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    TITEL kulturmagazin
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    Steffen Kopetzky: Der letzte Dieb

    02.03.2009

    Der Dieb, der Freak, die Superagentin und andere Gauner

    Hinter Schlössern und Riegeln schlummert seit Jahren ein prächtiger Schatz aus der Nazizeit. Steffen Kopetzky schickt in seinem vierten Roman Der letzte Dieb seinen Helden auf die abenteuerliche Suche danach. Die Verlockungen des Verborgenen sind allzu süß, schon immer gewesen. Senta Wagner hat sich Ihnen hingegeben…

     

    Es war einmal ein Meisterdieb, der turnte geschmeidig wie eine Katze über den Dächern von Nizza herum und beraubte die Reichen um ihren Reichtum. Der konnte noch was. Jetzt haben wir es mit Alexander Salem zu tun, der sich in der gleichen gezuckerten Welt, im heutigen Monaco, auf den Diebstahl eines Briefumschlags vorbereitet – aus seiner Sicht ein Kinderspiel. Schon als 13-jähriger Bub aus gutem Hause stibitzt er seinem Vater Wein aus dem Keller, später, als professioneller Auftragsdieb, machen das Glück und der Leichtsinn einen Gewinner aus ihm. Die Kunst des Schlösseröffnens ohne Schlüssel hat er von seinem Großvater gelernt: alles nur ein „gelungenes Zusammenspiel von Spanner und Diamanten“.

    Angetrunken und nervös auf Diebestour im Hotel de France, wo der Umschlag anlässlich einer exklusiven Briefmarkenausstellung präsentiert wird, begeht Alexander jedoch einen schwerwiegenden Fehler. Noch bevor er diesen begreift, setzt Kopetzky in seinem Roman eine gehörige Zäsur und nimmt einen neuen Erzählfaden an einem anderen Ort der Welt auf. Und so macht er das, und zwar entspannt und fabulierfreudig, in rascher Kapitelfolge über 400 Seiten lang. Stilistisch bleibt der Autor stets auf einem ansprechenden Niveau ohne nennenswerte Ausrutscher. Kleine auffällige, unauffällige Schnitte werden innerhalb der Kapitel gesetzt, was einen Wust an Lebenswirklichkeiten von Haupt- und Randfiguren mit sich bringt und nach einem hellwachen Leser verlangt. Kopetzky steckt deren Vergangenheit und Gegenwart in eine Zeitkapsel von 1923 bis 2002 und erweist sich als literarischer Vermittler von Zeitgeschichte, die ebenso das Perfide der Nazizeit berührt wie das Bespitzelungssystem der DDR vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Kunstvoll ist schließlich das allmähliche Zusammenführen der Hauptstränge und Motive zu einem wirksamen Geflecht. Darin haben sich drei Profis verfangen, deren Zeit abgelaufen ist.

    Lockruf des Verborgenen

    Johanna Meister war zu DDR-Zeiten als „mental Hochbegabte“ erfolgreich für die Stasi im Einsatz, darauf getrimmt, Gedächtniskopien anzufertigen. Jetzt, 2001, gibt es (fast) nichts mehr zu tun für sie. Kurz vor dem Zusammenbruch der DDR allerdings wurden ihr ein Gebäudeplan und Fotos unschätzbar wertvoller Kultgegenstände anvertraut, die die Nazis damals zusammengetragen und versteckt haben. Die Nachwelt sollte damit Zeugnisse einer frühesten germanischen Hochkultur serviert bekommen. Allein den Ort kennt sie nicht, wo sich diese Kulturgüter befinden. Ihr unglaubliches Wissen will sie an den Mann bringen, denn „ein von den Nazis gesammelter Schatz echter Altertümer mochte viele Millionen wert sein“.

    Und dieser Mann, der dritte Profi im Bunde, das ist Hawk Stephen Browning, ein abgedrehter Schriftsteller aus New York. Hawk müht sich arg ab mit der Fertigstellung seines Fantasy-Epos’ über den sagenhaften Schatz der Atlanter – Diagnose Schreibblockade. Es kommt zu einem Treffen von Superagentin und Freak, bei dem Johanna Hawk Fotos von Gegenständen des Schatzes übergibt. Bei einem Vergleich der realen Fotos mit den Fantasieprodukten von Hawk entpuppt sich der Schatz als ein und derselbe, in Wirklichkeit geronnen sozusagen. Der Schriftsteller gerät derart in Fahrt und glaubt, sich aus seinem Dilemma befreien und seinen Roman beenden zu können, sobald er in den Besitz eines besonderen Stückes aus dem Schatz kommt. Johanna Meister soll sich aus diesem Grund sofort auf Schatzsuche machen.

    Dem nervenaufreibenden Showdown mit großem Personenaufgebot schenkt Kopetzky nicht mehr viele, aber köstliche Seiten. Der Roman zeigt den Menschen in einem Delirium aus Schuld und Vergehen und den Funken Hoffnung diese zu tilgen. Das Abenteuer, das verlockend Verborgene hat alle Schutzsucher gleichermaßen angezogen, zum Schluss fordert es seine Opfer. So war das auch schon immer.

    Senta Wagner


    Steffen Kopetzky: Der letzte Dieb. Roman. Luchterhand Literaturverlag 2008. 473 Seiten. 19,95 Euro.



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