• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 11:49

    Chuck Palahniuk: Fratze

    15.03.2010

    Fight Club, transgender

    Chuck Palahniuks Roman Fratze ist wie Fight Club – nur geschlechtsumgewandelt. Von JAN FISCHER

     

     

    In diesen Momenten, kurz vor dem Einschlafen ertappt man sich bei der Frage, wie wohl ein Faustkampf zwischen Bret Easton Ellis und Chuck Palahniuk aussähe. Ellis würde tänzeln, ausweichen und von langer Hand einen wirklich schlimmen Kinnhaken vorbereiten, während Palahniuks harte, kurze Schläge ununterbrochen auf ihn einknallen.

     

    Das ist erstmal gar nicht so weit hergeholt, wie es klingt: Es gibt die Facebook-Gruppe „Bret Easton Ellis is superior to Chuck Palahniuk in every way imaginable“, und es gibt die Gruppe „Chuck Palahniuk is superior to Bret Easton Ellis in every way imaginable“.

     

    Dann ist es natürlich wieder unglaublich weit hergeholt: Man respektiere sich, gibt Palahniuks Website Auskunft, und bewundere sich gegenseitig als Autoren usw., usf.: Autoren sollte man nun einmal nicht mit ihrem Ich-Erzähler verwechseln.

     

    Tanzender Abschaum der Erde

    Es soll in dieser Rezension auch gar nicht so sehr um Bret Easton Ellis gehen. Es geht um Chuck Palahniuks jetzt endlich veröffentlichten Erstling Fratze, der jahrelang in einer Schublade herumlag. Palahniuks veröffentlichtes Debüt war Fight Club, mit dem Film kam der Erfolg, und von Palahniuk ein Buch nach dem anderen: Eines ist als Oral History geschrieben, wieder ein anderes als ineinander verzahnte Kurzgeschichten. Jedes seiner Bücher ist fortgeschrittener, weiter entfernt von dem knalligen, harten „Wir sind der singende, tanzende Abschaum der Erde“-Ton, den Palahniuk in Fight Club anschlug. Von Fratze wusste niemand etwas.

     

    Nicht, dass Palahniuk jemals subtiler wurde. Seine Gesellschaftskritik-Orgien mit Blut und Eingeweiden – und hier ist der eigentliche Vergleichspunkt mit Bret Easton Ellis, wenn man sie denn vergleichen will – wurden nur immer ausgefeilter.

     

    Fratze ist, wenn man Palahniuks Werk verfolgt hat, als sähe man einen guten, alten Bekannten wieder, der gerade eine Geschlechtsoperation hinter sich hat. Es ist die Geschichte eines Models, die, neben diversen Familien- und Beziehungsproblemen, auch das Problem hat, dass ihr Gesicht weggeschossen und inoperabel beschädigt wird. Mit Hilfe ihrer Transgender-Freundin Brandy erfindet sie sich auf einem Road Trip durch die Vereinigten Staaten ein paar neue Identitäten.

     

    Neuerfindung jenseits der Schönheitsideale

    Im Prinzip ist es die Fight Club-Geschichte: Die Geschichte eines Menschen, der in seinem gesellschaftlichen Kontext nicht mehr funktionieren kann und will und nun sehen muss, wo er bleibt, das Spiel mit Identitäten inklusive. Während es aber in Fight Club um einen Mann ging, der sein Leben als fleißige Büroarbeiterdrohne hinschmeißt, geht es in Fratze um eine Frau, die gezwungen ist, sich jenseits der Schönheitsideale, die ihr Leben bisher ausgemacht haben, neu zu erfinden.

     

    Stilistisch ist Fratze seinem Vorgänger/Nachfolger Fight Club nicht nur ähnlich, sondern die beiden sind sich genau gleich: Dieser exzessive Einsatz der zweiten Person Singular, die immer wiederkehrenden Motivsätze, alles ist da und fühlt sich an wie Nachausekommen. Fratze ist so etwas wie ein Retro-Palahniuk, neu genug, um neu zu sein, alt genug für ein warmes, wohliges Gefühl im Bauch, zumindest solange, bis Palahniuk seine ersten, harten Schläge in die Magengrube austeilt. Aber das ist es ja auch, weshalb man ihn liest.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:
    Das ist die ganze Info, die man als Nichtwissender über DIE FRATZE bekommt? "Is wie FIGHT CLUB mit Frauen" und das war es? Mann, als Nicht-Nerd hat man echt verloren hier (in jedem anderen Forum, in dem es um DIE FRATZE geht, ebenfalls). Ich mein, ich bin mir schon sicher, dass mir der Film gefallen wird, P´s Stil is ne Klasse für sich, hab FIGHT CLUB gelesen und fand es besser als die Verfilmung (besonders den Schluss)aber ein bisschen Info wäre doch nicht zu viel verlangt, oder? Das liest sich so, als ob einer das Review zum neuen Star Trek-Film auf Klingonisch schreibt! Hallo??????????????????
    | von Alex Boehm, 23.11.2010
    @ Alex Boehm: Ich habe das Buch soeben fertig gelesen. Dieser kleine Artikel gibt genug wieder, das kann ich dir sagen. Die Geschichte ist halt sehr verwoben, ständig wechselt man von der Vergangenheit in die weiter zurückliegende Vergangenheit, wieder zurück, in die Gegendwart und so weiter. Es ist schwer mehr Informationen zu geben, da man den Lesern doch nichts vorweg nehmen möchte. Ich jedenfalls kann es nur weiter empfehlen!
    | von Johanna , 24.08.2012

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Mr. Charms ist nicht zu fassen!

    Der verführerischen Absurdität von Charms' gesammelten Werken, die dankenswerterweise vom Galiani Verlag nun vollständig herausgegeben wurden, kann man sich nur schwer ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter