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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 00:42

     

    Doris Dörrie: Und was wird aus mir?

    29.04.2007


    „Nur in der Fiktion ist man hier echt“


    Liebenswert an Doris Dörrie wie eh und je: ihr Blick für Menschen und Schwächen, für Komik und Tragik, für Fehler, die man doch irgendwie immer wieder verzeihen kann.

     

    „Er war am Ende, eine stinkende Hollywood-Leiche und jeder konnte das riechen.“ Rainer, einst „hoffnungsvoller Jungregisseur“, Star in der Traumfabrik Hollywood, hält sich mit Kleinstrollen in zweifelhaften Fernsehserien wie „Hitler and his dog“ über Wasser, spielt dem verwöhnten Töchterchen in den Ferien den vom Erfolg verwöhnten Hollywood-Star vor und bewohnt Luxus-Villen, auf die er eigentlich als Haushüter achten soll. Damals, vor vielen Jahren hatte er als Regisseur gemeinsam mit den Schauspielerinnen Johanna und Heidi den Sprung über den großen Teich geschafft. Hollywood, wir kommen – ihr erster Film wird der absolute Knüller, aber das war’s dann auch. Vom Erfolg hoch katapultiert, folgt schnell der tiefe Absturz. Eine hinreißende Geschichte über Karrieren, Menschen und die Liebe. Brillant und szenisch pointiert, wie sollte ein Regie-Profi es anders machen, setzt Doris Dörrie ein populäres Thema um, nämlich die Welt der Stars und Sternchen, die zieht immer. Aber sie belässt es nicht bei seichter Kulissenschau, sondern entwickelt Schicksale, die tragisch sind, aber auch herzlich und überaus erfrischend komisch.

    „Nur in der Fiktion ist man hier echt“, das ist Hollywood, wo alle Sklaven sind, Sklaven der Unterhaltungsindustrie, selbst die Chefs. Der Unterschied liegt nur in der Höhe des Gehalts ... Erkenntnisse, die die drei erst spät machen. In Rückblenden und Kapiteln, die sich den einzelnen Protagonisten widmen, entsteht eine plastische und runde Geschichte, die mit über 400 Seiten allerdings vielleicht doch stellenweise etwas kürzer hätte sein können. Liebenswert an Doris Dörrie wie eh und je: ihr Blick für Menschen und Schwächen, für Komik und Tragik, für Fehler, die man doch irgendwie immer wieder verzeihen kann.

    „Vor jedem Drehtag bekommst du Durchfall vor Angst. Während des Schnitts leidest du an Depressionen. Vor jeder Premiere kotzt du deine Innereien aus. Bei jeder schlechten Kritik drohst du regelmäßig erst mit Mord und dann mit Selbstmord ... Und jetzt stirbst du fast vor Angst, wenn dein Produzent dich anruft.“ Eine wunderbare und sehr gelungene Mischung einer Story aus der Welt der genormten Reichen und der so ganz ehrlich und intim geschilderten Suche nach bescheidenem Glück, Anerkennung und Liebe. „Ich belüge meine Tochter, meine Exfrau, mich selbst, die ganze Welt.“ Nach diesem Buch träumen Sie garantiert in Farbe!

    Barbara Wegmann


    Doris Dörrie: Und was wird aus mir? Diogenes 2007. 420 Seiten. 22,90 Euro.

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