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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 23. Mai 2017 | 09:00

     

    Robert Menasse: Don Juan de la Mancha

    03.09.2007


    Don Quichottes Kampf um die Liebe


    Ein temporeich erzählter, zwischen herzerfrischender Komik und bitterem Ernst changierender Roman über eine hoffnungslos gescheiterte Figur.

     

    „Nun befand ich mich auch bei der Beschreibung meines Lebens just in der Sackgasse, in der ich mich im Leben befand“, resümiert die Hauptfigur Nathan, ein verheirateter Journalist mittleren Alters. Weil in seinem Leben so ziemlich alles aus dem Ruder gelaufen ist, hat er sich der überdrehten Therapeutin Hannah Singer anvertraut, die ihm auftrug, eine Reportage über sein Leben zu schreiben.

    Der österreichische Autor Robert Menasse, der zuletzt mit dem großen geschichtsphilosophischen Roman Die Vertreibung aus der Hölle (2001) für Furore sorgte, hat mit seinem Nathan eine Figur kreiert, die aus de Fundus von Woody Allen stammen könnte und stark an dessen „Stadtneurotiker“ Alvy Singer erinnert. Nathan ist ein Mensch voller innerer Widersprüche, ein vergeistigtes Individuum, das sein Leben nach dem Muster einer Mathematikaufgabe zu erklären versucht. Doch je tiefer er – angetrieben von seiner Therapeutin – in seine Kindheit, Jugend und Studentenzeit eindringt, umso größer wird das äußere Chaos, und eine bleierne Lethargie breitet sich über ihm aus. Am Ende hat er seinen Job als Ressortleiter bei einer Zeitung verloren und hockt gedankenversunken in einer „Fruchtwasserbadewanne“ und empfindet dabei seine Mittelmäßigkeit schon beinahe als Privileg.

    Robert Menasses Nathan ist ein sich selbstzerfleischender, romantischer Zyniker, dem als (durchaus repräsentativer) Angehöriger der Post-68er-Generation sämtliche Lebensentwürfe im Laufe der Jahre abhanden gekommen sind. Er verabscheut zutiefst seine eigene spießige Normalität, in die er sich nach aufregenden Jugendjahren und mit von Menasse ausschweifend beschriebenen amourösen Abenteuern mit all den Helgas, Annes, Martinas und Bettys eingerichtet hat. Immer wieder ist in seinen selbsttherapeutischen Aufzeichnungen von irgendwelchen Anfängen die Rede – von der ersten Zigarette, vom ersten Sex, vom ersten Joint, von der ersten veröffentlichten Reportage und nicht zuletzt von der großen Enttäuschung mit der ersten Ehefrau: „Ich hatte eine kiffende Frau unter einem Che-Guevara-Poster geheiratet und hatte nun das Imitat einer erwachsenen Gattin vor mir liegen.“ Schon in den Anfängen scheint das spätere Scheitern verwurzelt zu sein.

    So aussichtslos wie Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen entpuppt sich auch Nathans Streben nach dem vollkommenen Liebesglück in einer deformierten Gesellschaft, „die nicht einmal einen Liter Mineralwasser kaufen kann, ohne diese Ware erotisch zu besetzen“.
    In den kalauernden Statements von Menasses tragikomischer Hauptfigur verbirgt sich latent auch der gesellschaftskritische Geist des Autors, wenn es etwa heißt: „Karrieristen sind auf Kurs, Liebende auf Exkurs“, oder „sie halten gutes Deutsch für schlechten Journalismus“.

    Nathan, der idealistische Glückssucher, mutiert aus Enttäuschung zum spitzzüngigen, melancholischen Zyniker. Er ist weder ritterlich kühn wie Don Quichotte noch ein erotischer Nomade vom Schlag eines Don Juan. Menasses Protagonist ist durch und durch ein Zwitter von trauriger Gestalt, ein ambivalenter Don Normalo aus Vienna mit immensem Identifikationspotenzial für eine ganze Generation. Ein temporeich erzählter, zwischen herzerfrischender Komik und bitterem Ernst changierender Roman über eine hoffnungslos gescheiterte Figur.

    Peter Mohr


    Robert Menasse: Don Juan de la Mancha. Roman. Suhrkamp Verlag 2007. 273 Seiten. 18,80 Euro.

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