• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 16:47

    Samantha Peale: Die amerikanische Malerin Emma Dial

    29.03.2010

    Die wunderbar gehorsame Emma Dial

    „Assist-and-tell“, nannte die NY Times versuchsweise das Genre, zu dem Die amerikanische Malerin Emma Dial gehört, angelehnt an das „Kiss-and-tell“, das öffentliche Ausplaudern von intimen Geheimnissen. Der große Assist-and-tell-Roman des letzten Jahrzehnts war Der Teufel trägt Prada, der in der Herzkammer eines Fashionmagazins spielt. In Samantha Peales Roman geht es nun um den Kunstbetrieb. Von BRIGITTE HELBLING

     

    Seit sechseinhalb Jahren arbeitet die Malerin Emma schon für Michael Freiburg: ein Großkünstler, ein Egomane, und für seine Star-Assistentin noch immer ein Genie. Zwar ist Emma diejenige, die nach Fotovorlagen und Farbmischvorgaben jeden Pinselstrich auf Freiburgs riesige Gemälde setzt, aber das stört sie nicht, sie malt ja gerne. Ein Geheimnis ist ihr Anteil an seiner Arbeit auch nicht. Wie soll die Oberliga der Kunstschaffenden zwischen den Reisen zu etlichen Großausstellungen für handwerklichen Kleinkram auch Zeit finden? Kein Mensch, schon gar nicht der Käufer, geht davon aus, dass Damien Hirst seinen Totenkopf („For the Love of God“, verkauft 2009 für 74 Millionen Euro) eigenhändig mit Brillanten zugeklebt hat.

     

    „Geschleckt und hübsch sah Michael aus, qualmte eine meiner Zigaretten nach der andern und gab mir jedes Mal, wenn ich den Pinsel in die Farbe tauchte, eine Anweisung. Ich war wunderbar gehorsam und schwang ehrerbietig und manchmal übereifrig den Pinsel, als zittere an seinem Ende eine riesige Feder: meine eigene Show. Michael schäumte über vor Dankbarkeit.“

     

    Freud und Leid einer Künstlergattin

    So sieht die Show aus, die Emma und ihr Meister hinlegen, wenn Gäste ins Studio kommen. Ansonsten sind sie Vertraute, Liebhaber, eine Symbiose im Namen der Kunst. Tatsächlich könnte man in Emmas Fall weniger von einer Assistenz als von einem Dasein als Künstlergattin reden; dabei spielt keine Rolle, dass Freiburg verheiratet ist, Emma andere Affären hat und die beiden in erster Linie durch ihren Vertrag gebunden sind. Freiwillig und freudig ging die 25-Jährige einst die gut bezahlte Bindung ein, die vorsieht, dass sie die Kunst des Künstlers realisiert, seine Launen erträgt und sich im richtigen Moment diskret im Hintergrund hält.

     

    Nun jedoch ist das verflixte siebte Jahr angebrochen, und Emma will raus. Wie aber trennt man sich von einem Egomanen? Ganz einfach: Man beginnt eine Affäre mit seinem größten Konkurrenten.

     

    If you can make it there ...

    Samantha Peale war vier Jahre lang Assistentin im New Yorker Studio von Jeff Koons, was nicht heißt, dass Die amerikanische Malerin Emma Dial ein Schlüsselroman wäre. Das Gegenteil sei der Fall, versichert die Schriftstellerin, die heute mit Mann und zwei Kindern in Los Angeles lebt: „Koons arbeitet zu hart und ist nicht schlüpfrig genug, um für einen Roman interessant zu sein.“ Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie Künstler den Willen und die Kraft finden, den eigenen Weg zu verfolgen. In der Folge gibt es in diesem Buch auch keine Opfer oder Ausbeuter, es gibt nur Kreative, die auf eigene Rechnung arbeiten und andere, die ihre Arbeit verdingen. Und dann gibt es natürlich noch den Markt, der wunderbarerweise diese ganzen Arrangements bezahlt.

     

    Mehr als alles andere ist dies ein Roman über New York, das Zentrum der Welt für Künstler und noch mehr für werdende Künstler. In keiner anderen Stadt würde Emmas Einsatz für das Fremdwerk so viel Sinn machen. New York ist die Stadt, wo sich alles trifft. Es gibt keinen Ort, der begehrenswerter wäre.

     

    Hier wird er lebendig, in seinen Straßen, in seinen Kneipen, in seinen versoffenen Nächten und morgendlichen Taxifahrten und der zwanglosen Mischung von Prominenten und Niemanden, die nicht ganz niemand sein können, weil sie es immerhin schon bis in die Metropole geschafft haben. If I can make it there, I'll make it anywhere, sang Frank Sinatra. Manchmal muss man aus der Stadt wieder weg, um dieses „it“ zu vollenden, sieht Emma Dial schließlich ein. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis sie zurückkehrt, am liebsten natürlich mit einer Retrospektive des Namens, den dieser Roman wie ein Versprechen trägt: Die amerikanische Malerin Emma Dial.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter