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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 18:56

     

    Andreas Eschbach: Ausgebrannt

    28.05.2007


    Gedankenloser Verbrauch von Ressourcen

    Mineralöle sind wichtig für die industrialisierte Gesellschaft. Sie dienen der Herstellung von Kunststoffen oder Medikamenten, aber der größte Teil des Öls wird der denkbar schlechtesten Verwendung zugeführt: Wir verbrennen es.

     

    Markus Westermann ist fasziniert von den Vereinigten Staaten, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Er will reich werden und wandert nach Amerika aus. Die Anfänge sind schwierig, aber dann lernt er den Ingenieur Block kennen, einen Fachmann im Auffinden von Erdölfeldern. Block ist ein alter Haudegen und kennt sich aus im Geschäft, sein Gespür lässt ihn immer die richtigen Bohrungen vornehmen. Aber auch die besten, findigsten Unternehmer sind nicht vor Rückschlägen gefeit. Nach einer Explosion eines Hafens in Saudi-Arabien droht der Erdölfluss zu versiegen, und es gibt Hinweise, dass das größte Erdölfeld der Welt Ghawar kollabiert. Zwar wird auch weiterhin Erdöl gefördert, aber die Crux ist: Die Weltwirtschaft ist auf billiges Öl angewiesen. Schneller als gedacht sehen sich die Volkswirtschaften einer Katastrophe ausgesetzt, für die niemand vorgesorgt hat, ja, trotz besseren Wissens nicht vorsorgen wollte.

    Viel und sorgfältig recherchiert

    Andreas Eschbach hat für diesen Roman sehr viel und gut recherchiert. Bereits in Der Nobelpreis konnte er die eher langweiligen Formalien zur Nobelpreisvergabe und des Banketts in einen unterhaltsamen Text packen. Das macht er auch in Ausgebrannt und erstaunt den Leser mit seinem Wissen, wenn er genüsslich ausbreitet, wie verschwenderisch die Bevölkerung mit den Rohstoffen umgeht. Es gibt reichlich Öl auf der Welt. Doch der Zeitpunkt ist nah, dass mehr Energie für die Förderung aufgewendet werden muss als das gewonnene Öl liefert. Zudem existiert der rational denkende Wirtschaftsmensch in der Realität nicht. Die Psychologie ist für das ökonomische Verhalten von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Ist der Peak-Oil einmal überschritten, vermutlich ist er das bereits, wird das Öl teuer, sehr teuer. Pläne für das Nach-Öl-Zeitalter sollen existieren, doch keiner rückt damit heraus. Eschbach diskutiert das Thema süffisant und ironisch. Erfreulicherweise fehlen die Klischees, die häufig in amerikanischen Geschichten zu beobachten sind. Ein Schwarz-Weiß-Schema bietet er nicht an. Es gibt kein Deus ex Machina, um den alten Status quo zu bewahren; es kommt aber auch nicht so schlimm, wie die Pessimisten befürchten. Auf den letzten Seiten gibt Eschbach bereits eine Einführung für die Büromenschen, denn bei ihm hat Europa gute Aussichten, sich weiter zu ernähren: „Und damit das so bleibt, fangen wir mit dem ersten Beet an. Bitte nehmen Sie sich von dort drüben jeder eine Schaufel …“
    So ausgeklügelt Eschbach seinen Roman konstruiert hat, ab und zu schimmert doch das Gerüst durch. Die Geschichte des Markus Westermann, der in seiner Karrierebesessenheit ab und zu gegen Gesetze verstößt, ist von unglaublichen Zufällen geprägt, manches aber davon ist so witzig, dass Andreas Eschbach keine Vorwürfe zu machen sind.
    Ausgebrannt ist ein brisanter Roman über den gedankenlosen Verbrauch unserer Ressourcen. Das zukünftige Leben zeichnet sich nicht durch Bequemlichkeit aus, bei einiger Anstrengung kann aber ein hoher Lebensstandard erhalten werden.

    Ulrich Blode


    Andreas Eschbach: Ausgebrannt. Lübbe 2007. 749 Seiten. 19,95 Euro.

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