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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 13:29

     

    Michael Stavaric: Böse Spiele

    30.03.2009

    Die vollkommene Frau und ein passabler Mann

    Böse Spiele nimmt einen insgesamt ganz schön her. Stavaric türmt Sätze auf, spitzt sie unheilvoll zu. Oft in pathetischster Pose und alles im Vertrauen auf die Kraft der Urtriebe. Das nimmt sich hübsch archaisch aus und überzeugt definitiv, meint Markus Köhle.

     

    Michael Stavaric, 1972 in Brno geboren, lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer, Kolumnist und Kritiker in Wien. Er ist momentan einer der produktivsten österreichischen Autoren. In den letzten drei Jahren veröffentlichte er u. a. die Romane stillborn (2006), Terminifera (2007) und Magma (2008) sowie die Kinderbücher Gaggalagu (2006) und Biebu (2008). Soeben hat er den Literaturwettbewerb Schloss Wartholz für sich entschieden. Der ist gut dotiert und bereits jetzt schon – er fand letztes Jahr das erste Mal statt – im Betrieb etabliert. Das mag auch mit dem Ort selbst zu tun haben. Freud, Werfel, Schnitzler, Altenberg und Doderer, um nur ein paar der wohlklingendsten Namen zu nennen, zog die Reichenau an der Rax früher nämlich förmlich an. Und so haben private Sponsoren entschieden, diese Tradition wiederzubeleben. An drei Tagen lesen dort einmal jährlich 15 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum vor Jury und Publikum ihre eingereichten Texte. Prosa wie Lyrik sind erlaubt.

    Same same but different

    Das ist ähnlich, aber doch anders wie das Klagenfurter Bachmannpreislesen. Dort war Stavaric letztes Jahr und las einen Ausschnitt aus dem nun bei C. H. Beck erschienenen Roman Böse Spiele (Bisher kamen Stavarics Romane beim österreichischen Residenz Verlag heraus). In Klagenfurt wurde Stavaric nicht bepreist, was vielleicht damit zu tun hat, dass der formal strenge Text seine Konsequenz und Stärke erst in der vollen Länge entwickeln kann.

    Um was geht es: Der Ich-Erzähler liebt eine Frau, die mit einem anderen Mann zusammen ist und mit diesem ein Kind hat, dennoch fühlt sie sich auch zu dem Ich-Erzähler hingezogen. Dieser wiederum wird von einer weiteren Frau förmlich belagert. Es geht um Liebe, Hingabe und Leidenschaft, um Lüge, Verrat und Entzug. Große altbekannte Themen also – und doch ganz eigen umgesetzt.

    Dass es in diesen Beziehungsspielen erstaunlich oft um Tod und Töten geht, beweist, wie nahe sich Kriegs- und Liebesspiele sind. Oft vollzieht sich dies in Dass-Satz-Kaskaden, aus denen herauszukommen man sich schwertut, da sie so eindringlich sind. Sie schrauben sich mit Nachhaltigkeit in den Kopf als formal motivierte, literarische Hirndübel, und es bleibt den Lesenden überlassen, welche Erinnerungsbilder sie dann aufhängen, wo sie hängen bleiben oder worin sie sich spiegelgleich selbst erkennen. Erschreckend ist, wie sich die Liebes- und Kriegsspiele immer mehr überlappen und schließlich das Töten vollends überhandnimmt – das Töten wie das Befruchten.

    Markus Köhle


    Michael Stavaric: Böse Spiele. Roman. C. H. Beck Verlag 2009. 155 Seiten. 16,90 Euro.

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