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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 17:45

     

    Haruki Murakami: Sputnik Sweetheart

    24.02.2004



    Schicksal und Zufall

    Wie so oft versteht es Murakami, das Gegensatzpaar des Unweigerlichen und des Zufälligen in ein schwer zu lösendes Geheimnis zu führen, das ebenso Melancholie wie Hoffnung hinterlässt.


     

    Haruki Murakamis neuer Roman beginnt so ungewohnt unspektakulär, dass man nach einigen Seiten unwillkürlich auf der Lauer liegt: Wer oder was wird Murakamis namenlos verbleibendes „Ich“ diesmal auf ungewohnte Wege führen? Zunächst kaum eine Spur davon - einmal mehr begegnet uns ein unglücklich Liebender, der in seiner Angebeteten Sumire eine Seelenverwandte trifft. Doch wie so oft bei Murakami finden beide nicht zueinander...

    Der Protagonist übt nach dem Studium seinen Job als Lehrer aus, ein Verhältnis mit der Mutter eines seiner Schüler genügt, seine sexuellen Bedürfnisse abzureagieren. Sumire dagegen lebt in einem Schwebezustand - sie meint aber zu wissen, dass sie Romanautorin werden will. Doch das Vorhaben allein und einige Schreibversuche machen sie noch lange nicht dazu. Als sie auch noch die faszinierende Miu kennen lernt, steigert sich die Verwirrung: Sumire verliebt sich. Es erscheint plötzlich nicht nur klar, warum es mit den Gefühlen für das männliche „Ich“ nicht klappen konnte, sondern auch, dass sie erst einmal etwas ergreifendes erleben muss, um schreiben zu können. Zugleich kann Sumire aber kaum noch klare Gedanken fassen, da sie nicht weiß, ob Miu ihre Gefühle erwidert. Sie beginnt jedoch in Mius Büro zu arbeiten und geht schließlich mit ihr auf eine Reise nach Europa, da Miu dort für ihren exklusiven Weinhandel, den sie betreibt, alljährlich die Lieferanten besucht.

    Marakumi führt seine Figuren beständig entlang an der Frage „Wer bin ich?“ Dies geschieht keineswegs plakativ, sondern durch die Konfrontation der Träume, Wünsche und Pläne von „K“, Sumire und Miu mit dem, was in der Wirklichkeit daraus wird. Kann man sich in dieser Gespaltenheit zwischen den Welten mit anderen darüber überhaupt austauschen? „Ich lebe ständig in dem Gefühl, dass dieses Ich, das du hier vor dir siehst, nur die übrig gebliebene Hälfte ist.“

    Der Protagonist entpuppt sich immer mehr als Einzelgänger, seine einzige ernsthafte Bezugsperson ist Sumire. Als diese während der Reise auf einer Griechischen Insel plötzlich verschwindet, ersucht Miu „K“ um Hilfe? Oder scheint es nur so, dass Sumire verschwunden ist? Verliert sie nur die Hälfte ihres „Ichs“ und wird unsichtbar, wie das bei dem Protagonisten phasenweise der Fall zu sein scheint und wie es auch Miu in einer Geschichte aus ihrer Vergangenheit erzählt? Meint Sumire den Weg der beiden ebenso gehen zu müssen, um am Ende ganz bei ihnen anzukommen? In welche Umlaufbahn muss sie sich begeben, um ihrem „Sputnik Sweetheart“ in der gleichen Welt wirklich zu begegnen? „Dreht sich dieser Planet nur, um die Einsamkeit des Menschen zu nähren?“ Was – zunächst - von ihr bleibt, sind zwei Texte, die „K“ von Sumire findet, Schlüsseltexte ihrer Verlorenheit.

    Wie so oft versteht es Murakami, das Gegensatzpaar des Unweigerlichen und des Zufälligen in ein schwer zu lösendes Geheimnis zu führen, das ebenso Melancholie wie Hoffnung hinterlässt.

    „Um etwas zu verstehen, muss ich dieses Etwas zuerst einmal niederschreiben.

    Das war schon so, als ich noch klein war. Wenn ich etwas nicht verstand, sammelte ich die zu meinen Füßen verstreuten Wörter eines nach dem anderen auf und fügte sie zu Sätzen zusammen. Und wenn mir diese Sätze nichts nützten, dann verstreute ich die Wörter noch einmal und setzte sie neu zusammen, bis ich sie endlich verstand wie andere Leute auch. Nie ist mir das Schreiben lästig gewesen oder schwergefallen. Wie andere kleine Kinder hübsche Steine oder Eicheln sammeln, war das Schreiben für mich ganz natürlich, so natürlich wie das Atmen. Automatisch griff ich zu Stift und Papier, reihte einen Satz an den anderen und dachte. [...]

    Meine vorläufige These lautet wie folgt:

    Durch das Schreiben schaffe ich mir einen zusätzlichen Raum, in dem ich mich im Alltag vergewissere, wer ich bin.“


    Olaf Selg



    Haruki Murakami: Sputnik Sweetheart. Dt. von Ursula Gräfe. Roman, Du Mont, Geb., 2002, 234 S., 19,90 ¤. ISBN 3-8321-5696-8

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