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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 11:48

     

    Monika Maron: Ach Glück

    05.08.2007


    Der Hund und die email


    Rundherum empfehlenswertes „Anti-Aging“ für den Geist.

     

    Die Berliner Schriftstellerin Monika Maron hat nahtlos an ihren letzten Roman Endmoränen (2002) angeknüpft. Wieder geht es um einen Ausbruch aus dem Alltagstrott, wieder heißt ihre Protagonistin Johanna, und wieder steckt der Wunsch nach Abwechslung, die Sehnsucht nach einem kleinen Glück, als Antriebsfeder dahinter.

    In Endmoränen war ein Brief der Handlungsauslöser, diesmal ist es eine email („Fassen Sie sich ein Herz, und kommen Sie her“), die die weibliche Hauptfigur aus Mexiko erhält. Absender ist die steinalte, chimärenhaft als Korrespondenzpartnerin durch die Handlung huschende russische Aristokratin Natalia Timofejewna, die jenseits des Atlantiks eine Jugendfreundin, die surrealistische Künstlerin Leonora Carrington, aufspüren will.
    Beinahe zeitgleich sorgt ein zweites Ereignis für eine Zäsur in Johanna Märtins Leben. Sie nimmt einen schwarzen Mischlingshund auf, der an einer Autobahnausfahrt ausgesetzt war. Die Publizistin, die seit fast drei Jahrzehnten mit dem Kleist-Spezialisten Achim verheiratet ist, blüht förmlich auf. „Und diese wiedergewonnene Freiheit, sagte Johanna, verdanke sie nur dem Hund.“

    War im Vorgängerroman Endmoränen noch von einer „öde langen Restzeit“ des Lebens und von einer „Gravur der Greisenhaftigkeit“ die Rede, so sprüht die Protagonistin nun vor Tatendrang und Lebenslust. Ehemann Achim spürt die Veränderung, entwickelt eine latente Eifersucht sowohl auf den Hund namens Bredow (benannt nach der Autobahnabfahrt, an der er gefunden wurde) als auch auf den zwielichtig gezeichneten russischen Galeristen Igor, bei dem Johanna gelegentlich aushilft.

    Mit der deutlich gewachsenen Vitalität ihrer Hauptfigur hat sich auch Monika Marons Tonfall gegenüber Endmoränen verändert. Die Sätze scheinen ihr flüssiger aus der Feder zu fließen, dem Phänomen des Alterns begegnet die Autorin mit einem gelassenen Augenzwinkern, und zudem lässt sie in einigen Passagen ein beachtliches humoristisch-satirisches Potenzial aufblitzen. Hinter der Nebenfigur des Literaturkritikers Oskar Wolke („Der Oskar wird der deutschen Literatur nie verzeihen, dass er sie nicht hat studieren dürfen.“), der apodiktische Pauschal-Urteile fällt und einen zweifelhaften „Ruhm als Clown“ erlangt hat, ist unschwer Marcel Reich-Ranicki zu erkennen.

    „Man müsse im eigenen Leben nur dafür sorgen, dass es zu jeder Zeit Anfänge gibt“, hat sich Johanna Märtin auf die Fahnen geschrieben, als sie das Flugzeug nach Mexiko bestieg und dem Ruf Natalias („Wunderbare Dinge werden sie hier erleben.“) folgte. Die 66-jährige Monika Maron entlässt ihre Protagonistin in einem Zustand großer emotionaler Erregtheit aus dem Roman. Sie landet in Mexico City und sucht im Menschengewirr des Flughafens die Frau mit dem „breitrandigen roten Hut“, den sie als Erkennungszeichen verabredet hatten. Einige Augenblicke hält sie inne, denkt an Achim, der sie vielleicht zwischen seiner Kleist-Lektüre vermissen könnte und vor allem an Bredow, den sie auf dem Bauernhof eines emeritierten Professors zur Pflege untergebracht hat. Dann gewinnt rasch wieder die Aufbruch-Euphorie Überhand: „Oh große Ränder an meiner Zukunft Hut“. Rundherum empfehlenswertes „Anti-Aging“ für den Geist.

    Peter Mohr


    Monika Maron: Ach Glück. Roman. S. Fischer Verlag 2007. 218 Seiten. 18,90 Euro.

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