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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 11:10

    Philipp Tingler: Doktor Phil

    03.05.2010

    Der Teufel liebt Käsebällchen

    In seinem neuen Roman Doktor Phil zeigt Philipp Tingler, was geschieht, wenn ein versnobter Literat dem Teufel die Tür öffnet. Und dass er komödiantisches Talent besitzt. Von KATHRIN BREDE

     

     

    Oskar Canow ist Schriftsteller und Autor für diverse Society- und Lifestyle-Magazine. Nicht etwa einer der Sorte, die zwar künstlerisches Niveau besitzen, aber in jahrelanger Erfolglosigkeit ein einsames Dasein fristen und erbärmlich gekleidet herumlaufen. Nein, Oskar ist im Gegenteil talentiert, erfolgreich und smart, lebt mit seiner ebenso schönen wie klugen und verwöhnten Gattin in Wohlstand und Sorglosigkeit. Er glaubt an pünktliche Botox-Erfrischungen für seine Stirnfalten, seinen Physiotherapeuten und seinen Personal Trainer. Und sein Terminkalender beschert ihm ein Leben zwischen Filmpremieren und Empfängen, Fashion-Weeks, Flagship-Store-Eröffnungen und Charity-Galas.

     

    Kurz: Oskar Canow ist ein Snob, der sich vorzugsweise in der Upper Class bewegt. Die zeichnet sich unter anderem dadurch aus, reichlich Psychopharmaka mit sich herumzutragen und diese zu verputzen wie Gummibärchen oder sich die Zähne bleichen zu lassen, bis sie im Dunkeln leuchten. Oskar empfindet sie zwar alle recht geistlos, aber ihre Gesellschaft inspiriert ihn künstlerisch. Schriftstellerkollegen meidet er hingegen, weil er sie – mit Ausnahme der toten – allesamt für Stümper hält.

     

    Kopf ab!

    Mit seinem komfortablen Lebensstil und seiner Ehe ist Oskar ganz zufrieden – doch auf einmal ist kein Geld mehr da. Sie haben es schlicht verprasst. Jetzt beginnen die beiden darüber nachzusinnen, ob nicht vielleicht der liebe Gott die Misere beheben  könnte. Leider rufen sie mit dieser Idee aber den Teufel auf den Plan. In Gestalt des italienischen Modeschöpfers Cavalli schlägt er Oskar einen Deal vor: Er wird ihm die Widrigkeiten des Alltags aus dem Weg schaffen und dafür sorgen, dass er anstrengungslos zum schreibenden Idol wird. Als Gegenleistung muss er erfahren, wann, wie und wo er sterben wird.

     

    Um ihm die Sache schmackhaft zu machen, bietet Luzifer eine Art Probezeit an. Oskar erliegt der Verlockung und zunächst lassen sich die Dinge, besonders die finanziellen und schöpferischen, auch ganz gut an, bis ihm an einem sonnigen Frühlingstag plötzlich der abgetrennte Kopf seines nervigen Kollegen Küngels vor die Füße rollt.

     

    Eine gute Lektüre, sofern ...

    Philipp Tinglers Roman Doktor Phil ist intelligent, spaßig und voll großartigen Spotts. In herrlicher Bösartigkeit zieht er über die Bussi-Gesellschaft und deren Oberflächlichkeit her. Und man staunt, über welch sezierenden Blick für Äußerlichkeiten der Autor doch verfügt. Tingler glänzt mit gewitzten Dialogen, wundervoll bizarren Figuren, selbstironischen Betrachtungen seines Berufsstandes und ausgeprägtem Sinn für absurd-komische Situationen, in denen zum Beispiel ein modisch unterentwickelter Belzebub Oskar zu einem stressigen Shopping nötigt.

     

    Eine gute Lektüre, sofern man darüber hinwegsehen kann, dass Doktor Phil stellenweise auch recht schwere Kost ist. Denn einige der eingeflochtenen tief schürfenden philosophischen Betrachtungen (über Gut und Böse, Kultur und Kunst, das Wesen des Menschen im Allgemeinen und der Gesellschaft im Besonderen usw.) sind doch recht weitschweifig und strapaziös geraten. Da ist es mit dem promovierten Philosophen Tingler intellektuell wohl manchmal ein bisschen zu sehr durchgegangen …

     

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