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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 18:55

     

    Martin von Arndt: ego shooter

    04.04.2007

    Großer Wurf fernab des Mainstreams

    Kovacs ist professioneller Spieler. Um genau zu sein, ist er "electronic cash player" im Internet. Nacht für Nacht "sitzt" er in Kampfflugzeugen und spielt Szenen des Zweiten Weltkriegs nach. Mit den "Siegen" finanziert er sein Leben.

     

    Seine Leidenschaft bezahlt Kovacs, ein Mann mittleren Alters, mit allerhand Malaisen. Er leidet an Bluthochdruck, Abszessen, zuletzt sogar an einer Hirnhautentzündung, mehr noch: Martin von Arndt erzählt höchst spannend die wohl letzte Woche im Leben des Spielsüchtigen, der immer mehr verwahrlost und die Kontrolle über sich selbst, seinen Körper und seine Schmerzen verliert.

    Martin von Arndt hat mit seinem ersten Roman gleich mehrere Kunststücke geschafft. ego shooter erzählt zwar eine Geschichte aus dem Spielmilieu des Internets, doch von Arndt hält soweit Distanz, dass dem Leser der Zukunft die Technologie nicht als völlig veraltet erscheinen und der Roman schon bald nostalgisch anmuten wird. So sehr Kovacs sein wirkliches Leben zugunsten des virtuellen entgleitet - an keiner Stelle wird moralisiert. Die unsentimenale Ich-Erzählung ist ein innerer Monolog oder rastlose Tagebuchskizze eines Sterbenden. Martin von Arndt hat zudem das alte Motiv der Spielsucht literarisch wiederbelebt, seine Ziehväter heißen Dostojewski und Jack London. Nicht zuletzt liefert er einen Beitrag zur aktuellen Debatte um Gewaltspiele, sei es auch nur als Psychogramm eines Abhängigen.

    So düster und abgründig ego shooter ist, in den verhuschten Rückblicken auf Kovacs relativ kurzes Leben tauchen komische und poetische Momente auf. So vergleicht er die Zickzackbewegung der Finger auf dem Handydisplay mit "fliegen, die an sommertagen ihre geheimsprache unter die deckenlampe schreiben." Zarte Stunden des Glücks, die Kovacs mit seiner Freundin erlebt, werden allerdings durch die Herzlosigkeit seiner nikotinsüchtigen Mutter und den Krebstod seines O­nkels konterkariert.

    Mit ego shooter ist Martin von Arndt ein großer Wurf gelungen, fernab des literarischen Mainstreams.

    Matthias Kehle


    Martin von Arndt: ego shooter. Roman, Verlag Klöpfer & Meyer, 144 Seiten 17,90 Euro. ISBN 3-93766-791-1

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