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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 06:41

     

    Ignacio Martínez de Pisón: Der Tod eines Übersetzers

    04.06.2007


    Die zerstrittenen Linken im Bürgerkrieg

    Ignacio Martínez de Pisón hat einen äußerst spannenden und fesselnd erzählten, dabei leicht spekulativen Roman vorgelegt.

     

    Obwohl er erst 47 Jahre alt ist, gehört der in Zaragoza geborene Ignacio Martínez de Pisón schon seit etlichen Jahren zur ersten Garnitur der spanischen Romanciers. Seit Ende der 80er hat er sich in Romanen, Erzählungen und Drehbüchern mit der Post-Franco-Ära in seiner Heimat auseinander gesetzt – zuletzt mit dem großen Familienpsychogramm Mein Vater, die Göttin und ich.
    In seinem neuen Roman (mit dem Originaltitel Enterrar al los muertos, dt: Die Toten begraben) taucht der ausgebildete Romanist tiefer in die Vergangenheit ein und widmet sich dem Spanischen Bürgerkrieg. Unzählige Quellen (dies beweist eine Literaturliste) hat der Autor studiert und in seinen opulenten Erzählstrom einfließen lassen.

    Im Handlungsmittelpunkt steht der Tod des Übersetzers José Robles, der 1937 hingerichtet wurde. Nicht etwa von Francos Falangisten, sondern von linken Milizen. Dabei war Robles, den eine enge Freundschaft mit dem amerikanischen Romancier John Dos Passos verband und der dessen Werke ins Spanische übersetzte, ein glühender Anhänger der Republikaner.
    „Man erschoss nicht einen Verräter, man erschoss einen Mann, um einen Verräter aus ihm zu machen“, heißt es im Roman. Zwar deutet der Roman nur vage an, dass der Übersetzer auf Geheiß des im Bürgerkrieg federführenden russischen Geheimdiensts sterben musste, doch um die innere Zerrissenheit und die erbitterten Grabenkämpfe der Linken macht Martínez de Pisón keinen erzählerischen Bogen. Denunziationen und interne Bespitzelungen gehören zum ohnehin grausamen Alltag dieser Zeit. Es wird die Vermutung nahe gelegt, dass der Übersetzer stellvertretend für einen sowjetischen Geheimdienstoffizier hingerichtet wurde.

    An Denkmälern gekratzt

    Ein zweiter, die Sphären der Literaturgeschichte tangierender Erzählstrang widmet sich dem Verhältnis zwischen Dos Passos und Ernest Hemingway. Die Freundschaft der beiden Romanciers wurde durch den Tod von Robles abrupt beendet. „So ist der Krieg, was zählt da schon das Leben eines einzelnen Menschen?“, wird der Autor von Der alte Mann und das Meer zitiert. Dos Passos, Autor des weltberühmten Romans Manhattan Transfer und glühender Anhänger des Sozialismus, brach daraufhin nicht nur mit Hemingway, sondern wandte sich auch vom russisch geprägten Kommunismus ab.
    Ignacio Martínez de Pisón hat nicht nur einen äußerst spannenden und fesselnd erzählten, leicht spekulativen Roman vorgelegt, sondern auch vehement am Denkmal der internationalen Bürgerkriegs-Linken von vor 70 Jahren gekratzt.

    Peter Mohr


    Ignacio Martínez de Pisón: Der Tod eines Übersetzers. Aus dem Spanischen von Sibylle Martin. Hoffmann und Campe 2007. 272 Seiten. 19,90 Euro.

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