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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 19:16

    J.D. Salinger: Franny und Zooey

    17.06.2007

    Neues von Bartleby

    Der neu und sorgfältig von Eike Schönfeld übersetzte Erzählband Franny und Zooey des verstummten amerikanischen Erfolgsautors J. D. Salinger führt vor, wie man auf sensible und menschliche Art "Ja" zur Welt sagen kann, ohne den Zweifel am Leben und die menschlichen Ausgeburten von Angebertum, Heuchelei und Verlogenheit zu leugnen. Von FRANK KAUFMANN

     

    "I would prefer not to" lautet die bekannte Formel von Bartleby aus der bekannten Erzählung Bartleby the Scrivener von Herman Melville. Darin porträtiert er einen Büroangestellten, der es eines Tages vorzieht, die ihm übertragenen Tätigkeiten nicht mehr zu auszuführen. Ich möchte lieber nicht, sagt er, und dabei bleibt es. Ein leibhaftiger Bartleby hingegen, der es ebenfalls eines Tages vorzog, nicht mehr zu schreiben, ist der zu Weltruhm gelangte amerikanische Schriftsteller J. D. Salinger. Natürlich mit dem Unterschied, dass der fiktive Bartleby lediglich Abschriften geschäftlicher Dokumente erstellte, während der leibhaftige Salinger zuvor ein Millionenpublikum begeisterte und bis auf den heutigen Tag begeistert. Denn kaum ein anderes Werk der modernen amerikanischen Literatur ist so erfolgreich wie The Catcher in the Rye (Der Fänger im Roggen) – sein einziger Roman bis heute. Mit seinem Erscheinen 1951 trat dieser seinen Siegeszug um die Welt an. Er traf das Lebensgefühl der Jugend, das es ausnahmsweise einmal verdient, Generationen übergreifend genannt zu werden. Doch schon anderthalb Jahre später flüchtete der 1919 in New York geborene Autor aus der geschäftigen Metropole in eine einsame Waldhütte in Cornish, New Hampshire. Fortan gab es keine Fotos, keine Interviews und Lesungen mehr. Dabei wird leicht übersehen, dass er bis zu seinem endgültigen Verstummen als Schriftsteller immer wieder im Magazin The New Yorker seiner Leserschaft mit Erzählungen treu blieb, bis er 1965 auch damit aufhörte.

    Die Glass-Geschwister Franny und Zooey

    Aus der Zeit vor dem endgültigen Verstummen stammt der hier vorliegende und sorgfältig neu von Eike Schönfeld übersetzte Erzählband, der 1961 zum ersten Mal erschien, aber bereits 1955 und 1957 im The New Yorker abgedruckt wurde. Er beinhaltet zwei Erzählungen, die, wie fast alle seine Geschichten, von der sensiblen, jüdisch-amerikanischen Familie Glass handeln und, ebenso wie die übrigen Erzählungen, als Teil einer auf lange Sicht geplanten Familienchronik gelten können. Frances, genannt Franny, und Zachary Martin, genannt Zooey, sind die jüngsten der sieben Kinder des eingewanderten Künstlerehepaars Glass. In der ersten Erzählung fährt die zwanzigjährige Studentin Franny übers Wochenende zu ihrem Freund Lane, der sie zum Footballspiel der Yale-Universität eingeladen hat. Obwohl sie sich auf das Spiel und auf Lane sehr gefreut hatte, erleidet sie nach ihrer Ankunft eine Krise. Sie ist plötzlich ihres Lehrers und des Studienalltags überdrüssig und stellt ihre schauspielerischen Zukunftspläne in Frage. Während sie vom Zweifel am Leben geplagt wird, erträgt sie Lanes literarisch-akademisches Geschwätz. Und obwohl sie sich kein Verständnis erhoffen kann, erzählt sie ihm schließlich von einem russischen Pilger, der in Gott aufgegangen ist und offenbart ihm, dass sie einen ähnlichen Weg suche – danach erleidet Franny einen Zusammenbruch.

    Der Zweifel und das „Ja“ zum Leben

    In der zweiten Erzählung erleben wir Zooey, wie er Franny wieder auf die rechte Bahn führt. Franny liegt nämlich nach ihrem Nervenzusammenbruch zu Hause auf der Couch, während Zooey ein paar Zimmer weiter zuerst in der Badewanne liegt, sich danach anzieht und mit ihr redet. Schließlich telefoniert er sogar aus Seymours Zimmer (der ältere Bruder Seymour, der sich Jahre zuvor das Leben genommen hat) und vermittelt ihr dabei eine Art „Botschaft“ des toten Bruders. Dies macht er nun so intelligent und feinfühlig, so aufmerksam und selbstdistanziert, wie es selten in großer Literatur und wahrscheinlich noch seltener im wahren Leben geschieht. Absolut gefesselt von den Charakteren (und nur auf diese kommt es in beiden Erzählungen an, nicht auf die dünne Handlung) erlebt der Leser eine so menschliche wie anrührende Beschäftigung mit dem Zweifel am Leben und warum es sich dennoch lohnt zu leben. Die überaus intelligenten Geschwister (als Kinder traten sie als Wunderkinder im Radio auf) führen vor, wie man auf sensible und menschliche Art „Ja“ zur Welt sagen kann, ohne aber die menschlichen Ausgeburten von Angebertum, Heuchelei und Verlogenheit zu leugnen. Genau wie Der Fänger im Roggen schafft es auch Franny und Zooey ein problematisches Lebensgefühl einzufangen. Im Unterschied zum Roman kommt dieser Band aber wesentlich subtiler und feinfühliger daher, was die Anforderungen an den Leser erhöht. Den Roman kann man vielleicht in einem durchlesen, um diese zwei Erzählungen muss man sich ein wenig bemühen – aber der Lohn dafür ist einfach wunderbar.

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