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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 23. Mai 2017 | 08:55

     

    Stephen King: Wahn

    14.04.2008


    Bezauberndes Drama, enttäuschendes Ende


    Wahn spielt vor der Kulisse Floridas und ist in weiten Teilen eine hervorragend erzählte Geschichte über Selbstfindung und seltsame Freundschaften.

     

    Auf Duma Key, einer Insel Floridas, erholt sich der ehemalige Bauunternehmer Edgar Freemantle von seinem schweren Unfall, bei dem er den rechten Arm verlor und Kopfverletzungen davontrug. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen, und der geplante Selbstmord muss nach einem Unfall aussehen, damit seine beiden Töchter Melinda und Ilse sich keine Vorwürfe machen und finanziell abgesichert sind. In Florida findet Freemantle die Ruhe, um mit sich ins Reine zu kommen, oder, wenn das nicht klappen sollte, um sich nach einiger Zeit das Leben zu nehmen. Er findet zu seiner alten Leidenschaft, dem Malen, zurück. Seine Erfolge sind dabei so beachtenswert, dass die lokale Kunstszene auf ihn aufmerksam wird. Das und seine neuen Freunde lassen die inneren Wunden heilen.

    Kings Beschreibungen von Freemantles kraftraubenden Versuchen ins Leben zurückzufinden sind gelungen. Als Leser leidet man mit dem Protagonisten, wenn er nach den richtigen Worten sucht, wütend wird und hilflos sein Schicksal betrachtet. Spannend ist die beginnende Freundschaft zu Jerome Wireman, der die alte Dame Eastlake betreut. Ihr Umgang ist mitunter zum Schmunzeln. Aber es fallen auch dort harte Worte. Das Aussprechen von unbequemen Wahrheiten lässt die Freundschaft tiefer erscheinen und macht sie beständiger, wenn man weiß, dass zu jeder Zeit Verlass aufeinander ist. Anrührend ist die Sorge Wiremans um Elizabeth Eastlake, der ein großer Teil von Duma Key gehört. Zusammen bilden alle ein seltsames Trio aus gestrandeten Gestalten, von denen jeder eine lange Geschichte über sich erzählen könnte.

    Gut, aber nicht großartig

    Die ganze Zeit begleitet den Leser ein Hauch des Unheimlichen. Immer wieder spürt Freemantle seinen nicht vorhandenen rechten Arm, der die Bilder mitzuzeichnen scheint. Die dunkle Vergangenheit der Insel nimmt Einfluss auf die Motive, die erschreckend hellseherisch sind. Bittere Stunden kündigen sich an, in denen die Figuren engste Freunde und Verwandte verlieren werden.

    In dieser Hinsicht ist Wahn ein empfehlenswerter Unterhaltungsroman. Der persönliche Verlust als psychologischer Horror ist spannend umgesetzt. Erkennbar sind auch die Einflüsse anderer Werke Kings, wie Das Bild oder Das letzte Gefecht. Der Autor thematisiert ebenfalls seinen eigenen Unfall, bei dem er angefahren wurde und schwere Verletzungen erlitt, wie er das auf andere Weise bereits in der Reihe Der dunkle Turm tat. Jedem Abschnitt in Wahn setzt King das Kapitel „Wie man ein Bild zeichnet“ voran. Nicht belehrend, sondern äußerst fruchtbar beschreibt er Möglichkeiten, worauf man beim Zeichnen achten sollte.

    Der monströse Horror zeigt sich auf den letzten 150 Seiten. Aus Wahn wird eine Gespenstergeschichte und aus den Tiefen des Meeres taucht die Unheil bringende Perse auf, die Erfolg und Verderben zugleich verspricht. Stephen King hat während der gesamten Erzählung Hinweise darauf eingeflochten. Aber das Ende macht nicht den Roman aus und der dramaturgische Schwenk ist enttäuschend. Die Geschichte um Edgar Freemantle, über seine Selbstfindung, seine Liebe zu den Töchtern und seine Freundschaften ist der Kern des Romans. In einem bedrohlich schönen Florida hat King ein bezauberndes Drama geschrieben. Hätte er diesen Weg bis zuletzt beschritten, wäre es ein wirklich großartiger Roman geworden. So aber liest man leider nur einen weiteren guten Roman aus der Feder Stephen Kings.

    Ulrich Blode


    Stephen King: Wahn (Duma Key). Heyne Verlag 2008. Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. 895 Seiten. 22,95 Euro.

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