Anziehungskraft zwischen Dexter und Emma wird nie erklärt. Vielmehr legt die Introspektive der beiden Figuren zu Beginn des Buchs sogar nahe, dass sie nichts verbindet. Aber die Anziehung ist da - wie eine Prämisse. Und erst wenn man diese Prämisse akzeptiert, kann man sich auf das Buch auch einlassen.

     

    Nicholls Sprache verzichtet auf jegliche Sperrigkeiten, Tiefe oder Extravaganz. An einigen Stellen des Romans kommt die Stimme des Autors jedoch zu deutlich durch. Meist dann, wenn der oberflächlichen, konsumistischen Gesellschaft der moralische Spiegel vorgehalten wird. Gewiss, die Figuren reden und handeln, aber es ist die Stimme und die Moral des Autors.

     

    Insgesamt haftet dem Roman ein wenig der Ruch einer unterhaltsamen Mogelpackung an. Und genau das ist Zwei an einem Tag auch: Packende und gut geschriebene Unterhaltungsliteratur, die mehr sein könnte, es aber schlicht nicht ist.

     

     

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